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Schwarze Löcher : Gaswolke verrät Masse eines Schwergewichts

Schwarzes Loch mit umkreisender Staub- und Gasscheibe Bild: dpa

Im Zentrum der elliptischen Galaxie NGC 1332 haben Wissenschaftler ein massereiches Schwarzes Loch ins Visier genommen. Mit einem besonderen Verfahren haben sie die Masse des Objektes präzise ermittelt.

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          Ein massereiches Schwarzes Loch ist von einer amerikanischen Astronomengruppe mit dem Radioteleskop Alma der Europäischen Südsternwarte (Eso) in 73 Millionen Lichtjahren Entfernung ins Visier genommen worden. Das Objekt sitzt im Zentrum der im Sternbild Eridanus gelegenen elliptischen Galaxie NGC 1332 und hat eine Masse von 660 Millionen Sonnen. Das Objekt ist damit 150 Mal so massereich wie das Schwarze Loch im Zentrum der Milchstraße.

          Manfred Lindinger

          Redakteur im Ressort „Natur und Wissenschaft“.

          Die Forscher um Aaron Barth von der University of California in Irvine haben zur Bestimmung der Masse dessen Gravitationswirkung auf die umliegende Gas- und Staubscheibe vermessen, insbesondere auf die darin enthaltenen Kohlendioxid-Moleküle. Für solche Beobachtungen sind die Antennen des Atacama Large Millimeter/Submillimeter Array (Alma) besonders geeignet: Denn Molekülwolken leuchten im Radiowellenbereich - im Spektralbereich also, für den die Teleskope von Alma empfindlich sind.

          Zentralregion der Milchstraße mit Antennen des ALMA-Observatoriums, dem „Atacama Large Millimeter/submillimeter Array“, in Chile. Die Position des Galaktischen Zentrums am Himmel liegt auf halbem Weg zwischen Antares, dem hellsten Stern auf dem Bild, und der Spitze einer der ALMA-Antennen im Vordergrund (der zweiten von rechts).
          Zentralregion der Milchstraße mit Antennen des ALMA-Observatoriums, dem „Atacama Large Millimeter/submillimeter Array“, in Chile. Die Position des Galaktischen Zentrums am Himmel liegt auf halbem Weg zwischen Antares, dem hellsten Stern auf dem Bild, und der Spitze einer der ALMA-Antennen im Vordergrund (der zweiten von rechts). : Bild: Y.Beletsky (LCO)/ESO

          Barth und seine Kollegen haben festgestellt, dass das Kohlendioxidgas mit einem Tempo von 500 Kilometern pro Sekunde in einem Abstand von einigen Lichtjahren um das Schwarze Loch rotiert. Daraus konnten sie recht präzise auf die Masse des „Schwerkraftmonsters“ schließen, wie sie in einer der kommenden Ausgabe der „Astrophysical Journal Letters“ berichten.

          Üblicherweise ermittelt man die Masse von Schwarzen Löchern über den Einfluss auf die Bewegung benachbarter Sterne. Dieses Verfahren funktioniert allerdings nur für Schwarze Löcher in der Milchstraße. Für ferne Galaxien wie NGC 1332 ist das Verfahren nicht empfindlich genug. Hier hilft die Analyse der ein Schwarzes Loch umkreisenden Gaswolke mit einem Radioteleskop weiter.

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