https://www.faz.net/-gwz-7przy

Countdown in Baikonur : Ab ins All

Noch einmal winken: Alexander Gerst mit seinem russischen Kollegen Maxim Surayev und Reid Wiseman aus den Vereinigten Staaten Bild: AFP

Der deutsche Astronaut Alexander Gerst ist zur Raumstation ISS unterwegs. Betritt er ein Auslaufmodell? Der ehemalige Raumfahrer und Esa-Direktor Thomas Reiter räumt mit Gerüchten auf.

          4 Min.

          Die Internationale Raumstation ISS bietet vom Weltraum aus betrachtet einen majestätischen Anblick. Dieser Eindruck wird sich auch dem deutschen Astronauten Alexander Gerst vermitteln, wenn er sich mit seinen beiden Kollegen -  dem amerikanischen Bordingenieur Reid Wiseman und dem russischen Kommandanten Maxim Surayev - am Donnerstagmorgen an Bord einer Sojus-Kapsel dem Außenposten der Menschheit nach einer Flugzeit von nur sechs Stunden langsam nähert. Sechs Monate wird der Geophysiker und Vulkanologe auf der ISS verbringen und in dieser Zeit fast hundert Experimente betreuen sowie einen Außenbordeinsatz absolvieren. Sein Hauptarbeitsplatz wird das europäische Forschungsmodul Columbus sein, das seit Ende 2008 ein fester Bestandteil der Raumstation ist.

          Watch live streaming video from dlrlive at livestream.com


          Manfred Lindinger

          Redakteur im Ressort „Natur und Wissenschaft“.

          Seit fast fünfzehn Jahren ist die Raumstation, die sechs Astronauten Platz bietet, ununterbrochen besetzt. Sie hat bisweilen den Charakter einer exotischen Wohngemeinschaft. Doch der Außenposten im erdnahen Weltraum könnte als Symbol für die erfolgreiche internationale wissenschaftliche Kooperation der am Projekt beteiligten Nationen ins Wanken geraten und ein vorzeitiges Ende finden. Diese Befürchtung weckte Mitte Mai der russische stellvertretende Premierminister Dmitrij Rogosin, als er verkündete, dass Russland das Engagement - anders als von den Vereinigten Staaten gewünscht - bereits 2020 beende und eigene Wege in der Raumfahrt gehen wolle. Die Aussage von Rogosin wird als Trotzreaktion auf die amerikanischen Sanktionen im Zuge der Ukraine-Krise gewertet. Die amerikanische Regierung hatte ihrerseits zuvor angeordnet, dass die Mitarbeiter der Nasa den Kontakt zu ihren Kollegen bei der russischen Raumfahrtagentur Roskosmos weitgehend einstellen sollen. Ausgenommen hatte man ausdrücklich den Betrieb der Raumstation.

          War Rogosins Aussage nur diplomatisches Säbelrasseln, oder bedeutet es das vorzeitige Aus der größten von Menschen gebauten Apparatur im Weltraum, die ohne weiteres bis Ende des nächsten Jahrzehnts betrieben werden kann? Die Vereinigten Staaten haben im Januar auf einer internationalen Konferenz als erste Raumfahrtnation angekündigt, von ihrer Seite den Betrieb der Raumstation bis mindestens 2024 unterstützen zu wollen. Thomas Reiter sieht die Ankündigung von Rogosin eher gelassen.

          Alexander Gerst im orginalgeträuen Modell des Forschungslabors Columbus in  Köln

          Der ehemalige Astronaut und Direktor für bemannte Raumfahrt am Europäischen Satellitenkontrollzentrum Esoc in Darmstadt spürt in seiner täglichen Arbeit nichts von irgendwelchen Maßnahmen oder Sanktionen von russischer Seite. Es habe bisher auch keinen Schriftwechsel zwischen der russischen Raumfahrtagentur Roskosmos und der amerikanischen Weltraumbehörde Nasa sowie den anderen Partnern gegeben, dass Rogosins Androhung auch tatsächlich verwirklicht werden soll, sagt Reiter im Gespräch mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. Auch in der vergangenen Woche auf der Internationalen Luft- und Raumfahrtausstellung ILA in Berlin, als sich der Chef der Nasa, Charles Bolden, der Generaldirektor der Europäischen Raumfahrtagentur Esa, Jean-Jacques Dordain, und ein ranghoher Vertreter von Roskosmos getroffen hätten, sei ein vorzeitiges Aus der ISS kein Thema gewesen. Und Nasa-Chef Bolden bemühte sich in Interviews bewusst um versöhnliche Töne: Die ISS dürfe den Wirren der Politik nicht zum Opfer fallen.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Das Entsetzen der Polizisten : Allein der Glaube fehlt

          Selten haben Polizisten in ganz Amerika die Handlungen eines Kollegen so deutlich verurteilt wie im Fall des Todes von George Floyd. Doch für viele Menschen sind die Worte nur Lippenbekenntnisse.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.