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Countdown in Baikonur : Ab ins All

Die Internationale Raumstation ISS

Überraschenderweise hat sich außer den Amerikanern bislang noch keiner der anderen Partner geäußert, ob man sich bis 2020 und darüber hinaus bei der ISS weiter engagieren will und die dortigen Aktivitäten mitfinanziert. Auch die Europäische Raumfahrtagentur, einer der wichtigsten Partner, hat noch keine Zusage gemacht und es auch noch nicht können. „Wir von der Esa müssen die zuständige Ministerratssitzung Anfang Dezember abwarten“, sagt Thomas Reiter. Er ist aber zuversichtlich, dass die Esa-Mitgliedstaaten gewillt sind, die ISS weiter zu unterstützen. Wann sich die Japaner und Kanadier entscheiden, ist noch nicht vorauszusehen. Und Roskosmos hat vor einiger Zeit angekündigt, dass der Finanzplan für den Zeitraum von 2020 bis in die Hälfte des kommenden Jahrzehnts Ende dieses Jahres zur Entscheidung ansteht. Insofern würde in Russland erst Ende des Jahres über die Weiterführung der Raumstation entschieden.

Der deutsche Astronaut Thomas Reiter bei seinem Außenbordeinsatz auf der ISS im Jahr 2006.

Reiter ist überzeugt, dass alle, die an der ISS beteiligt sind, sich in Anbetracht ihrer Investitionen sehr wohl überlegen, ob sie weitermachen oder nicht. Die Internationale Raumstation hat bis heute mehr als 100 Milliarden Euro gekostet. Hinzu kommt, dass der Aufbau der Internationalen Raumstation erst vor wenigen Jahren weitgehend abgeschlossen wurde - bis auf das russische Mehrzweckmodul MLM. So habe man erst kürzlich mit dem wissenschaftlichen Programm richtig begonnen. Von den mehr als tausend Experimenten seien bislang bereits etwa 230 unter der Regie der Esa ausgeführt worden.

Die Befürchtung, dass mit dem vermeintlichen Ausstieg Russlands auch kein Raumfahrzeug für den Transport der Astronauten zur Verfügung stehen würde, räumt Reiter beiseite. Die Nasa nutze derzeit die Kapseln von zwei kommerziellen Betreibern, um Nutzlast zur Raumstation zu befördern. Die Kapsel von Space X kann sogar wieder zur Erde zurückkehren, wie drei Routineflüge bereits gezeigt haben. Und die Nasa rechnet damit, dass es um 2016 den ersten bemannten Flug mit einer Space-X-Kapsel geben wird. „Man wird auf amerikanischer Seite in zwei Jahren also wieder eine eigene zuverlässige Transportmöglichkeit haben und nicht nur auf die russische Sojus-Kapsel angewiesen sein“, sagt Reiter. Im Jahr 2010 hatte die Nasa das Shuttleprogramm eingestellt, nachdem es immer wieder technische Schwierigkeiten mit den Raumfähren und 2003 einen tödlichen Unfall gab. Außerdem hatten sich die Shuttlen in der Wartung als zu teuer herausgestellt.

„Ohne Roskosmos, aber auch ohne die Nasa wäre die Internationale Raumstation nicht wirklich überlebensfähig“, sagt Reiter. Beide Raumfahrtorganisationen betreiben wichtige Service- und Steuerungssegmente, die die Raumstation auf Kurs halten und mit Energie versorgen. Kein Partner kann die Raumstation allein betreiben. Die Internationale Raumstation ist vielmehr auf Kooperation ausgelegt. Für Reiter wäre es fatal, würde die Internationale Raumstation zu einem politischen Spielball werden und die Konflikte auf dem Rücken der Raumstation ausgetragen. „Das wäre ein dramatisches Zeichen, dass man nicht in der Lage ist, auf welchem Terrain auch immer gemeinsame wissenschaftliche Ziele zu verfolgen.“

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