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Chile : Almas Radio-Augen

Schwerlast: Das niedlich benannte Teleskop auf dem Weg zum Standort Bild: dpa

Das Superteleskop „Alma“ der ESO ist fertig. Nach einer Planungsphase und Bauzeit von mehr als zehn Jahren geht eines der leistungsfähigsten astronomischen Observatorien der Welt in Betrieb.

          Die Hochebene von Chajnantor in der chilenischen Atacamawüste ist eine der trockensten und abgelegensten Gegenden der Erde. Kein Wasserdampf, keine Großstadtlichter trüben den Blick auf den Sternhimmel der Südhalbkugel, der mehr Schätze bereithält als der Nordhimmel. Die Atacamawüste bietet also ideale Bedingungen für astronomische Beobachtungen.Aus diesem Grund hat die europäische Südsternwarte (Eso) gemeinsam mit ihren Partnerländern, darunter die Vereinigten Staaten, Chile und Länder Asiens, in dieser unwirtlichen Region auf fünftausend Metern über dem Meeresspiegel eines der leistungsfähigsten astronomischen Observatorien der Welt errichtet: das Atacama Large Millimeter/Submillimeter Array, kurz Alma.

          Manfred Lindinger

          Redakteur im Ressort „Natur und Wissenschaft“.

          Nach einer Planungsphase und Bauzeit von mehr als zehn Jahren wird Alma an diesem Mittwoch in Anwesenheit des chilenischen Staatspräsidenten feierlich in Betrieb genommen. Der Millimeter- und Submillimeterbereich des elektromagnetischen Spektrums, wofür Alma spezifiziert wurde, ist für die Astronomen besonders interessant. Bei diesen Wellenlängen strahlen die ältesten und am weitesten entfernten Galaxien im Universum, vor allem aber die großen kalten Wolken im interstellaren Raum. In diesen Gaswolken entstehen neue Sterne, Sternsysteme und Planeten.

          Das Herzstück Almas

          Die Gebiete sind dunkel und undurchdringlich für sichtbares Licht und so mit den optischen Teleskopen kaum zu beobachten. Im Millimeter- und Submillimeterbereich jedoch leuchten die kalten Gaswolken hell und erlauben den Blick in ihr Inneres. Damit die Radiostrahlung im Submillimeterbereich vom Wasserdampf in der Atmosphäre der Erde nicht absorbiert wird, haben die Astronomen der Eso ihre Anlage, die aus 66 Parabolantennen besteht, in den hohen Anden errichtet, wo man kaum ohne Atemmaske arbeiten kann. Die Installation der Teleskope war deshalb extrem mühsam und wurde mit speziellen Sattelschleppern bewerkstelligt. Und auch bei laufendem Messbetrieb sind nur eine Handvoll Techniker und Wissenschaftler an Ort und Stelle.

          Die Stammmannschaft sitzt in einem auf 2.900 Meter Höhe gelegenen Kontrollzentrum, wo sich auch das Rechenzentrum befindet. Das Herzstück Almas, das rund eine Milliarde Euro gekostet hat, bilden 54 Parabolantennen mit je zwölf Metern Durchmesser, die zusammengeschaltet werden können, wodurch sie wie ein einziges großes Teleskop arbeiten. Ergänzt wird das Feld von zwölf kleineren Teleskopen mit sieben Meter Durchmesser. Jede Antenne ist transportabel und kann auf dem Hochplateau individuell plaziert werden, so dass man ein Superteleskop von 150 Metern, aber auch eines von sechzehn Kilometer Durchmesser erhalten kann.

          Dadurch wird Alma gewissermaßen zu einem gigantischem Zoom-Objektiv, das das Universum im Bereich zwischen dem Infrarot und der Radiostrahlung mit extrem hoher Empfindlichkeit und Auflösung erforschen kann. Die erste Antenne des Netzwerks war im November 2009 installiert worden, und bereits in einer abgespeckten Version hatte man eine Reihe ungewöhnlicher Beobachtungen machen können. So entdeckte man mit einem Dutzend betriebsbereiter Teleskope im Jahr 2012 kleine organische Zuckermoleküle in einer kalten Molekülwolke um einen 400 Millionen Lichtjahre entfernten Stern.

          Im gleichen Jahr hatte man zwei 70 Millionen Lichtjahre entfernte Spiralgalaxien im Visier, die sich auf Kollisionskurs befinden. Während die optischen Teleskope vor allem das Leuchten der Sterne registrierten, konnte Alma massereiche Wasserstoffwolken in der Kollisionszone ausmachen, die irgendwann zu gigantischen Geburtsstätten zahlreicher neuer Sterne werden. Anhand von gewaltigen Staub- und Gasmengen, die von fernen Galaxien umgesetzt werden, hat man jüngst junge Sterne in der Entstehungsphase beobachten können. Der Prozess hat sich offenbar schon zwei Milliarden Jahre nach dem Urknall abgespielt, somit viel früher als bislang angenommen.

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