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Gespräch mit Bruce Allen : Wir hatten großes Glück!

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Zwei Zyklen in unserem Signal entsprechen einem Umlauf. Wir haben acht Zyklen gesehen, macht also vier Umläufe.

Und dann verschmolzen die beiden Massenmonster ...

Von 150 Hertz bis 250 Hertz sahen wir noch zwei Zyklen des Signals. Die Amplitude nahm ab, und das System beruhigt sich.

Was war passiert?

Stellen Sie sich die beiden Schwarzen Löcher als zwei Seifenblasen vor, die zusammentreffen. Die aneinander klebenden Blasen vibrieren zunächst noch etwas, bevor sie zu einer einzigen großen Blase verschmelzen. Auch die beiden fusionierten Schwarzen Löcher haben noch vibriert, bevor ein großes Schwarzes Loch entstand.

Ist ein Irrtum ausgeschlossen?

Jedes Signal kann durch Rauschen verursacht werden. Wir haben aber berechnet, dass wir mindestens 200.000 Jahre hätten warten müssen, bis statistisch allein durch das Rauschen unserer Detektoren ein vergleichbares Signal entstanden wäre, wie wir es gemessen haben. Wir sind uns sehr sicher, dass wir ein echtes Signal gemessen haben. Die statistische Signifikanz beträgt 5,1 Sigma.

Jeweils vier Kilometer lang sind die in Röhren verlaufende Laserarme des Ligo-Observatoriums in Hanford (Washington). In der Mitte sind die Bürogebäude zu erkennen.
Jeweils vier Kilometer lang sind die in Röhren verlaufende Laserarme des Ligo-Observatoriums in Hanford (Washington). In der Mitte sind die Bürogebäude zu erkennen. : Bild: LIGO Laboratory

In welcher Region hat sich das Schauspiel abgespielt?

Höchstwahrscheinlich in der Südhemisphäre. Die Unsicherheit sind etwa 600 Quadratgrad. Der ganze Himmel umfasst 40.000 Quadratgrad. Genauer wissen wir es noch nicht. Der Grund ist, dass wir derzeit nur zwei geeignete Instrumente zur Verfügung haben. Geo 600 in Hannover ist mit seinen Armlängen von jeweils 600 Metern nicht empfindlich genug. Zudem war es gerade nicht in Betrieb, als die Gravitationswellen eintrafen. Und das italienische Interferometer Virgo bei Pisa ist noch nicht betriebsbereit.

Wann wird es in Pisa losgehen?

Virgo sollte ursprünglich diesen Monat seine Arbeit aufnehmen. Es gab dort technische Probleme, so dass sich die Inbetriebnahme auf September verzögern wird. Dann wird Virgo hoffentlich mit einer guten Performance starten. Wir würden gerne einen dritten Ligo-Detektor auf der Südhalbkugel in Indien errichten, weit entfernt von den existierenden Ligo-Antennen in Hanford und Livingston. Wir warten noch auf die Zustimmung der indischen Regierung. Mit drei Ligo-Detektoren wären wir noch empfindlicher. (Anm. d. Red. Die indische Regierung hat inzwischen die Genehmigung erteilt.)

Japan will auch eine Gravitationswellen-Antenne bauen.

Der Kagra-Detektor ist ein sehr ambitioniertes Instrument. Er soll in einem Berg tief unter der Erde gebaut werden, zum Schutz vor Erschütterungen. Zudem will man die Spiegel auf extrem tiefe Temperaturen kühlen, um das thermische Rauschen zu minimieren. Kagra wird um 2020 in Betrieb gehen, schätze ich. Unsere Resultate werden die Wissenschaftler von Kagra und Virgo hoffentlich motivieren.

Und dann gibt es noch das Weltraum-Interferometer Lisa, bei dem die Amerikaner ausgestiegen sind. Wird man sie zurück ins Boot holen können?

Mit den jüngsten Ergebnissen stehen die Chancen gut. Und wenn dazu noch das Vorbereitungsprojekt Lisa-Pathfinder, das bald seine Testmessungen beginnt, noch gut verläuft ...

Wie geht es weiter bei Ligo?

Die zweite Messphase lief bis Ende Januar. Wir sind noch mit der Analyse der Daten beschäftigt. Wir sind jetzt schon sicher, dass wir von weiteren Quellen für Gravitationswellen berichten können. Im September geht es dann weiter.

Die Fragen stellten Ulf von Rauchhaupt und Manfred Lindinger.

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