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Binäsystem V404 Cygni : Ein Schwarzes Loch erwacht

  • -Aktualisiert am

Das Binärsystem V404 Cygni als Modell: Das rotierende Schwarze Loch ist von einer Gasscheibe umgeben, in der sich die Materie ansammelt, die das gefräßige Massenmonster vom benachbarten Riesenstern (rot) aufsaugt. Ein Teil der Materie entweicht in Form von zwei Materiejets nach oben und nach unten. Bild: Esa/ATG medialab

Das Massenmonster V404 Cygni im Sternbild Schwan fährt nach 26 Jahren fort, seinen Partner, einen Superstern, zu verschlingen. Warum hat das Schwarz Loch so lange pausiert?

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          Hungrige Schwarze Löcher langen richtig zu - insbesondere, wenn sie 26 Jahre im Tiefschlaf verbracht haben. Das zwölf Sonnenmassen schwere Loch im Binärsystem V404 Cygni - 8000 Lichtjahre entfernt im Sternbild Schwan gelegen - hat sich nun mit einem Feuerwerk zurückgemeldet. Seit 1989 war es still gewesen, um das Massemonster.

          Doch am 15. Juni dieses Jahres schlug das „Burst Alert Telescope“ an Bord des amerikanischen Swift-Satelliten Alarm: Ein heftiger Ausbruch energiereicher Gammastrahlung kam aus Richtung V404 Cygni, ein untrügliches Zeichen dafür, dass das Schwarze Loch wieder zu „fressen“ begonnen hatte. Innerhalb weniger Stunden richteten Astronomen weltweit eine ganze Armada von Teleskopen auf das ungewöhnliche Objekt. Dabei kamen im Weltraum stationierte Röntgenteleskope und optische Fernrohre auf der Erde zum Einsatz.

          Himmelsausschnitt im Sternbild Schwan, wo das Binärsystem V404 Cygni beheimatet ist. Das linke Bild wurde vor dem Gamma-Ausbruch am 19 Mai geschossen, das Bild rechts am 18. Juni.
          Himmelsausschnitt im Sternbild Schwan, wo das Binärsystem V404 Cygni beheimatet ist. Das linke Bild wurde vor dem Gamma-Ausbruch am 19 Mai geschossen, das Bild rechts am 18. Juni. : Bild: Esa/Integral/IBIS/ISDC

          In allen Wellenlängenbereichen flammte V404 Cygni auf und flackerte dabei wie eine Kerze im Wind. Im nur vom Weltraum aus beobachtbaren Röntgenlicht wurde es vorübergehend sogar zum hellsten Objekt des Himmels. Am 27. Juni endete der Ausbruch ebenso abrupt, wie er begonnen hatte. Nun rätseln Astronomen über seine Ursache.

          Gasscheibe als Materiespeicher

          Historische Daten zeigen, dass V404 Cygni im zwanzigsten Jahrhundert nur dreimal aktiv gewesen war: 1938, 1956 und eben 1989. Dazwischen verhielt sich das Objekt jahrzehntelang völlig ruhig. Lange Zeit war seine Natur unbekannt, bis 1989 ein japanischer Satellit zum ersten Mal Röntgenstrahlung nachwies, die V404 Cygni emittierte. Inzwischen weiß man, dass es sich um ein Binärsystem aus einem Schwarzen Loch und einem massearmen Stern handelt. Beide Objekte umkreisen sich in engem Abstand, so dass Materie vom Stern in das Loch strömen kann. Dabei erhitzt sich das Sternmaterial so stark, dass es energiereiche Strahlung, vor allem im Röntgenbereich, aussendet. Warum die Fütterung nicht kontinuierlich, sondern in kurzen, heftigen Schüben abläuft, ist noch immer rätselhaft.

          Astronomen vermuten, dass die überströmende Sternmaterie zunächst in einer flachen, das Loch umgebenden Gasscheibe gespeichert wird. Dieser Nahrungsspeicher scheint zu bestimmten Zeiten überzulaufen. Was genau diesen Prozess auslöst, weiß man noch nicht. Immerhin stehen die Chancen gut, dass das Rätsel um V404 Cygni mit den nun von einer Vielzahl von modernen Teleskopen gesammelten Daten gelöst werden kann. Noch läuft die Beobachtungskampagne, auch wenn das Schwarze Loch wieder eingeschlafen zu sein scheint: Vom 10. bis zum 12. Juli werden Astronomen das Weltraumteleskop Hubble auf das Objekt im Sternbild Schwan richten. Möglich ist auch, dass die Fütterung noch nicht zu Ende ist: 1989 war V404 Cygni ganze zwei Monate lang aktiv.

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