https://www.faz.net/-gwz-9od2k

Rätselhafter Gasausstoß : Wieder Methan auf dem Mars

Selfie vom Nasa-Marsrover „Curiosity“ Bild: dpa

Der Marsrover „Curiosity“ hat wieder Methangas auf dem Roten Planeten gemessen. Diesmal war die Gasmenge besonders groß. Doch woher stammt der Kohlenwasserstoff, der auf der Erde vorwiegend aus biologischen Quellen stammt?

          Der Mars stößt hin und wieder rätselhafte Wolken von Methan aus, die sich schnell wieder verflüchtigen. Der amerikanische Rover „Curiosity“, der seit August 2012 die Oberfläche des Roten Planeten erkundet, hat schon mehrere solcher Ausbrüche in seinem Operationsgebiet, dem Gale-Krater, registriert. In der vergangenen Woche nun wurde der Forschungsroboter abermals Zeuge eines solchen Ereignisses. Die Konzentration der einfachsten organischen Verbindung schnellte kurzzeitig bis auf das Dreifache des höchsten bislang von Curiosity gemessenen Werts an, wie die amerikanische Raumfahrtbehörde Nasa mitteilte. Doch nach wie vor ist der Ursprung der Methanquelle unbekannt.

          Manfred Lindinger

          Redakteur im Ressort „Natur und Wissenschaft“.

          Vor sechzehn Jahren sorgte die Meldung für großes Aufsehen: Ein Spektrometer an Bord der europäischen Raumsonde „Mars Express“ habe in der dünnen Gashülle des Planeten erstmals Spuren von Methan nachgewiesen und frühere Befunde  irdischer  Teleskope bestätigt. Die Aufregung war mehr als begründet: Schließlich gilt das einfachste organische Molekül als wichtiger Biomarker. Auf der Erde stammt das Methan in der Atmosphäre zum überwiegenden Teil aus biologischen Prozessen, hochspezialisierte Bakterien geben es nach der Verwertung von Kohlenstoff in die Luft ab. Schnell wurde spekuliert, ob der Mars möglicherweise doch nicht so ein toter Planet sei, wie man glaubte.

          Mysteriöser Gasausstoß im Gale-Krater

          Später erhärteten sich die Hinweise durch die positiven Befunde amerikanischer Raumsonden. Der letzte stammte wieder vom europäischen Mars-Express. Die Sonde konnte die früheren Messungen von Curiosity durch gleichzeitige Messungen in der Marsumlaufbahn bestätigen. Die Erwartungen sind durch negative Resultate des „Trace Gas Oribiters“ der russisch-europäischen ExoMars-Mission jedoch kürzlich getrübt worden. Die Sonde, die seit zwei Jahren den Mars umrundet und die Marsatmosphäre nach Spurengase untersucht, konnte bislang kein Methan aufspüren.   

          Die jüngste Aufnahme von Curiosity

          Deshalb waren die Marsforscher der Nasa überrascht, als das Laserspektrometer SAM von Curiosity in der vergangenen Woche abermals ausschlug. Das Instrument maß dieses Mal eine Methankonzentration von 21 ppb Volumenanteile an Methan. Das entspricht 21 Methan-Molekülen pro einer Milliarde Luftteichen. Das ist dreimal so viel wie Ende 2013 und Anfang 2014 gemessen wurde, so die Nasa. Am vergangenen Wochenende betrug die gemessene Konzentration dann nur noch 1 ppb. Die Methanemission war also abermals nur ein kurzzeitiges Ereignis. Im Vergleich zur Erde sind die gemessenen Methanemissionen gering, hier beläuft sich die Konzentration auf rund 1800 ppb. Um so mehr interessieren sich die Forscher für die Ursache.

          Geologische Quellen als Ursache?

          „Mit unseren derzeitigen Messungen können wir nicht sagen, ob die Methanquelle biologischer oder geologischer Natur ist oder wann das Methan produziert wurde", erklärt Paul Mahaffy vom Goddard Spaceflight Center der Nasa und verantwortlicher Wissenschaftler für das Spektrometer SAM.

          Direkte Hinweise auf biologische Aktivität haben die Forscher bis jetzt nicht gefunden, so dass Mikroorganismen als Quelle weiter Spekulation bleiben. Methan kann auf dem Mars jedoch auch auf andere Weise entstehen, etwa durch aktive Vulkane, geochemische Prozesse, durch die Zersetzung kohlenstoffreicher Staubpartikeln beziehungsweise Meteoriten oder durch ultraviolette Strahlung. Weiterführende Messungen in Kombination mit Beobachtungen aus der Umlaufbahn etwa durch den Trace Gas Orbiter sollen weitere Erkenntnisse über die Herkunft und die Ursache der rätselhaften Methan-Freisetzungen liefern.

          Weitere Themen

          Schutz für seltene Riesen Video-Seite öffnen

          Waldelefanten in Nigeria : Schutz für seltene Riesen

          Der Waldelefant, eine Art aus der Gattung der Afrikanischen Elefanten, ist in Nigeria vom Aussterben bedroht. Ranger versuchen, die Tiere zu schützen. Allerdings müssen auch die Bauern bei der Landwirtschaft unterstützt werden - ein Balanceakt.

          Topmeldungen

          „Haltet uns nicht länger hin“ fordern Demonstranten vor der Sitzung des Klimakabinetts in Berlin.

          Klimakabinett : Warmlaufen für den Tag der Entscheidung

          Weil erst in zwei Monaten feststehen soll, wie Deutschland seine Klimaziele einhalten will, vertagt die Regierung Beschlüsse. Bei einem Thema sperrt sich der Wirtschaftsminister besonders.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.