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Bemannte Raumfahrt : Auf dem Sprung zum Mars

Eher zweckmäßig und erstmal nur Konzept: So soll eine Kolonie auf dem Mars einmal aussehen. Bild: Simulation Bryan Versteeg/Mars One

Die Vorbereitungen für die Reise zum roten Planeten laufen auf Hochtouren. Freiwillige warten sehnsüchtig auf das Startsignal. Sogar der Vatikan hat bereits einen hoffnungsvollen Blick in Richtung Mars.

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          Viele Menschen sitzen auf gepackten Koffern und sind bereit, ihre Heimat zu verlassen. Aber nicht, weil Krieg, Terror oder Armut sie dazu zwingen würden. Sondern, um es den Seefahrern und Abenteurern vergangener Zeiten gleichzutun, die aufbrachen, um neue Länder zu entdecken und in unerforschte Gebiete vorzustoßen. Nur liegt das Ziel jetzt ziemlich weit weg - etwa 228 Millionen Kilometer, im Mittel - und es heißt: Mars. Und das bedeutet, dass die Astronauten ein gutes Jahr für die Hin- und Rückreise benötigen werden. Wollten sie auf dem Roten Planeten landen, müssten sie dort mindestens ein Jahr lang bleiben, bis sich Gelegenheit für einen zügigen Rückflug bietet.

          Manfred Lindinger

          Redakteur im Ressort „Natur und Wissenschaft“.

          Drei Jahre Enge, starke körperliche Belastung, gähnende Langeweile und Todesgefahr schrecken professionelle Raumfahrer wie Alexander Gerst freilich nicht. Auch zahlreiche Laien würden sofort buchen, selbst wenn sie nur ein One-Way-Ticket ergatterten. 100 Kandidaten zählt allein die private niederländische Initiative „Mars One“, die mit den vielen Freiwilligen auf dem Mars eine dauerhaft bewohnbare Siedlung errichten will.

          Ein zweiter blauer Planet? Diese Illustration  zeigt, wie der Mars vor vier Milliarden Jahren ausgesehen  haben könnte. Danach war die Nordhemisphäre des jungen Planet von einem Ozean bedeckt.

          Die Anstrengungen der amerikanischen Raumfahrtbehörde Nasa und zahlreicher privater Unternehmen erinnern an das Apollo-Projekt: Neue Raumanzüge werden entwickelt, die die Astronauten vor den widrigen Bedingungen in den Tiefen des Weltraums besser schützen sollen. Eine Raumkapsel - die Orion -, die sechs Astronauten befördern kann, hat ihre ersten Tests bereits erfolgreich absolviert. Ingenieure und Techniker arbeiten fieberhaft an einer Trägerrakete mit entsprechender Schubkraft. Auf der Internationalen Raumstation ISS testet man im Selbstversuch, ob sich Astronauten mit selbstangebautem Gemüse und Salat längere Zeit selbst versorgen können. Und ein Architektur-Wettbewerb der Nasa hat den Sieger für die beste Marswohnsiedlung bereits ermittelt.

          Marswasser ändert vielleicht das Gottesbild

          Im Kongress und in Präsident Obama hat die amerikanische Raumfahrtbehörde höchst einflussreiche Fürsprecher für das größte Abenteuer der Menschheit gefunden, das für 2035 geplant ist. Selbst der Vatikan scheint einer Marsreise gegenüber eher wohlgesinnt zu sein. Zumindest beschäftigen die jüngsten Hinweise der Nasa auf flüssiges Wasser und die damit verbundene Hoffnung auf außerirdisches Leben auf dem Roten Planeten den vatikanischen Chef-Astronomen Guy Consolmagno.

          Die Befunde würden helfen, das Wissen über Gott zu erweitern, erklärte der Jesuit gegenüber Radio Vatikan. „Wenn Gott ein Universum schafft, in dem das Leben überall ist, gibt uns das ein anderes Bild von Gott, und wir erfahren auch mehr darüber, was Schöpfer und Schöpfung bedeuten.“ Offenbar befürchtet der Heilige Stuhl, einige Christen könnten vom Glauben abfallen, würde man Marsleben aufspüren. Christen, so Consolmagno, sollten aber weiterhin an Gottes Macht über das Universum glauben. Für ihn lohne es sich zumindest, „sein Leben der Erforschung des Weltalls zu widmen, selbst wenn man dadurch nicht reich und berühmt wird“.

          Die Worte klingen hoffnungsvoll. Sind auch noch viele technische Hürden für die bemannte Marsmission zu überwinden, die Reisenden zum Roten Planeten können sich Gottes Segen bereits jetzt sicher sein. Und träfe man dort auf Aliens, könnte man diese schließlich gleich missionieren.

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