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Bei fernen Sonnen : Ein Exoplanet wird geröstet

  • -Aktualisiert am

So ungefähr darf man sich's vielleicht vorstellen:Der Exoplanet und sein Heimatstern in künstlerischer Darstellung. Bild: dpa

Über dreihundert Planeten in fernen Sonnensystemen sind mittlerweile bekannt. Extreme Verhältnisse herrschen auf den meisten. Nun hat eine Forschergruppe die Erhitzung eines solchen Planeten bei Annäherung an sein Zentralgestirn gemessen.

          2 Min.

          Seit im Jahr 1995 der erste Planet aufgespürt wurde, der einen sonnenähnlichen Stern umkreist, haben die Astronomen mehr als 330 Exoplaneten entdeckt. Eine zweite Erde befindet sich nicht darunter, stattdessen weisen viele der Himmelskörper extreme Bedingungen auf. Jetzt haben Infrarotmessungen mit dem amerikanischen Spitzer-Weltraumobservatorium gezeigt, dass die Temperatur auf dem Planeten HD 80606b innerhalb weniger Stunden um einige hundert Grad steigt, wenn das Objekt dicht an seinem Zentralgestirn - dem Stern HD 80606 - vorbeifliegt.

          Der Planet HD 80606b ist im Jahr 2001 von Astronomen der Universität Genf entdeckt worden. Er gehört zu einem Doppelsternsystem in rund 190 Lichtjahren Distanz von der Erde, dessen Komponenten etwa 1200 Astronomische Einheiten voneinander entfernt sind. (Eine Astronomische Einheit entspricht dem mittleren Abstand der Erde von der Sonne und beträgt 150 Millionen Kilometer.) Spektroskopische Messungen ergaben, dass der Planet, der aus Gas besteht und ungefähr 3,4 Mal so viel Masse wie der Jupiter aufweist, ähnlich dem Halleyschen Kometen eine extrem langgezogene Bahn hat.

          Auf exzentrischer Bahn

          Auf dieser Bahn kommt der Planet bis zu fünf Millionen Kilometer an den Zentralstern heran, während seine weiteste Distanz knapp 130 Millionen Kilometer beträgt. Während eines Umlaufs, der 112 Tage dauert, ist der Planet die meiste Zeit weit von dem Stern entfernt. Der "Vorbeiflug" ist kurz, weil sich das Objekt in der Nähe des Sterns viel schneller bewegt.

          Im November 2007 hat eine Gruppe amerikanischer Forscher den Stern HD 80606 samt seinem Planeten zwanzig Stunden vor seiner eigentlichen Passage bis zehn Stunden danach mit dem Spitzer-Teleskop beobachtet. In dem Zeitraum hat sich der Planet von der Erde aus gesehen jenseits des Sterns befunden. Innerhalb von nur sechs Stunden erhöhte sich die Temperatur des Planeten um 700 Grad. Das berichten die Forscher in der jüngsten Ausgabe der Zeitschrift "Nature". Danach ist der Planet wieder abgekühlt.

          Der raschen Änderung der Temperatur entnehmen die Forscher, dass der Planet nahe seiner "Oberfläche" aus einem Gas besteht, das Wärme schnell absorbiert und ebenso schnell wieder abgibt. Die Reaktion ließ sich besonders gut erkennen, weil sich der Planet nicht wie die meisten bekannten Exoplaneten gebunden um seinen Zentralstern bewegt - diesem also immer dieselbe Seite zuwendet -, sondern sich verhältnismäßig schnell um seine Achse dreht. Für eine Rotation benötigt er nur 34 Stunden.

          Normalerweise hätten die Forscher aus den Messdaten ausschließlich die Erhöhung der Temperatur, nicht aber den absoluten Wert herleiten können. Doch in diesem Fall kamen ihnen die besonderen Bedingungen zu Hilfe. Während der Messung flog der Planet direkt hinter dem Stern vorbei und wurde dabei für eine kurze Zeit vollständig von diesem bedeckt. In dieser Phase registrierten die Forscher die Temperatur des Sterns allein, so dass sie die Temperatur des Planeten eichen konnten. Sie ist während der heftigen Erwärmung von 800 auf 1500 Kelvin gestiegen.

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