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Kalte Planetenwelt : Neue Supererde in nächster Nachbarschaft

  • -Aktualisiert am

Jede Entdeckung eines Exoplanet regt die Fantasie der Astro-Künstler auf Neue an: Hier eine Träumerei über die mögliche Oberfläche des Exoplaneten Barnards Stern b. Bild: ESO

Ein alter Verdacht hat sich nun doch bestätigt: Der Rote Zwerg Barnards Stern beherbergt einen Planeten in nur sechs Lichtjahren Entfernung von uns.

          Es ist eine Frage, die unsere Phantasie anregt: Gibt es erdähnliche Planeten in nächster Nachbarschaft zu unserer Sonne? Das internationale Forschungsprojekt „Red dots“ kann bei seinem Versuch, diese Frage zu beantworten, nun einen weiteren Erfolg vermelden. Nachdem die Astronomen bei dem rund 4,3 Lichtjahre entfernten Roten Zwergstern Proxima Centauri bereits im Jahr 2016 fündig geworden waren, scheint ihnen dies nun auch für den sechs Lichtjahre entfernten Roten Zwerg Barnards Stern geglückt zu sein. Wie die Wissenschaftler in der heutigen Ausgabe der Zeitschrift „Nature“ berichten, sprechen ihre Ergebnisse für die Existenz eines Planeten von mindestens 3,2 Erdmassen, der seinen Mutterstern mit einer Periode von 233 Tagen umrundet.

          Barnards Stern im Sternbild Schlangenträger ist nach dem Dreifachsystem Alpha Centauri, zu dem auch Proxima Centauri gezählt wird, der zweitnächste Stern in Sonnenumgebung. Er besitzt etwa 0,16 Sonnenmassen und erzeugt nur vier Promille der Strahlungsleistung der Sonne. Benannt ist er nach dem amerikanischen Astronomen Edward Emerson Barnard, dem 1916 seine große Eigenbewegung auffiel.

          Die Spekulationen über die Existenz eines Planeten bei diesem Stern reichen weit in die 1960er Jahre zurück. Damals interpretierte der niederländisch-amerikanische Astronom Peter van de Kamp regelmäßig wiederkehrende Schwankungen in der Sternposition als Hinweis auf einen oder gar zwei planetare Begleiter mit einer Masse, die mit der des Jupiter vergleichbar ist. Später konnten unabhängige, verbesserte Messungen zur Bestimmung der Sternposition diese Schwankungen jedoch nicht bestätigen. Schließlich stufte man sie als Artefakte instrumentellen Ursprungs ein. Dennoch blieb Barnards Stern für die Suche nach Exoplaneten auch weiterhin ein attraktives Ziel. Denn Schätzungen hatten ergeben, dass erdähnliche oder etwas massereichere Planeten bei dieser Klasse von Sternen nicht die Ausnahme, sondern eher die Regel sein sollten. In den vergangenen Jahren waren die Astronomen dann bei verschiedenen Beobachtungen zwar auf Auffälligkeiten im Sternenlicht von Barnards Stern gestoßen. Im Einzelnen ließen diese jedoch keine eindeutigen Schlüsse zu.

          Barnards Stern, der sonnennächste Einzelstern, wird von einem Planeten mit mehr als dreifacher Erdmasse umkreist, hier künstlerisch dargestellt.

          Für die nun vorgestellte Studie fügte ein internationales Forscherteam unter Leitung von Ignasi Ribas vom spanischen Institute of Space Sciences archivierte Messungen von sieben Observatorien zusammen und kombinierten diese zudem mit den Ergebnissen von zwei neueren Beobachtungskampagnen, die sie von 2016 bis 2017 durchführten: Die eine am Calar-Alto-Observatorium mit dem Instrument CARMENES, an dessen Bau das Max-Planck-Institut für Astronomie (MPIA) in Heidelberg maßgeblich beteiligt war, die andere mit dem HARPS-Spektrometer am Very Large Telescope der Europäischen Südsternwarte (ESO) in Chile. Insgesamt umfasst der nun ausgewertete Datensatz 771 Einzelmessungen aus einem Beobachtungszeitraum von 20 Jahren.

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