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Automatischer Raumtransporter : Premiere geglückt: Europa schickt „Jules Verne“ ins All

Noch im Hintergrund: Die Trägerrakete Ariane vor dem nächtlichen Start Bild: AFP

Der Start verlief glänzend, jetzt ist Raumtransporter „Jules Verne“ auf dem Weg zur Weltraumstation ISS. Die 1,4 Milliarden Euro teure Entwicklung soll dem europäischen Raumfahrtprogramm einen Technikvorsprung sichern.

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          Lange konnte man den Flug der Rakete nicht verfolgen. Nur Sekunden nachdem sie sich erhoben hatte, war ihr weißer Rumpf mit der stumpfen Spitze und den beiden seitlichen Feststoffraketen bereits verschwunden. Dafür glühte im selben Moment der Himmel, als brenne er lichterloh. Die Triebwerksflammen warfen ihren Widerschein in die Regenwolken und für einen Moment war sogar das Grün des dampfenden Dschungels zu erkennen - um ein Uhr Nachts, in fünf Kilometern Entfernung vom Startplatz. Dann schwoll das Knattern der Feststoffraketen auf ohrenbetäubende Lautstärke an.

          Ulf von Rauchhaupt

          Verantwortlich für das Ressort „Wissenschaft“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Zwei Stunden Später, um sieben Uhr Mitteleuropäische Zeit am Sonntag Morgen, taumelte ein überglücklicher ATV Mission Manager durch das Kontrollgebäude des europäischen Raumhafens bei Kourou in Französisch-Guayana. „Es war einfach perfekt“ sagte John Ellwood. „Wir haben Datenkontakt, wir können steuern, die Panele mit den Solarzellen konnten alle vier voll ausgefahren werden. Und die Bahnkurve sieht aus, als wäre es eine Computersimulation. Wunderbar.“

          Kosten: Rund 1,4 Milliarden Euro

          Es war nicht irgendein Raumfahrzeug, an dessen Bahndaten sich Ellwood da berauschte, während um das Gebäude mit Hunderten Ingenieuren und Raumfahrtmanagern der Tropenregen herabprasselte. Das ATV, kurz für „Automated Transfer Vehicle“, dessen erstes Exemplar da soeben gestartet war, ist nicht nur für Ellwood und sein Team etwas Besonderes. „Es ist das schwerste und komplexeste, das wir je gebaut haben“, sagte der Generaldirektor der europäischen Raumfahrtorganisation ESA, Jean-Jacques Dordain. „Und damit wird Europa ein unverzichtbarer Partner in der Internationalen Raumstation ISS.

          Start geglückt: Ariane mit dem Raumfahrzeug „Jules Verne” an Bord verschwindet in dichten Wolken auf dem Weg zur Raumstation ISS

          Knapp vier Wochen nach Anlieferung und Montage des Weltraumlabors „Columbus“ hat die Esa damit ihren zweiten großen Beitrag zur ISS auf die Reise geschickt. In Form des ATV-Systems zahlt Europa sozusagen ein Großteil seine Miete an die Staatengemeinschaft, die sich bei der ISS zusammengetan hat. Für die Entwicklung (einschließlich des Baus und des Starts) des auf den französischen Erzvater des Science Fiction getauften Prototypen „Jules Verne“ hat Europa 1,4 Milliarden Euro bereit gestellt.

          ATV wird am Ende eine Müllkippe

          Die ISS ist das Ziel des Starts am Sonntagmorgen. Nach einer mehrwöchigen Testphase wird es am 3. April an die Raumstation andocken und der Besatzung 8,3 Tonnen Versorgungsgüter bringen: Lebensmittel, Wasser, Sauerstoff, saubere Kleidung sowie verschiedene Sorten Treibstoff für die Lageregelung. Der Löwenanteil der Ladung sind 5,8 Tonnen Treibstoff, mit dem die Triebwerke der „Jules Verne“ die Bahn der Raumstation anheben kann. Denn in den 400 Kilometern Höhe, in denen die ISS kreist, gibt es noch genügend Reibung an der Restatmosphäre, dass die Station ohne regelmäßige sogenannte „Reboosts“ mindestens 100 Meter am Tag an Höhe verlieren wird. Zudem wird ATV in den Monaten, in denen es an der Raumstation angedockt ist, den Astronauten als ein 50 Kubikmeter großer begehbarer Schrank dienen - und am Schluss als Müllkippe, die nach dem Abtrennen mitsamt dem Abfall in der Erdatmosphäre verglühen wird.

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