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Astronomischer Sensationsfund : Die große Schwester der Sonne

  • -Aktualisiert am

Unsere Sonne hat eine Schwester. Bild: dpa

Der Stern HD 162826 hat denselben Sensationsfund Ursprungsort wie unser Zentralgestirn. Er ist aber viel massereicher und für uns unerreichbar fern.

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          Sterne entstehen normalerweise in größerer Zahl aus riesigen Gas- und Staubwolken. Auch die Sonne - und mit ihr das gesamte Planetensystem - ist vor rund 4,6 Milliarden Jahren aus einem solchen Nebel hervorgegangen, zusammen mit mutmaßlich mehreren hundert bis einigen tausend weiteren Sternen. Amerikanische Astronomen haben nun einen „recht nahen“ Verwandten der Sonne aufgespürt - einen Stern, der sich mit ziemlicher Sicherheit gleichzeitig mit ihr aus derselben Gaswolke gebildet hat.

          Derart nahe Verwandte der Sonne aufzuspüren ist keine einfache Aufgabe. Junge Sternhaufen, die aus der Kontraktion ausgedehnter Gas- und Staubwolken hervorgehen, bestehen bestenfalls gut hundert Millionen Jahre. Innerhalb dieser Zeit sorgen gegenseitige enge Begegnungen dafür, dass immer mehr „Familienmitglieder“ aus dem Verbund entkommen. Entsprechend können sich ursprüngliche Nachbarn inzwischen über weite Bereiche der Milchstraße verteilt haben.

          Hier findet man den Stern HD 162826 im Sternbild Herkules
          Hier findet man den Stern HD 162826 im Sternbild Herkules : Bild: Ivan Ramirez/Tim Jones/McDonald Observatory

          Astronomen verfügen aber mittlerweile über recht gute Modelle, mit denen sie die Bewegungsmuster von Sternen innerhalb der Milchstraße berechnen können. Dadurch ließ sich vor einigen Jahren der wahrscheinliche Entstehungsort der Sonne rekonstruieren und berechnen, wie sich von dort ausgehend andere Mitglieder des ursprünglichen Sternhaufens voneinander entfernt haben. Je nach Modell blieben am Ende im Umkreis von rund dreihundert Lichtjahren bis zu sechzig zu erwartende nahe „Geschwister“ der Sonne übrig.

          Spektrale Zeichen der Verwandtschaft

          Somit war klar, dass die Suche nach solchen Geschwistern der Sonne nicht aussichtslos ist. Angespornt durch diese Einsicht machten sich mehrere Gruppen daran, entsprechende Auswahlkriterien zur Durchforstung bereits existierender Sternkataloge zu formulieren. Dazu gehörten zum Beispiel die aktuelle Geschwindigkeit der Sterne relativ zur Sonne oder deren Alter, das sich aus dem Sternspektrum abschätzen lässt. So konnte die Zahl möglicher existierender Sonnengeschwister unter den bereits vermessenen Sternen auf rund dreißig Exemplare eingegrenzt werden.

          Wenn Sterne aus der gleichen interstellaren Gas- und Staubwolke entstanden sind, sollten sie eine recht ähnliche chemische Zusammensetzung besitzen. Die aber lässt sich aus den Spektren der Sterne in ähnlicher Weise herauslesen wie familiäre Verwandtschaftsverhältnisse aus einer DNA-Analyse der in Frage kommenden Personen. Um also wirkliche Geschwister der Sonne in der Gruppe der rund dreißig Kandidaten zu identifizieren, hat die Forschergruppe um Ivan Ramirez von der University of Texas in Austin in den vergangenen zwei Jahren hochauflösende Spektren dieser Sterne aufgenommen, analysiert und mit dem Sonnenspektrum verglichen.

          Noch mehr Geschwister?

          Am Ende blieb nur ein Stern mit der Bezeichnung HD 162826 übrig, wie Ramirez und seine Kollegen in einer der kommenden Ausgaben der Zeitschrift „The Astrophysical Journal“ berichten. Dieser Stern in Richtung des Sternbildes Herkules ist etwa fünfzehn Prozent massereicher als die Sonne. Trotz einer mehr als zweifachen Sonnenhelligkeit ist er aufgrund seiner Entfernung von etwa 110 Lichtjahren mit bloßem Auge gerade nicht mehr zu erkennen.

          Aus einem früheren Sonnennachbarn allein lassen sich zwar noch keine Rückschlüsse auf die Verhältnisse innerhalb der Gas- und Staubwolke zur Entstehungszeit der Sonne ziehen. Es ist aber recht wahrscheinlich, dass im Umkreis von einigen hundert Lichtjahren zahlreiche masseärmere noch unerkannte Geschwister der Sonne existieren. Hier dürfte der vor einigen Monaten gestartete europäische Gaia-Satellit die erforderlichen Messdaten liefern, um mögliche Kandidaten erkennen zu können. Mit seiner Hilfe sollten die Umstände der Sonnengeburt und deren Einflüsse auf die Entstehung des Planetensystems schließlich geklärt werden können.


           

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