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Astronomie : Totale Sonnenfinsternis in der Antarktis

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Die Sonne verfinstert sich Bild: AP

An diesem Ort hatten das die Zuschauer seit hundert Jahren nicht erlebt - nicht einmal die Pinguine. In der Nacht zum Montag war am Südpol eine Sonnenfinsternis zu sehen.

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          An diesem Ort hatten das die Zuschauer seit hundert Jahren nicht erlebt - nicht einmal die Pinguine. In der Nacht zum Montag war am Südpol eine Sonnenfinsternis zu sehen. Um 4.49 Uhr Ortszeit (Sonntag 23.49 Uhr MEZ) verschwand die Sonne über dem ewigen Eis und tauchte Teile der Antarktis in Dunkelheit. Viele Fotos von dem Ereignis wurden nicht überliefert. Denn erstens verhinderten teils Wolken den Blick, zweitens dauerte das Ereignis nur knapp zwei Minuten, und drittens sind in der Antarktis nur wenige Wissenschaftler heimisch - und viele Pinguine, die aber nicht fotografieren können.

          Die letzte Sonnenfinsternis des Jahres und einzige totale Sonnenfinsternis des Jahres begann im Indischen Ozean, 1100 Kilometer südöstlich der Kerguelen-Insel - und war als Teil-Finsternis noch in Neuseeland, Australen, Süd-Argentinien und Süd-Chile zu sehen. Der 500 Kilometer breite Schatten erreichte die Küste der Antarktis, strich über das Shackleton-Eisschelf und die russische Mirnyy-Station. Dann stellte er für mindestens eine halbe Stunde in der unbewohnten Antarktis keinen Menschen in den Schatten. Die Küste erreichte der Schatten in Queen Maud Land, bei den Stationen Asuka, Novolazarevskaya und Maitri, bevor er die Erdoberfläche nach insgesamt einer Stunde verließ.

          Spürbar dunkler

          Eine gute Sicht hatten der australische Wissenschaftler Bob Jones und neun seiner Kollegen. Auf einer Insel sechs Kilometer vor der australischen Davis-Forschungsstation sahen sie durch Sonnenbrillen und trotz Wolken, wie die Sonne schließlich fast vollständig vom Mond bedeckt war. Die Umgebung sei spürbar dunkler geworden. Aber der wahre Sonnenanbeter nimmt größere Opfer in Kauf - die sich in diesem Fall auf umgerechnet 7.600 Euro je Person beliefen: Da sich die Eklipse bis tief in den Indischen Ozean erstreckte, buchten 300 Wissenschaftler und andere Interessierte einen Sonderflug der australischen Fluglinie Qantas. An Bord der Boeing 747 starteten sie von Melbourne aus. 1985 gab es die letzte vollständige Sonnenfinsternis in der Region, die aber nicht zu sehen war. Die letzte totale Sonnenfinsternis in der Antarktis wurde am 21. September 1903 vom britischen Forscher Robert Falcon Scott beobachtet. Das war für die Qantas-Gäste Grund genug für den Flug.

          Nur noch eine Sichel

          Noch mehr Geld und noch mehr Zeit opferten etwa hundert Schiffspassagiere. Mit dem früheren sowjetischen Eisbrecher "Kapitan Chlebnikow", der vor dem russischen Antarktis-Stützpunkt Mirnyy Anker geworfen hatte, waren sie drei Wochen lang herbeigereist, vom südafrikanischen Hafen Port Elizabeth kommend. Trotz Ticketkosten von bis zu 30.000 Euro war die Reise nach Angaben der Organisatoren ausgebucht.

          Pinguine läßt die „Sofi“ kalt

          Den Liebhabern war die Sonnenfinsternis viel Geld wert, die Pinguine aber ließ der Anblick kalt. "Sie zeigten keine Zeichen von Erregung oder Sorge oder so etwas", sagte ein Augenzeuge. Auch die Pelzrobben habe die Finsternis kalt gelassen. Sie hätten wie immer auf dem Eis herumgedöst. Das unterscheidet die Arten offenbar von Tieren, die in Mitteleuropa heimisch sind: 1999 wurden in Deutschland bei der großen Sonnenfinsternis zahlreiche auffällige Verhaltenweisen von Tieren beobachtet. In der Antarktis nimmt man wohl vieles gelassener hin.

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