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Astronomie : Porträt eines fernen Planeten

  • -Aktualisiert am

Der rote Fleck könnte ein neu entdeckter Planet sein Bild: Eso

Forscher der europäischen Südsternwarte glauben, einen Planeten 230 Lichtjahre von der Erde entfernt entdeckt zu haben. Der endgültige Beweis steht jedoch noch aus.

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          In den vergangenen Jahren haben die Astronomen ungefähr 130 extrasolare Planeten entdeckt, von denen der kleinste nur soviel Masse hat wie der Uranus. Allerdings konnten die Objekte nur indirekt nachgewiesen werden, im allgemeinen durch die periodischen Änderungen der Position des jeweiligen Zentralgestirns. Die Versuche, die kleinen Himmelskörper fotografisch auch direkt zu belegen, sind dagegen erfolglos geblieben.

          Jetzt glaubt eine internationale Forschergruppe um Gael Chauvin von der europäischen Südsternwarte (Eso) fündig geworden zu sein. Solange der endgültige Beweis jedoch aussteht, ordnet sie das von ihr aufgespürte Objekt, obwohl sie sich ihrer Sache recht sicher ist, vorerst lediglich als Kandidaten (GPCC, "Giant Planet Candidate Companion") ein.

          Der letzte Planeten-Kandidat war nur ein ordinärer Stern

          Die Vorsicht rührt unter anderem daher, daß sich ein anderer, mit dem Hubble-Weltraumteleskop beobachteter Kandidat, der im Mai 1998 mit weniger Zurückhaltung präsentiert wurde, verhältnismäßig rasch als Fata Morgana entpuppte. Damals hatten Astronomen ein Objekt entdeckt, das sich frei im Weltraum bewegte, über eine Art Materiebrücke aber mit einem Doppelsternsystem verbunden zu sein schien. Es hieß, das Objekt sei "offensichtlich" von dem System ausgestoßen worden und bewege sich mit einer Geschwindigkeit von zehn Kilometer pro Sekunde von diesem fort. Der Himmelskörper hat sich schließlich als ordinärer Stern erwiesen.

          Seitdem hat es weitere Kandidaten für fotografisch erfaßte Planeten gegeben, die sich aber noch schneller als nicht haltbar erwiesen, so daß die Wissenschaftler damit gar nicht erst an die Öffentlichkeit gingen. Insbesondere eine Verwechslung mit Braunen Zwergen oder mit Hintergrundsternen muß zunächst ausgeschlossen werden. Braune Zwerge sind verkappte Planeten - Objekte, deren Masse nicht ausreicht, Fusionsprozesse im Innern in Gang zu halten, für einen Planeten aber zu groß ist. Sie lassen sich nur spektroskopisch eindeutig identifizieren. Auch Hintergrundsterne kann man spektroskopisch entlarven.

          Weder Hintergrundstern noch Brauner Zwerg

          Bei dem neuen, im April mit dem Very Large Telescope der Eso und adaptiver Optik entdeckten Objekt scheint es sich ersten spektroskopischen Analysen zufolge weder um einen Hintergrundstern noch um einen Braunen Zwerg zu handeln. Der kleine Himmelskörper mit der fünffachen Masse des Jupiters umkreist einen Braunen Zwerg, der die Bezeichnung 2M1207 trägt. Das System befindet sich 230 Lichtjahre von der Erde entfernt in einer sogenannten Sternenassoziation - einem Konglomerat aus jungen Sternen sowie Gas- und Staubwolken - mit dem Namen TWHydrae.

          Die Forscher haben in diesem jungen Konglomerat gezielt nach fotografischen Planeten-Kandidaten gesucht. Das geringe Alter ist vorteilhaft, weil junge Planeten, die in einer solchen Umgebung erwartet werden, noch einigermaßen warm sind. Dadurch leuchten sie vergleichsweise stark. Andererseits unterscheiden sie sich im Infrarotbereich, in dem das Foto des Systems entstand, kaum von Braunen Zwergen. Deshalb werden die Astronomen versuchen, das System auch im optischen Bereich zu fotografieren. Zuversichtlich stimmt die Astronomen die Tatsache, daß sie im Spektrum von GPCC Wasser entdeckt haben. Das Objekt kann demnach nicht sonderlich heiß sein - ein nicht ganz unwichtiges Argument hinsichtlich seiner planetaren Natur.

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