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Astronomie : Krippen des Universums

  • -Aktualisiert am

Die Galaxie Messier 51 scheint allein Bild: Nasa

Die ersten Bilder des Satelliten Galex vom Universum zeigen eine ungewohnte Welt.

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          Mit optischen Beobachtungen allein läßt sich das Universum nur unzureichend erforschen. Denn außer dem sichtbaren Licht senden die Objekte im Kosmos auch Radio-, Infrarot-, Ultraviolett-, Röntgen- und Gammastrahlung aus, und jeder dieser Bereiche birgt seine eigenen Geheimnisse. Die Infrarotstrahlung etwa gibt dem Astronomen Auskunft über den kalten interstellaren Staub. Röntgen- und Gammastrahlung zeugen von "Katastrophen" im All. Einen Blick in die Kinderkrippen der Sterne gewährt dem Forscher die ultraviolette Strahlung, die von heißen Objekten ausgesendet wird. Ultraviolett-Aufnahmen des amerikanischen Satelliten Galex ("Galaxy Evolution Explorer") von benachbarten Galaxien heben jetzt solche Regionen besonders hervor.

          Die Ultraviolett-Astronomie ist eine noch recht junge Sparte der Himmelsforschung, die 1959 mit der Beobachtung der Sonne begonnen hat. Die Meßinstrumente wurden damals mit Raketen in große Höhen befördert, weil die Erdatmosphäre die ultraviolette Strahlung absorbiert. Eine ähnliche Wirkung schrieb man der interstellaren Materie zu. Deshalb glaubte man zunächst, die Ultraviolett-Astronomie sei auf das Sonnensystem beschränkt.

          Erst 1975 wurde diese pessimistische Annahme widerlegt. Mit einem kleinen Fernrohr gelang es während der Apollo-Sojus-Mission, bei der sich erstmals amerikanische und sowjetische Astronauten im Weltraum begegneten, 30 Himmelsobjekte im ultravioletten Spektralbereich abzubilden. Darunter befand sich HZ 43, ein Weißer Zwerg im Sternbild Haar der Berenike. Weiße Zwerge sind die heißen Endstadien von Sternen, die ungefähr so massereich wie die Sonne sind.

          Seitdem ist der Himmel auch mit anderen Ultraviolett-Teleskopen erforscht worden. Die Astronomen haben unter anderem entdeckt, daß unsere Milchstraße von einer Korona aus heißem Gas umgeben ist. Die erste - allerdings noch wenig befriedigende - Ultraviolett-Kartierung des Firmaments hat das amerikanische Weltraumobservatorium "Extreme Ultraviolet Explorer" Anfang 2001 ausgeführt. Mit dem Satelliten Galex, der die Erde seit einigen Wochen umkreist, wird jetzt eine genauere Durchmusterung vor allem der Regionen außerhalb der Milchstraße vorgenommen.

          Was auf den Bildern von Galex besonders gut zu erkennen sein wird, sind die Regionen mit jungen, heißen Sternen. Denn deren Geburten spielen sich meist in Schüben ab: Große Molekülwolken werden von Wellen erfaßt und verdichten sich an vielen Stellen gleichzeitig. Von den Sternen, die dadurch entstehen, explodieren die massereichsten schon nach astronomisch kurzer Zeit. Als Folge davon bilden sich abermals Dichtewellen, und noch mehr Sterne werden erzeugt. Die stellaren Kinderkrippen umfassen deshalb riesige Regionen.

          Mitte Juni wurde mit Galex ein Bild des 27 Millionen Lichtjahre von uns entfernten Spiralnebels Messier 51 aufgenommen, das dieses Phänomen verdeutlicht. Das Sternsystem - in dessen Spiralarmen riesige Gebiete der Sternentstehung dominieren - zeichnet sich dadurch aus, daß es "gerade" einem anderen Sternsystem begegnet, mit dem es Materie austauscht. Dieser Partner erscheint auf den klassischen Fotos als markantes Gebilde. Auf der Ultraviolettaufnahme mit den Sternenkrippen in den Spiralarmen ist von der Partnergalaxie praktisch nichts mehr zu sehen. Sie besteht offensichtlich vor allem aus alten Sternen, die kaum ultraviolette Strahlung aussenden. Mit Bildern dieser Art, von denen sich die Astronomen in den kommenden Monaten eine Vielzahl erhoffen, wollen die Forscher jetzt die Entwicklungsgeschichte der Galaxien erkunden.

          Die zweite Galaxie bei Messier 51 sieht man im Ultravioletten nicht

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