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Astronomie : Kleinplanet als Himmelsspektakel

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Die Sternfreunde dürfen sich schon auf das Jahr 2029 freuen, denn an diesem Tag passiert ein 320 Meter großer Kleinplanet die Erde wahrscheinlich in einem Abstand von nur 30.000 Kilometern.

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          In langen Zeiträumen zu denken ist für Astronomen nicht ungewöhnlich. Trotzdem kommt ihr jüngster Hinweis auf ein sogenanntes Jahrtausendereignis einigermaßen überraschend: Die Sternfreunde sollten sich frühzeitig auf den Vorbeiflug eines Kleinplaneten an der Erde am 13. April 2029 vorbereiten.

          Das nur 320 Meter große Objekt komme an dem Tag bis auf rund 30.000 Kilometer an die Erde heran, was weniger als der Distanz zu den geostationären Fernseh- und Kommunikationssatelliten entspricht. Es ziehe dabei rasch als leuchtender „Punkt“ der Größenklasse 3,3 über den Himmel, sei also ebenso hell wie der lichtschwächste Stern des Großen Wagens - zumindest aus der Sicht der „Logenplätze“ in Europa, Afrika und Asien. Selbst mit einfachsten Amateurfernrohren dürfte der Kleinplanet als ein Objekt zu sehen sein, das größer als nur ein Punkt erscheint.

          Doppelter Mondabstand

          Der kleine Himmelskörper, der die nüchterne Bezeichnung 2004 MN4 erhalten hat, ist am 19. Juni vergangenen Jahres mit dem „Asteroid Survey“ der University of Hawaii auf dem Kitt Peak in Arizona entdeckt und zwei Nächte lang beobachtet worden. Am 18. Dezember wurde er auch vom „Siding Spring Survey“ in Australien aufgespürt. Mit weiteren Daten, die in den folgenden Tagen gewonnen wurden, ließ sich die Bahn des Objekts zumindest vorläufig berechnen. Der Brocken gehört zur Aten-Gruppe der Kleinplaneten, der Gruppe jener Asteroiden, die die Sonne in weniger als einem Jahr einmal umkreisen. Er umläuft sie in 323 Tagen und kommt dabei ebenso weit wie die Venus an sie heran.

          Anhand der Bahndaten gaben zwei automatische Systeme, das Sentry-System des „Near-Earth Object Program Office“ der Nasa und das Neodys-System der Universitäten von Pisa und Valladolid (Spanien), die Warnung vor einem Einschlag auf der Erde am 13. April 2029 heraus. Zwar sei der „wahrscheinlichste“ Flugabstand von der Erde an dem Tag 780.000 Kilometer, aber die Wahrscheinlichkeit eines Einschlags betrage immerhin 1 zu 300. Das entspricht der Stufe 2 auf der Turin-Skala, was besagt, daß das Objekt nach der vorläufigen Bahnberechnung nahe, allerdings nicht ungewöhnlich nahe an die Erde herankommt. Etwa alle fünf Jahre fliegt ein Objekt der entsprechenden Größe in doppeltem Mondabstand an der Erde vorbei.

          Bei einer sorgfältigen Suche sind schließlich Ende Dezember am Spacewatch Observatory bei Tucson (Arizona) Archivaufnahmen des Objekts vom 15. März 2004 entdeckt worden. Damit waren genauere Bahnberechnungen möglich, die einen Einschlag auf der Erde im Jahr 2029 ausschlossen. Noch genauere Rechnungen konnten mit Radardaten ausgeführt werden, die vor etwa zwei Wochen mit dem großen Radioteleskop von Arecibo (Puerto Rico) gewonnen wurden. Ihnen zufolge wird das Ereignis nicht nur ungefährlich für die Erde, sondern auch ein großartiges Schauspiel sein. Die Chance, daß ein 300 bis 400 Meter großes Objekt in 30.000 Kilometer Abstand an der Erde vorbeifliegt, ist statistisch einmal in 1.300 Jahren gegeben.

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