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Astronomie : Gravitationslinse gibt Blick auf Exoplaneten frei

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Eine Gravitationslinse läßt den weit entfernten Planeten erahnen Bild: Harvard Smithsonian Center for Astrophysics

Unter Nutzung eines Gravitationslinsen-Effektes hat ein internationales Forscherteam einen extrasolaren Planeten in 15.000 Lichtjahren Entfernung entdeckt. Astronomen setzen große Hoffnungen auf das „Microlensing“.

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          Ein internationales Astronomenteam hat mit Hilfe eines bisher selten genutzten Verfahrens einen extrem weit von der Erde entfernten Planeten entdeckt. Er hat einen Abstand von 15.000 Lichtjahren zur Erde und etwa die dreifache Masse des Jupiter, also des größten Planeten in unserem Sonnensystem. Der große Exoplanet umkreist einen Stern, der der Sonne ähnelt, berichtete das Harvard-Smithsonian Center for Astrophysics in Cambridge im amerikanischen Bundesstaat Massachusetts. Ein Lichtjahr ist die Strecke, die das Licht in einem Jahr zurücklegt, und entspricht knapp zehn Billionen Kilometern.

          „Vielleicht sind dort noch andere Planeten mit geringerer Masse“, sagte Teamleiter Andzej Udalski vom Observatorium der Universität Warschau. Die entsprechenden Hinweise in den Daten der Wissenschaftler müßten jedoch noch ausgewertet werden.

          „Zeitalter des Microlensing“

          Es handelt sich erst um den zweiten Planeten, der mit Hilfe des sogenannten Microlensing-Verfahrens erspäht wurde. Der erste war im April 2004 in einer Entfernung von 17.000 Lichtjahren gefunden worden. Mit Hilfe dieses Verfahrens können besonders weit entfernte und kleine Planeten entdeckt werden. Dabei nutzen die Forscher einen Effekt, den bereits Albert Einstein in seinen Forschungen vorhersagte. Die Schwerkraft von Sternen ist in der Lage nahe Lichtstrahlen entfernterer Sterne und auch deutlich schwächer leuchtender Planeten so zu brechen, daß sie für unsere Augen heller Leuchten. Anhand der Kurve des gebeugten Lichtes können die Astronomen die Position und die Größe eines Planeten ermitteln. Der Effekt, den sich die Forscher zunutze machen, wird Gravitationslinse genannt.

          „Wenn ein Planet von Erdgröße exakt am selben Ort wie der gefundene Planet gewesen wäre, hätten wir ihn entdecken können“, sagte Andrew Gould von der Ohio State University. Sein Kollege, Scott Gaudi vom Harvard-Smithsonian Center for Astrophysics fügte hinzu: „Das ist der Beginn des Zeitalters für Microlensing. Wir erwarten viele weitere Entdeckungen in den kommenden Jahren.“

          Das Team mit 33 Forschern aus 11 Ländern, darunter auch Daniel Kubas von der Universität Potsdam, hat den Fachartikel zur Veröffentlichung bei den „Astrophysical Journal Letters“ eingereicht. Insgesamt wurden bei bisherigen Beobachtungen mit anderen Methoden mehr als 150 sogenannte extrasolare Planeten entdeckt.

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