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Astronomie : Ein gefräßiger Stern

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Der Omega-Nebel Bild: NASA

Astronomen der Universität Bochum haben Hinweise auf die Existenz eines immer noch wachsenden Sterns entdeckt, der bereits zwanzigmal soviel Masse wie die Sonne hat.

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          Im sogenannten Omega-Nebel, einer verhältnismäßig jungen Wolke aus Gas und Staub, haben Astronomen um Rolf Chini von der Universität Bochum Hinweise auf die Existenz eines immer noch wachsenden Sterns entdeckt, der bereits zwanzigmal soviel Masse wie die Sonne hat. Nach den meisten Modellen zur Entstehung von Sternen dürfte er schon lange nicht mehr weiter zunehmen. Deshalb könnten jetzt andere astronomische Simulationen an Bedeutung gewinnen, die bislang ein Schattendasein führten.

          Die Forscher wurden auf das Objekt aufmerksam, als sie den Omega-Nebel mit Teleskopen der Europäischen Südsternwarte im Infraroten beobachteten. In diesem Spektralbereich hatten sie trotz Staubs einen freieren Blick auf eine große Region ionisierten Wasserstoffs. Vor dem hellen Hintergrund erkannten sie als Silhouette eine Scheibe aus Staub, wie sie gemeinhin einen Protostern umgibt. Für das Objekt im Zentrum ermittelten sie, wie sie in der heutigen Ausgabe der Zeitschrift "Nature" berichten, eine Masse von zwanzig Sonnen.

          Außenseiter-Modelle zutreffender

          Sterne dieser Größe trifft man hauptsächlich in Sternhaufen an. Daraus haben die meisten Astronomen bislang geschlossen, daß sie durch Kollisionen kleinerer Sterne entstehen, von denen in einer solchen Umgebung mehr aufeinandertreffen können. Den meisten Modellen zufolge wird nämlich in einem Himmelskörper, der zehnmal so massereich wie die Sonne ist, durch Strahlung ein derartiger Druck nach außen erzeugt, daß ein weiteres Anwachsen durch Akkretion nicht möglich ist. Offenbar treffen die Außenseiter-Modelle, die die Grenze bei vierzig Sonnenmassen ansetzen, besser auf die Realitäten zu.

          Der Staub in der Scheibe, die das massereiche Objekt umgibt, könnte dieses noch eine Zeitlang mit Nahrung versorgen. Denn das Gebilde hat einen zweihundertfünfzigmal so großen Durchmesser wie das gesamte Sonnensystem. Aus spektroskopischen Messungen im Radiobereich schließen die Forscher, daß es eine Masse von mindestens 100 Sonnen in sich vereint.

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