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Experiment Biomex : Kleinorganismen überleben Stresstest im All

  • Aktualisiert am

Zwei Kosmonauten entfernen auf der ISS die Schutzabdeckung der Versuchsplattform „Expose-R“, zu der das Experiment „Biomex“ gehört. Danach waren die Bioproben 18 Monate schutzlos den Bedingungen des Weltraums ausgesetzt. Bild: DLR, Roskosmos

Bakterien, Algen, Flechten und Pilzsporen waren 18 Monate lang auf der Internationalen Raumstation den lebensfeindlichen Bedingungen des Weltraums ausgesetzt - und haben sich erstaunlich robust erwiesen.

          Einfache Organismen, die auf der Erde extremen Umweltbedingungen trotzen, könnten prinzipiell auch auf anderen Himmelskörpern und Planeten wie dem Mars existieren. Das legen die Ergebnisse eines Experiments auf der Internationalen Raumstation ISS nahe, bei dem lebende Mikroben 18 Monate lang einem Stresstest im Weltraum unterzogen wurden.

          Bei dem vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt koordinierten Experiment „Biomex“ (Biology and Mars Experiment) waren zahlreiche Proben unterschiedlicher Organismen wie Bakterien, Algen, Flechten und Pilze auf einer Außenplattform der ISS insgesamt 533 Tage lang intensiver Strahlung und extremen Temperaturunterschieden und dem Vakuum des erdnahen Weltraums ausgesetzt. Die Proben wurden 2016 mit einer Sojus-Kapsel wieder zurück zur Erde gebracht und anschließend in den Laboren der an dem Projekt beteiligten Partnerländer untersucht. Nun haben die DLR-Wissenschaftler die Resultate der Analysen präsentiert.

          „Einige der Organismen und Biomoleküle haben im offenen Weltraum eine enorme Strahlungsresistenz gezeigt und kehrten tatsächlich als Überlebende aus dem All zur Erde zurück“, erläuterte Jean-Pierre Paul de Vera vom DLR-Institut für Planetenforschung in Berlin-Adlershof.

          Proben von arktischen Cyanobakterien in einem dem Mars nachempfundenen Boden in einem Berliner DLR-Labor.

          Die Forscher haben unter anderem Archäen untersucht, also einzellige Mikroorganismen, wie es sie auf der Erde seit über dreieinhalb Milliarden Jahren im salzigen Meerwasser gibt.  Solche Einzeller könnte sich der Astrobiologe  de Vera auch  auf dem Mars vorstellen.

          Daten für den europäisch-russischen Marsrover

          „Das bedeutet freilich noch lange nicht, dass Leben auch wirklich auf dem Mars existiert“, schränkte de Vera ein. „Aber die Suche danach ist nun mehr denn je die stärkste Triebfeder für die nächste Generation von Raumfahrtmissionen zum Mars.“ Bislang gibt es allerdings keinen Hinweis auf irgendwelche Lebensspuren auf unserem Nachbarplaneten. Zwar zeigten Raumsonden in der Umlaufbahn und mobile Labore auf der Marsoberfläche, dass wichtige Voraussetzungen für Leben auch noch heute auf dem Mars vorhanden sind – eine Atmosphäre, die Existenz von Elementen wie Kohlenstoff, Wasserstoff, Sauerstoff, Stickstoff, Schwefel oder Phosphor. Und auch Wasser gebe es auf dem Roten Planten – zumindest in Form von Eis. Doch Organismen selbst oder deren Stoffwechselprodukte haben die Detektoren der Marssonden bisher nicht registrieren können.

          Probefahrt eines Prototypen des  ExoMars-Rovers

          Die „Biomex“-Ergebnisse würden auch eine Hypothese stärken, die unter Wissenschaftlern seit Jahrzehnten diskutiert wird und bei der Frage eine Rolle spielt, wie das Leben vor 3,8 Milliarden Jahren auf die Erde gelangt sein könnte. Die sogenannte Panspermia-Theorie besagt, dass Organismen auf dem frühen Mars existierten und durch einen Asteroideneinschlag mit dem dabei weggeschleuderten Gestein von dem Planeten ins innere des Sonnensystems befördert wurden. Dort kollidierten manche Gesteinsbrocken als Meteoriten mit unserer Erde, wo sich die Organismen schließlich weiterentwickelt haben.

          Die Resultate von Biomex sind zudem für künftige Marsmissionen von Bedeutung. Im kommenden Jahr will die europäische Raumfahrtagentur Esa gemeinsam ihrem russischen Partner „Roskosmos“ im Rahmen der ExoMars-Mission einen Rover auf den Weg bringen, der auf dem Roten Planeten gezielt nach Spuren von Leben suchen soll. Die Daten von Biomex könnten bei der Identifikation und Zuordnung der Signale helfen, die der Rover registrieren wird.

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