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Asteroidenforschung : Wertvolle Walnuss im Weltraum

  • -Aktualisiert am

Bedrohung für die Erde: Ein erdnaher Asteroid im Anflug Bild: Esa

Der erdnahe Asteroid 2011 UW158 hat eine ungewöhnliche Form und besteht aus purem Stein. Das zeigen Radaruntersuchungen, die beim jüngsten Vorbeiflug vorgenommen wurden. Lohnt es sich, die Schürfrechte zu erwerben?

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          Er ist ein unter tausenden und doch ganz anders: Der im Jahr 2011 entdeckte Asteroid UW158 besteht, wie Forscher mit dem Arecibo-Radioteleskop in Puerto Rico nun herausgefunden haben, aus hartem Fels. Damit unterscheidet er sich von den meisten anderen erdnahen Kleinkörpern, die von Astronomen bisher untersucht worden sind. Diese sind eher kosmische Schutthaufen - lockere Konglomerate aus Fels und Staub, die von ihrer eigenen Schwerkraft zusammengehalten werden. Als „potentiell gefährlicher Asteroid“ kommt UW158 der Erde in periodischen Abständen nahe. So passierte der Asteroid am 19. Juli unseren Planeten in einem Abstand von 2,5 Millionen Kilometern, was mehr als die sechsfache Distanz zwischen Erde und Mond ist. Eine Kollisionsgefahr hat also nicht bestanden.

          Asteroiden (fast) auf Kollisionskurs

          Die Astronomen um Patrick Taylor vom Planetary Radar Department des Arecibo-Teleskops nutzen den nahen Vorbeiflug des Asteroiden, um Form und Größe des Himmelskörpers mit Hilfe von Radarechos zu bestimmen. Die Radarwellen wurden von der 300 Meter großen, fest im Boden verankerten Antennenschüssel des Arecibo-Teleskops ausgesendet. Die empfangenen Echos wurden zu Bildern verarbeitet, die einen 300 mal 600 Meter großen, unregelmäßig geformten Gesteinsbrocken zeigen, dessen Form an eine geschälte Walnuss erinnert.

          Asteroid „2011 UW158“ : Walnuss im Weltraum

          Dass 2011 UW158 ein fester Körper ist, schlossen Taylor und seine Kollegen aus seiner schnellen Rotation - er dreht sich in nur 37 Minuten einmal um seine Achse. Bestünde er aus locker zusammengesetztem Material, würden ihn die daraus resultierenden Fliehkräfte zerreißen. Die Astronomen interessieren sich für die Zusammensetzung erdnaher Asteroiden ganz besonders, denn der Einschlag eines mehrere hundert Meter großen Objekts auf die Erde würde großflächige Zerstörungen anrichten. Zwar ist weder 2011 UW158 noch ein anderer bekannter Himmelskörper auf Kollisionskurs. Viele der erdnahen Himmelskörper sind aber noch nicht katalogisiert. Raumfahrtagenturen wie die Nasa und die Esa arbeiten deshalb an Konzepten, mit denen man Asteroiden, die sich auf Kollisionskurs befinden, bereits vor dem Einschlag unschädlich machen könnte. Eine Möglichkeit wäre, den gefährlichen Gesteinsbrocken mit einem Raumfahrzeug aus seiner Bahn zu lenken.

          1400 größere erdnahe Objekte ziehen ihre gefährlichen Bahnen im Sonnensystem.
          1400 größere erdnahe Objekte ziehen ihre gefährlichen Bahnen im Sonnensystem. : Bild: Nasa, JPL-Caltech

          Gesteinsbrocken weckt Goldgräberstimmung

          Der Vorbeiflug eines Asteroiden an der Erde ist nichts Ungewöhnliches. Aufmerksamkeit erregte 2011 UW158 vielmehr durch die Verlautbarung der amerikanischen Firma „Planetary Resources“, der Asteroid enthalte Platin und andere wertvolle Metalle im Wert von bis zu fünf Billionen Dollar. Die im Bundesstaat Washington ansässige Firma möchte in näherer Zukunft mit der Ausbeutung solcher Ressourcen auf Asteroiden beginnen, die 2011 UW158 ähneln.

          Warum ausgerechnet der Asteroid UW158 das Interesse der Weltallbergbauer geweckt hat, kann Patrick Taylor nicht nachvollziehen: „Aufgrund unserer Radarmessungen handelt es sich mit großer Wahrscheinlichkeit um einen typischen felsigen Asteroiden, der diese Metalle in der gleichen Konzentration enthält wie jeder andere felsige Asteroid.“ Ein Wert von fünf Billionen Dollar entspräche rund 120.000 Tonnen Platin. Auf welche Analyse sich die Schätzung beruft, ist nicht bekannt. Eine entsprechende Anfrage dieser Zeitung an „Planetary Resources“ blieb unbeantwortet.

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