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Asteroid Ryugu : Poröser Schutthaufen in den Tiefen des Alls

Der schuhkartongroße-Lander „Mascot“ rollte 17 Stunden lang auf der Oberfläche von Ryugu umher. Bild: Jaxa, DLR,

Der Landesonde „Mascot“ blieben im vergangenen Jahr nur wenige Stunden, um die Oberfläche des Asteroiden „Ryugu“ zu erkunden. Die Zeit reichte, um sich ein Bild von dem urtümlichen Himmelskörper zu machen, wie die nun veröffentlichte Daten und Fotos zeigen.

          Seit zwei Jahren hat der erdnahe, etwa 300 Millionen Kilometer entfernte Asteroid „Ryugu“ einen irdischen Begleiter: die japanische Raumsonde Hayabusa-2. Am 3. Oktober 2018 setzte die Sonde das etwa zehn Kilogramm schwere deutsch-französische Landegerät „Mascot“ auf der Oberfläche des 900 Meter großen Himmelskörper ab. Mehr als 17 Stunden lang führte Mascot an verschiedenen Stellen der Oberfläche Messungen aus und fotografierte die Umgebung aus nächster Nähe. Auf den Fotos, die nun das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) veröffentlicht hat, präsentiert sich Ryugu als fragiler Schutthaufen, der offenkundig aus zwei verschiedenen, dunklen Gesteinsarten besteht.

          Manfred Lindinger

          Redakteur im Ressort „Natur und Wissenschaft“.

          Auf den Bildern, die von der am DLR in Köln entwickelten Kamera „MASCam“ während des Abstiegs des Landers und auf Ryugus Oberfläche geschossen wurden, sind hauptsächlich dunkle bis zu metergroße kantige, manchmal aber auch glatte Felsblöcke zu sehen. Felsblöcke mit glatten Bruchflächen und scharfen Kanten erscheinen auf den Aufnahmen etwas heller als Brocken mit einer unregelmäßigeren und teilweise krümeligen Oberfläche. Die beiden Felstypen sind zu etwa gleichen Teilen auf der Oberfläche auf Ryugu verteilt.

          Besonders erstaunt hat die Wissenschaftler um Ralf Jaumann, wie sie in der Zeitschrift „Science“ schreiben, dass es auf Ryugu offenbar keinerlei Staub gibt. „Die ganze Oberfläche von Ryugu ist von Gesteinsbrocken übersät, aber nirgendwo haben wir Staub entdeckt!“, erklärt Jaumann. Der Wissenschaftler vom DLR-Institut für Planetenforschung in Berlin-Adlershof ist mit seinem Team verantwortlich für die Kamera MASCam. Staub müsste schon wegen des Beschusses des Asteroiden mit Mikrometeoriten über Milliarden von Jahren hinweg eigentlich vorhanden sein. Aber er ist entweder in Hohlräumen verschwunden oder bei der geringen Schwerkraft von nur einem Sechzigtausendstel der Erde ins All entwichen, vermutet Jaumann. „Dies gibt einen Hinweis auf komplexe geophysikalische Prozesse auf der Oberfläche dieses kleinen Asteroiden“.

          Der erdnahe Asteroid Ryugu, aufgenommen aus 20 Kilometern Entfernung, fällt auf durch seine markante eckige Gestalt und den vielen Gesteinsbrocken auf seiner Oberfläche. Mascots Landezone liegt auf der Südhemisphäre des Himmelskörpers. Bilderstrecke

          Für Jaumann lassen sich aus den Beobachtungen zwei mögliche Entstehungsgeschichten für Ryugu ableiten: „So könnte Ryugu nach der Kollision zweier Himmelskörper aus unterschiedlichem Material entstanden sein.“  Die Objekte sind dabei zerbrochen und ihre Bruchstücke haben sich in Folge der Schwerkraft zu einem neuen Körper mit unterschiedlichen Felsarten zusammengefügt, so Jaumann. Ryugu könnte aber auch der Überrest eines einzelnen Himmelskörpers sein, bei dem es im Inneren Zonen verschiedener Temperatur- und Druckbedingungen gab, so dass dort zwei Typen von Gesteinen entstanden sind.

          Ein Erdbahnkreuzer nicht auf Kollisionskurs

          Ryugu reflektiert nur rund viereinhalb Prozent des Sonnenlichts. Damit zählt der Himmelskörper laut DLR zu den dunkelsten Objekten im Sonnensystem. Der Asteroid hat offensichtlich große Ähnlichkeit mit kohlenstoffhaltigen, 4,5 Milliarden Jahre alten Meteoriten, die man auch an einigen Orten auf der Erde gefunden hat. Diese stark kohligen Chondriten sind besonders urtümliche Meteoriten, die sich seit der Bildung des Sonnensystems nur wenig verändert haben. Ryugus Dichte ist mit durchschnittlich 1,2 Gramm pro Kubikzentimeter gering. Das bedeute, dass ein großer Teil des Asteroiden von Hohlräumen durchzogen ist, so die Forscher. Darauf deuten auch frühere Messungen hin, die mit dem DLR-Radiometerexperiment Mara durchgeführt wurden.

          Asteroid Ryugu gehört zu den Objekten, die der Erdbahn nahe kommen oder diese kreuzen. Die Bahn von Ryugu um die Sonne verläuft fast parallel zur Erdbahn und nähert sich dieser – mit einer geringen Neigung  – bis auf eine Distanz von rund 100.000 Kilometern. Allerdings kommt Ryugu dabei nie der Erde so nahe, dass Kollisionsgefahr drohen könnte. Dennoch sind die Erkenntnisse wichtig, um einschätzen zu können, wie „Erdbahnkreuzern“ im Fall der Fälle begegnet werden könnte.

          Die japanische Sonde „Hayabusa-2“ war inzwischen selbst zwei Mal auf Ryugu gelandet, das erste Mal im Februar und dann im Juli dieses Jahres. Bei ihren Kurzaufenthalten sammelte die Sonde Material von der Oberfläche auf. Die Proben werden in einem Transportbehälter versiegelt mit Hayabusa-2 Ende dieses Jahres zur Erde zurückfliegen, um im kommenden Jahr in einer Landekapsel verpackt auf der Erde zu landen.

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