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Amerikas Raumfahrtpläne : Mit privaten Raumschiffen ins All

Die ersten neun Astronauten: Sunita Williams, Josh Cassada, Eric Boe, Nicole Mann, Christopher Ferguson, Douglas Hurley, Robert Behnken, Michael Hopkins and Victor Glover (von links nach rechts). Im Hintergrund sind Prototypen der beiden neuen Raumschiffe zu sehen: links Boeing CST-100 Starliner, rechts. SpaceX Crew Dragon Bild: Nasa

Derzeit kommen amerikanische Astronauten nur mit russischen Sojus-Kapseln ins All. Das soll sich bald ändern. Doch die Nasa schafft das nicht allein.

          Acht Jahre nach der Ausmusterung der Space Shuttles werden die Vereinigten Staaten bereits im kommenden Jahr erstmals wieder selbst Astronauten ins All befördern. Das hat die amerikanische Raumfahrtbehörde Nasa mitgeteilt und neun Astronauten für die ersten Testflüge ausgewählt. Allesamt sind erfahrene Raumfahrer oder Testpiloten. Das Ziel der bemannten Flüge ist die Internationale Raumstation ISS, die in 400 Kilometern Höhe um die Erde kreist. Die Nasa will damit endlich die Abhängigkeit von russischen Sojus-Kapseln beenden, die seit 2011 regelmäßig amerikanische Astronauten zur ISS und zurück zur Erde fliegen. Die Mitfluggelegenheit lässt sich Roskosmos teuer bezahlen. Pro Astronaut muss die Nasa 81 Millionen Dollar hinlegen.

          Manfred Lindinger

          Redakteur im Ressort „Natur und Wissenschaft“.

          Doch damit soll nun Schluss sein. Allerdings werden die Astronauten nicht mit Nasa-Raumschiffen befördert, sondern mit Kapseln der privaten Raumfahrtunternehmen SpaceX und Boeing. Die Entscheidung wurde bereits im Jahr 2014 noch vom damaligen Nasa-Chef Charles Bolden getroffen. In den vergangenen vier Jahren haben SpaceX und Boeing im Auftrag der Nasa eine neue Generation von Raumschiffen entwickelt, in denen jeweils bis zu vier Astronauten Platz haben. Insgesamt sechs Flüge sind mit SpaceX und Boeing vereinbart worden. SpaceX kann auf die meiste Erfahrung in der Raumfahrt zurückblicken. Schon seit vielen Jahren schickt das Unternehmen des Multimilliardärs Elon Musk regelmäßig unbemannte Dragon-Raumfrachter zur Internationalen Raumstation.

          Ein Dragon-Raumfrachter der Firma SpaceX

          Die Zeit drängt, da November 2019 der Vertrag zwischen Roskosmos und der Nasa ausläuft, der bislang Sojus-Plätze für amerikanische Astronauten garantiert. Erste unbemannte Testflüge mit den neuen Raumschiffen sollen deshalb noch Ende dieses Jahres erfolgen. Für April 2019 ist dann der erste bemannte Start einer „Crew-Dragon“-Raumkapsel vorgesehen. Die Trägerrakete wird eine Falcon9 sein. Als Astronauten hat die Nasa Robert Behnken und Dough Hurley ausgewählt. Behnken ist schon zweimal ins All geflogen, jeweils an Bord des Spaceshuttles „Endeavour“ (Mission STS-123, im Jahr 2008 und Mission STS-130, im Jahr 2010). Er unternahm sechs Außenbordeinsätze mit einer Gesamtdauer von 76 Stunden. Hurley war Pilot der Raumfähren „Endeavor“ (STS-127, im Jahr 2009) und „Atlantis“ (STS-135, im Jahr 2011).

          Die Privatisierung der Raumstation

          Der Teststart einer CST-100 Starliner von Boeing ist für den Sommer 2019 anberaumt worden. Das Raumschiff soll eine Trägerrakete vom Typ Atlas-V von Cape Canaveral ins All bringen. An Bord werden Eric Boe, Chris Ferguson und Nicole Aunapu Mann sitzen. Boe steuerte als Pilot bereits die Raumfähren „Endeavor“ (STS-126, im Jahr 2008) and „Discovery“ (STS-133, im Jahr 2011). Ferguson war Pilot und Kommandant der Shuttle „Atlantis“ (STS-115, 2006), „Endeavour“ (STS-126, 2008) und „Atlantis“ (STS-135). Für die Testpilotin Aunapu Mann wird es der erste Raumflug sein.

          CTS-100 Starliner von Boeing

          Die ersten Missionsflüge zur ISS sollen dann im Herbst 2019 erfolgen. Auch dafür hat die Nasa bereits Astronauten ausgewählt. An Bord der Crew-Dragon werden die beiden Astronauten Mike Hopkins und Victor Glover sein. Hopkins verbrachte im Jahr 2013 166 Tage auf der ISS und unternahm dabei zwei Außeneinsätze. Glover, erfahrener Marineflieger, wird zum ersten Mal in den Weltraum aufbrechen.

          An Bord einer CST-100 Starliner werden Sunita Williams und Josh Cassada zur ISS fliegen. Williams hat bereits 322 Tage im All verbracht und kann auf sieben Missionen und sieben Außeneinsätze zurückblicken. Cassada ist wie Glover Raumfahrt-Novize.

          Mit den bemannten Flügen zur ISS hat die Nasa einen weiteren Schritt zur Privatisierung und Kommerzialisierung der Raumfahrt unternommen. Anfang des Jahres verkündete Donald Trump, von 2025 an keine öffentlichen Gelder mehr für den Unterhalt der Raumstation ausgeben zu wollen. Er will große Teile der amerikanischen Beteiligung an der ISS auf private Firmen übertragen. Damit soll sich die Nasa stärker auf die geplanten bemannten Raumflüge zum Mond und später zum Mars konzentrieren können.

          An einem Raumschiff und einer schubkräftigen Trägerrakete für künftigen Missionen zum Mond und zum Mars wird derzeit gebaut. Ob der Rückzug der Nasa von der ISS so reibungslos vonstatten gehen wird, wie es sich Trump vorstellt, ist fraglich. Die übrigen ISS-Partner werden mit Trumps Plänen nicht ganz einverstanden sein und ein Wörtchen mitreden wollen. Schließlich muss sich Amerika an einmal unterzeichnete Verträge halten.

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