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Amerikas neue Raumschiffe : Platz für sieben Astronauten

Bitte einsteigen! Ein „Astronaut“ öffnet die Luke einer CST-100 Kapsel von Boeing. Bild: AP

Die Unternehmen Boeing und SpaceX haben den Zuschlag für den Bau von bemannten Raumschiffen erhalten. Bis 2017 sollen sie zwei einsatzfähige Kapseln liefern. Wir stellen sie hier vor.

          2 Min.

          Drei Jahre nach der Ausmusterung der Space Shuttles hat die amerikanische Raumfahrtbehörde Nasa  die Weichen für eine Wiederaufnahme von bemannten Raumflügen gestellt. Die Nasa präsentierte am Dienstagabend die beiden Projektpartner: die amerikanischen Unternehmen Boeing und SpaceX. Sie sollen bis 2017 eine neue Generation von bemannten Raumschiffen entwickeln, die Astronauten zur Internationalen Raumstation ISS befördern und wieder zurück zur Erde bringen sollen. Der Auftrag hat ein Gesamtvolumen in Höhe von umgerechnet 5,2 Milliarden Euro.

          Ein Hauch von Sciencefiction 

          Manfred Lindinger

          Redakteur im Ressort „Natur und Wissenschaft“.

          Das Luft- und Raumfahrtunternehmen Boeing, das mit 3,2 Milliarden Euro den größten Anteil der Finanzmittel erhält, plant einen bemannten Raumschiffs, das auf dem Modell CST-100 beruht und wie bei Apollo aus einem Mannschafts- und einem Servicemodul besteht. Die Kapsel besitzt einen Durchmesser von fünf Metern und kann bis zu sieben Astronauten aufnehmen. Sie bietet aber auch reichlich Platz für Frachtgut. Die CST-100 ist mit vier Triebwerken ausgestattet, die am Sevicemodul angebracht sind. Dort befinden sich unter anderem auch die Treibstofftanks. Das Raumschiff soll 60 Tage autonom fliegen können. Die Ladung soll mit Fallschirmen und Airbags auf flachem Gelände erfolgen. Boeing will drei Raumschiffe bauen. Nach ersten unbemannten Testflügen soll Mitte 2017 der erste bemannte Raumflug zur ISS erfolgen, erklärte Boeing. Als Trägerrakete will man die Atlas V nutzen. Die CST-100 soll bis zu zehn Mal wieder verwendbar sein.

          In dieser Simulation ist eine CST-100 von Boeing schon unterwegs zur Raumstation.  Bilderstrecke

          Die Firma SpaceX des Unternehmers Elon Musk erhält zwei Milliarden Euro für den Bau eines Raumschiffes. Das vergleichsweise kleine und junge Unternehmen führt im Auftrag der Nasa bereits seit 2012 mit ihrem unbemannten Raumtransporter vom Typ Dragon regelmäßig Versorgungsflüge zur Internationalen Raumstation aus. Versuche, den Transporter auf die Erde zurückzuholen, verliefen erfolgreich. Für die Beförderung von Astronauten entwickelt SpaceX derzeit eine stark modifizierte Version ihres Raumfrachters. Einen Prototyp, die Dragon V2, hatte Space X vor einigen Monaten vorgestellt. Wie die CST-100 bietet die Dragon V2 Platz für maximal sieben Astronauten. Sie ist mit sechs seitlichen Triebwerken ausgestattet, die im Notfall gezündet werden können, aber auch eine kontrollierte „sanfte“ Ladung auf der Erde ermöglichen. Zunächst soll das Raumschiff aber noch an Fallschirmen auf dem Wasser landen. Ein  weiterer Vorteil: die Dragon  V2 kann selbständig an der ISS andocken. Ihr Vorgänger, der Raumrachter Dragon, wird noch vom Greifarm der Raumstation eingefangen

          Die Dragon-Kapsel soll mit einer Falcon-9-Trägerrakete vom Kennedy Space Center in Cape Canaveral (Florida) aus gestartet werden. Wie das Raumschiff von Boeing ist die Kapsel von SpaceX mit modernster Elektronik für die Besatzungsmitglieder ausgestattet und mehrfach wiederverwendbar. Die  Nasa verzichtet allerdings fürs erste auf  wiederverwendbare Raumschiffe. So wird nach jedem Flug der von 2017 an stattfindet eine neue Kapsel notwendig sein. Boeing und SpaceX sollen insgesamt sechs Raumfahrzeuge liefern.

          Weg aus der Abhängigkeit

          Mit dem ambitionierten Projekt will die Nasa endlich die Abhängigkeit von russischen Sojus-Kapseln beenden - zumal die politischen Beziehungen mit Russland wegen der Ukraine-Krise derzeit angespannt sind. Bei bemannten Raumflügen sind die Vereinigten Staaten derzeit auf Russland angewiesen. Die Flüge mit der Sojus kosten die Amerikaner für einen ihrer Astronauten 51 Millionen Euro. Die Nasa schlage nun gemeinsam mit Boeing und SpaceX das wohl „aufregendste und spannendste Kapitel in der Geschichte der bemannten Raumfahrt auf“, schwärmte Nasachef Charles Bolden. Die „großartigste Nation der Erde““ sollte im Weltraum nicht von anderen Ländern abhängig sein.

          Die Nasa hat seit 2010 bereits mehr als eine Milliarde Euro ausgegeben, um die Privatwirtschaft bei der Entwicklung von bemannten Raumschiffen zu unterstützen. Das Luft- und Raumfahrtunternehmen Sierra Nevada, das ebenfalls in die engere Auswahl gekommen war, ging wie die Firma Virgin Galactic des Unternehmers Richard Branson leer aus.

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