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Alienjäger : E.T. antwortet nicht

  • -Aktualisiert am

Das Allen-Teleskoparray unweit von San Franzisco Bild: Seti, Seth Shostak

Die seltsamen Lichtsignale des fernen Sterns KIC 8462852 stammen nicht von Außerirdischen. Doch von wem oder was dann? Eine Spurensuche.

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          Zwei Wochen lang haben die Antennen des Allen-Teleskops bei San Francisco nach Signalen von KIC 8462852 gelauscht - vergebens. Wenn es tatsächlich Außerirdische bei diesem fernen Stern gibt, dann reden sie jedenfalls nicht mit uns, ist das ernüchternde Fazit der Messungen. Eine Astronomengruppe um Tabetha Boyajian von der Yale University in New Haven hatte vor einigen Wochen bei der Analyse von Daten des Weltraumteleskops Kepler merkwürdige Helligkeitsschwankungen des Sterns bemerkt, was die Phantasie vieler Alien-Freunde beflügelte.

          Das Kepler-Observatorium sucht nach Signalen von Exoplaneten, die von der Erde aus gesehen periodisch vor ihren Sternen vorbeiziehen und dabei regelmäßig einen kleinen Teil des Sternlichts blockieren. KIC 8462852 verdunkelte sich hingegen völlig chaotisch, und das teilweise um mehr als 20 Prozent. Eine überzeugende Erklärung für dieses Phänomen haben die Astronomen bislang nicht, was wilde Spekulationen zur Folge hatte. Die Mutmaßung, dass hier eine extraterrestrische Zivilisation womöglich eine sogenannte „Dyson-Sphäre“ baut, ein gigantisches, den Stern umhüllendes Bauwerk, verbreitete sich besonders erfolgreich.

          Ratlose Seti-Forscher

          Boyajian und ihre Kollegen halten dagegen natürliche Ursachen für plausibler. In ihrem Aufsatz, der in den „Monthly Notices of the Royal Astronomical Society“ erscheinen wird, ist nicht von Außerirdischen die Rede, sondern von einer Wolke auseinander gebrochener Kometen als mögliche Ursache für die Verdunklung. Den Hype um E. T. störte das freilich nicht.

          Mit ihrem Allen-Teleskop hat nun die private Seti-Initiative ihrerseits, die seit Jahren nach Signalen außerirdischer Zivilisationen fahndet, nach zwei Arten von Radiostrahlung aus Richtung des 1500 Lichtjahre im Sternbild Schwan gelegenen Sterns gesucht: Schmalbandübertragungen mit Frequenzen von etwa einem Hertz, mit denen eine außerirdische Zivilisation mit der Außenwelt zu kommunizieren versuchen könnte, und Breitbandsignale, die von Raketenantrieben und hypothetischen Bautätigkeiten bei KIC 8462852 ausgelöst werden könnten.

          Zur Ernüchterung, aber keineswegs zur Überraschung der Seti-Forscher fand man weder das eine noch das andere: „Jedes Mal in der Astronomiegeschichte, wenn wir dachten, ein Signal von Außerirdischen gefunden zu haben, lagen wir falsch“, sagt Seti-Astronom Seth Shostak. „Aber es ist nur klug, auch diese Möglichkeit zu überprüfen.“

          Noch ist offen, ob die mysteriösen Verdunklungen überhaupt durch ein Objekt in einer stabilen Umlaufbahn um KIC 8462852 ausgelöst werden. In diesem Falle müssten sie sich periodisch wiederholen. „Wir stellen gerade ein globales Netzwerk aus Teleskopen zusammen, mit dem wir die Helligkeit des Sterns rund um die Uhr überwachen können“, erklärt Davide Gandolfi vom Zentrum für Astronomie der Landessternwarte Heidelberg und Mitautor der Originalstudie. „Zusätzlich sammeln wir Spektren des Objekts im optischen und infraroten Licht.“

          In den kommenden Monaten ist KIC 8462852 aufgrund seiner Himmelsposition allerdings schwierig zu beobachten. Belastbare Ergebnisse dürften daher erst im kommenden Jahr zu erwarten sein. An Spekulationen über die Ursache der seltsamen Helligkeitsschwankungen will sich Gandolfi jedenfalls nicht beteiligen: „Die Wahrheit ist: Ich habe keine Ahnung!“

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