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Alexander Gerst Rückkehr : Jede Menge Ergebnisse im Gepäck

Alexander Gerst nach seiner Ankunft in Köln Bild: dpa

Mit seiner Rückkehr von der Internationalen Raumstation bringt der deutsche Alexander Gerst nicht nur viele Eindrücke zurück zur Erde, er hat auch eine umfangreiches wissenschaftliches Programm absolviert, dessen Auswertung jetzt beginnt.

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          Sechs Monate lang war Alexander Gerst auf der Internationalen Raumstation. In dieser Zeit hat er  atemberaubend schöne Fotos von der Erde geschossen und Videos gedreht.  Gerst war der 11. deutsche Astronaut im Weltraum. Keiner seiner Vorgänger ließ die Menschen auf der Erde annähernd so an seiner Mission teilhaben wie der 38  alte gebürtige Künzelsauer Fast täglich verbreitete Deutschlands Mann im All seine Eindrücke in einem Blogtagebuch und per Twitter: Fotos von Städten, dem Leben auf der ISS oder seine Gedanken. „In mondlosen Nächten kommt es mir manchmal so vor, als hinge die Erde wie eine monströse schwarze Kugel über mir“, schrieb er einmal.

          Manfred Lindinger

          Redakteur im Ressort „Natur und Wissenschaft“.

          Doch der  Geophysiker Gerst hat auch ein umfangreiches wissenschaftliches Programm absolviert, bei dem er rund 50 Experimente betreute, die nur in der Schwerelosigkeit der Raumstation möglich sind. Das europäische Forschungslabor Columbus, das seit 2008 fester Bestandteil der Raumstation ist, war hierbei sein Hauptarbeitsplatz. Dort hat Gerst unter anderem mit Metallen, Flüssigkeiten, Gasen und Plasmen experimentiert und einige medizinische Selbstversuche ausgeführt.

          Der deutsche ESA-Astronaut Alexander Gerst genießt die Aussicht aus der Cupola der Internationalen Raumstation ISS vier Tage nach seiner Ankunft am 29. Mai 2014.
          Der deutsche ESA-Astronaut Alexander Gerst genießt die Aussicht aus der Cupola der Internationalen Raumstation ISS vier Tage nach seiner Ankunft am 29. Mai 2014. : Bild: Esa, Nasa

          Eine der ersten Aufgaben des deutschen Astronauten nach seiner Ankunft Ende Mai  war es, den sogenannten „Electromagnetic Levitator“ in Betrieb zunehmen. Dabei handelt es sich um einen von der Europäischen Raumfahrtagentur Esa und dem Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt DLR entwickelten tiegelfreien Schmelzofen für Legierungen. In dem Ofen vereinigen sich in der Schwerelosigkeit schwebende Metalltropfen, die sich auf der Erde nicht verbinden würden. Man kann  unter Ausschaltung der Oberflächenspannung neue, besonders stabile Metalllegierungen erzeugen, die auf der Erde nicht geschaffen werden können.

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          Mit dem Spezialofen können auch Proben der unterschiedlichsten metallischen Legierungen aufgeschmolzen werden, um sie dann im flüssigen Zustand in Schwerelosigkeit zu untersuchen. Die Erkenntnisse könnten für die Herstellung robuster und hitzebeständiger Werkstoffe von Nutzen sein. Gerst sollte im Auftrag des DLR zudem erforschen, wie sich Emulsionen, die bei der Herstellung etwa von Lebensmitteln, kosmetischen und pharmazeutischen Produkten eine wichtige Rolle spielen, in der Schwerelosigkeit verhalten und wie man diese Mixturen aus zwei schwer mischbaren Flüssigkeiten stabiler machen kann.

          Täglich eine Stunde hartes Training

          Täglich hat Gerst eine Stunde lang ein neues multifunktionales Trainingsgerät aus Amerika getestet. Es dient dem Zweck den von Langzeitraumfahrern gefürchteten Knochen- und Muskelschwund einzudämmen oder gar zu verhindern. Denn in der Schwerelosigkeit läuft im Zeitraffer das Gleiche ab, was Menschen beim Alterungsprozess auf der Erde erleben: Muskelabbau, Osteoporose, Rückenbeschwerden und zunehmende Kraftlosigkeit. Mann hofft, die Erkenntnisse in der Raumfahrtmedizin bei der Behandlung oder Prävention etwa von Alterskrankheiten nutzen zu können.

          Unter Astronauten auch „Frosch-See“ genannt: der Krasnopavlivsk Stausee in der Ukraine
          Unter Astronauten auch „Frosch-See“ genannt: der Krasnopavlivsk Stausee in der Ukraine : Bild: Alexander Gerst/ESA/NASA/dpa

          Gerst musste sich selbst Blutproben und Muskelgewebe entnehmen und untersuchen, aber auch seine Hirnaktivitäten messen. Anhand von derartigen Proben und Messungen hofft man, Erfahrungswerte über den Orientierungs- und Gleichgewichtssinn zu sammeln. Beide Sinne sind in Schwerelosigkeit besonders gestört, was sich bei manchen Astronauten als Weltraumkrankheit zeigt. Das Gehirn schafft es aber nach einiger Zeit, mit der neuen Situation zurecht zu kommen und den gestörten Gleichgewichtssinn zu kompensieren.

          Härtetest für Mikroorganismen

          Auf der Agenda des deutschen Astronauten standen auch astrobiologische Experimente. In der Astrobiologie gehen Wissenschaftler unter anderem den Fragen nach dem Ursprung des Lebens, der Verteilung und der Entwicklung von organischem Material im Universum sowie nach Lebensmöglichkeiten außerhalb der Erde nach. Während Gersts Mission wurden unter anderem Mikroorganismen in einer Anlage an der Außenseite der ISS den unwirtlichen Bedingungen des Weltraums ausgesetzt. Damit will man herauszufinden, wie die Organismen auf die energiereiche kosmische Strahlung und das im Weltraum herrschende Vakuum reagieren.

          Hat nicht jeder auf dem Smartphone: Selfie vom Weltraum-Spaziergang
          Hat nicht jeder auf dem Smartphone: Selfie vom Weltraum-Spaziergang : Bild: Alexander Gerst/ESA/NASA/dpa

          Einen Großteil von den Gersts Experimenten wird die Esa-Astronautin Samantha Cristoforetti im Rahmen ihrer in knapp zwei Wochen beginnenden Mission „Futura“ fortsetzen, wobei sie gleichzeitig auch neue Versuche in Angriff nehmen wird. Von einem „Mammutprogramm“, das Alexander Gerst in 165 Tagen auf der ISS absolviert habe, spricht Volker Schmid, DLR-Manager für die Blue-Dot-Mission von Alexander Gerst. „ Ein Highlight seiner Mission war sein mehr als sechsstündiger Außenbordeinsatz (Extra Vehicular Activity, EVA) am 7. Oktober 2014, bei dem er zusammen mit seinem amerikanischen Kollegen Reiid Wiseman wichtige Wartungsarbeiten an der ISS erledigte.

          Die Datenauswertung folgt

          Viele wissenschaftliche Erkenntnisse würden den Alltag auf unserem Planeten verbessern, ist DLR-Chef Jan Wörner optimisitisch. „Fernsehen, Kommunikation, Wettervorhersage“, sagt er. Gerst sieht selbst noch einen weiteren Sinn bemannter Raumfahrtmissionen: „Der Blick aus dem All hilft, die Verwundbarkeit unserer Heimat zu verstehen. Die Erde ist nur eine kleine Kugel aus Stein mit einer hauchdünnen Atmosphäre“, sagt Gerst als er zum Check ist Astronautenzentrum des Deutschen Luft- und Raumfahrtzentrums der DLR fährt.

          Details über die Experimente und erste Ergebnisse wird man von Alexander Gerst persönlich am Donnerstag, den 13. November erfahren. In einer einstündigen Pressekonferenz am Europäischen Astronautenzentrum  wird sich der deutsche Astronaut zum ersten Mal nach seiner Rückkehr am Sonntag wieder den Fragen der Öffentlichkeit stellen.

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