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50 Jahre Baikonur : Wo Moskaus Träume wahr wurden

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Seit 50 Jahren: Von Baikonur aus zu den Sternen Bild: picture-alliance / dpa/dpaweb

Der einst sowjetische Weltraumbahnhof Baikonur liegt heute im Ausland. Rußland zahlt eine millionenschwere Pacht an Kasachstan, um das Gelände weiter nutzen zu können. Das Kosmodrom in der Steppe besteht nun seit 50 Jahren.

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          Baikonur - jahrzehntelang war dieser Name vor allem im Westen mit Geheimnissen verbunden. Moskau hatte ihn dem Weltraumbahnhof in Kasachstan gegeben, von dem die im Detail streng geheimen Weltraumflüge ihren Ausgang nahmen, die in den Augen der Öffentlichkeit die Sowjetunion zur respektablen Supermacht und Washington zum "ewig Zweiten" werden ließen: der Flug des ersten Erdsatelliten (Sputnik 1) am 4. Oktober 1957, die erste Umkreisung der Erde durch einen Menschen (Juri Gagarin) am 12. April 1961, später die ersten erfolgreichen Flüge von Sonden zum Mond und Landungen von Sonden auf dem Planeten Venus.

          Als Kasachstan 1991 unabhängig wurde, stellte sich auch die Frage nach der Zukunft Baikonurs. 1994 erkannte Rußland durch die Pacht des Geländes die Oberhoheit von Kasachstan an, das den fünfzigsten Geburtstag des Weltraumbahnhofs an diesem Donnerstag feiert. Aus diesem Anlaß ist in der benachbarten Stadt Leninsk, die mittlerweile genauso wie der Kosmodrom und eine 300 Kilometer entfernte Stadt Baikonur heißt, eine Militärparade geplant. Daran werden unter anderem 1100 Veteranen des Weltraumbahnhofs teilnehmen.

          Kind des Kalten Krieges

          Seine Entstehung hat das Kosmodrom Baikonur dem Kalten Krieg zu verdanken. Moskau hatte bald nach Ende des Zweiten Weltkriegs begonnen, eigene Großraketen zu entwickeln. Dafür hatte man zunächst mit Hilfe deutscher Fachleute die in Peenemünde entwickelte V-2 studiert. Für Tests dieser Rakete sowie die ersten Starts großer russischer Raketen war ein Gelände bei Kapustin Yar an der Wolga - etwa 120 Kilometer östlich von Stalingrad (Wolgograd) - erschlossen und ausgebaut worden. Als im Februar 1954 die Entwicklung der ersten russischen Interkontinentalrakete begann - der zweistufigen R-7, die in der Lage sein sollte, Atombomben über Tausende von Kilometern Entfernung zu transportieren -, konnte Kapustin Yar den Anforderungen nicht mehr genügen.

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          Der Grund dafür war, daß die frühen sowjetischen Raketen mit Radiosignalen von der Erde aus navigiert wurden. Für das Verfahren, das sich auf Flugdaten stützte, die mit Radar gewonnen wurden, benötigte man unter anderem drei Radiostationen. Im Falle der R-7 mußte eine von ihnen etwa 300 Kilometer vom Startplatz entfernt in Flugrichtung stehen. Von Kapustin Yar aus hätte das mitten im Kaspischen Meer oder in Iran bedeutet. Deshalb erfolgte am 17. März 1954 ein Erlaß des Ministerrats, für die Langstreckenraketen ein neues Testgelände zu suchen. Der "russische Wernher von Braun" - Sergej Koroljow, der damals auch schon über den Bau von Satelliten nachdachte - bestand auf einem möglichst weit südlich gelegenen Testgelände, weil den von dort aus nach Osten gestarteten Raketen die Erdrotation zugute käme.

          Dorf Tjuratam mußte weichen

          Man wurde schließlich in der Steppe Kasachstans nicht weit vom Aralsee am Ostufer des Syr Darya fündig, in einer Region, in der sich sozusagen Fuchs und Hase gute Nacht sagten. Im Sommer entwickeln sich dort Staubstürme, und die Temperaturen klettern bis auf fünfzig Grad. Im Winter sinken sie, bei Schneestürmen, auf minus 25 Grad. In der Nähe kreuzten sich zwei Bahnstrecken, was für die Infrastruktur wichtig war. Und es gab ein - in russischen Quellen oft übergangenes - Dorf namens Tjuratam, dessen Wurzeln kasachischer Darstellung zufolge bis in die Antike reichten und in dem Viehzüchter lebten. Tjuratam mußte der Stadt Leninsk weichen. Seinen Namen erhielt der Kosmodrom allerdings nach der Stadt Baikonur (in kasachischer Sprache: "Der Meister mit dem hellbraunen Haar"), die 300 Kilometer weiter nordöstlich liegt.

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