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Fahrstuhl in den Weltraum : Die achtmillionste Etage

Das Problem der Energieversorgung

Bleibt fünftens die eigentliche Aufzugskabine, von den Ingenieuren meist „Climber“ (Kletterer) genannt. Der Climber verfügte über einen eigenen Antrieb und über Räder oder besser gesagt Walzen, denn heutige Konzeptstudien, wie auch die in dem IAA-Bericht vorgestellten, gehen statt von einem Seil mit rundem Querschnitt von einem etwa einen Meter breiten Band aus. Eines der beiden Hauptprobleme des Weltraumaufzugs ist die Energieversorgung dieses Antriebs. Treibstoff für die 36000 Kilometer lange Reise mitzunehmen ist nicht sinnvoll – denn dann hätte man wieder dasselbe Problem wie bei der Rakete. Stattdessen könnte der Climber über einen starken Laserstrahl versorgt werden. Leistungsfähige Fotozellen an Bord des Climbers würden die Laserenergie dann in elektrischen Strom umwandeln.


An Modellsystemen werden solche Antriebe – aber auch das „Powerbeaming“ mittels starker Scheinwerfer oder Lasern im Bereich einiger Kilowatt Leistung – seit einigen Jahren in Form sogenannter „Challenges“ studiert, also Wettbewerben, in denen (oft studentische) Teams ihre Entwicklungen gegeneinander antreten lassen und bestimmte Vorgaben erfüllen müssen, um zu gewinnen. Bei der jüngsten Veranstaltung Anfang August in Japan galt es, Climber zu bauen, die ein 1200 Meter langes, von einem Ballon gehaltenes Seil bezwingen. 2012 fand am Lehrstuhl für Raumfahrttechnik der TU München in Garching bereits die zweite „European Space Elevator Challenge“ statt. Noch aber reichen die Sponsorengelder nicht, um mehr als symbolische Summen als Preise auszuloben. Etwas mehr Pioniergeist, gerade bei öffentlichen Raumfahrtinstitutionen, könne hier aber noch einiges mehr bewegen, meint Martin Lades.


Der Climber eines fertigen Weltraumaufzugs, wie ihn sich etwa der IAA-Bericht vorstellt, wöge typischerweise 20 Tonnen, davon 14 Tonnen Nutzlast, und wäre bis zur geostationären Raumstation etwa acht Tage unterwegs. Bis zu sieben Climber wären gleichzeitig am Seil; ob ihre Energie tatsächlich mit Laserlicht geliefert werden kann, ist eine in der Space-Elevator-Szene derzeit heiß diskutierte Frage. „Laser würden eine enorme Infrastruktur am Boden benötigen“, sagt Peter Swan, der Präsident des ISEC und leitender Herausgeber des IAA-Berichts. „Man brauchte sieben Strahlen, für jeden Climber einen, dazu adaptive Optik und Zielsysteme. Die Energie für diese gewaltigen Laser müsste von Generatoren auf hoher See geliefert werden – und wir reden hier von mehreren Gigawatt!“

Grüner klettern mit Sonnenpower

Der IAA-Bericht stellt daher eine alternative Energiequelle in den Mittelpunkt seiner Betrachtung: „Aufgrund der jüngsten Fortschritte und absehbarer Entwicklungen in der Photovoltaik ist es nun möglich, sich auf Entwürfe von Climbern zu konzentrieren, die ihre gesamte Energie direkt aus Sonnenlicht gewinnen“, heißt es in dem Bericht. So können sich die Ingenieure Climber vorstellen, die mehrere Flächen mit Solarzellen hinter sich herziehen.

Realistisch ist der reine Solarantrieb allerdings erst ab einer Höhe von 40 Kilometern. 
Darunter drohen nicht nur Wolken die Energieversorgung zu beeinträchtigen, vielmehr wären die fragilen Solarpaneele auch Wind und Wetter ausgesetzt.

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