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Fahrstuhl in den Weltraum : Die achtmillionste Etage

Die Raumfracht würde angeliefert, wo die Vakuumrohre den Meeresspiegel treffen. Von dort könnte sie mit einem transrapid-ähnlichen System zum eigentlichen Lift hinaufgeschickt werden.
Die Raumfracht würde angeliefert, wo die Vakuumrohre den Meeresspiegel treffen. Von dort könnte sie mit einem transrapid-ähnlichen System zum eigentlichen Lift hinaufgeschickt werden. : Bild: ISEC/John Knapman


Das Space Shuttle war wegen seiner Wiederverwendbarkeit zunächst als besonders kostengünstiger Weg ins All gedacht gewesen. Doch nun zeigte sich, dass nicht so sehr das Einweg-Prinzip die Raumfahrt daran hinderte, sich weiterzuentwickeln, sondern die Idee der Raketen selbst. Um die Erdanziehung zu überwinden, müssen Raketen ihren Treibstoff mitschleppen. Für die Nutzlast chemisch getriebener Vehikel bleibt weniger als fünf Prozent der Startmasse, beim Space Shuttle waren es sogar nur 1,2 Prozent. Ein Kilogramm mit Trägerraketen wie den amerikanischen Typen Atlas oder Delta in den geostationären Orbit zu befördern, kostet heute 80000 Dollar, in erdnahe Umlaufbahnen wie dem der Internationalen Raumstation sind es immerhin noch 10000 Dollar. „Und das trotz 50 Jahren Erfahrung und Optimierung von Raketenkosten“, sagt der Nürnberger Physiker Martin Lades, der sich beim ISEC engagiert. „Es wird nicht mehr viel billiger.“

Läuft der Lift, werden Science-Fiction-Träume wahr

Diese enorme Abhängigkeit der Startkosten von der zu startenden Materialmenge ist die mit Abstand größte Spielverderberin der Raumfahrt. Sie bremst nicht nur die ökonomische Nutzung des Alls – und verhindert damit technische Entwicklungen, wie sie es immer erst gibt, wenn jemand damit viel Geld verdienen kann, sondern ist auch das eigentliche Argument aller Kritiker der bemannten Raumfahrt. Wäre das All wirklich kein Ort für Menschen, wären es Hochgebirge, Polargebiete und schon das offene Meer auch nicht. Auf dem Mond oder dem Mars fehlt Homo sapiens heutzutage nicht deswegen, weil er dort nicht hingehörte, sondern weil es momentan schlicht zu teuer ist, wohnliche Raumschiffe und zugehörige Lebenserhaltungssysteme dem Schwerefeld der Erde zu entreißen. 

Gelänge es aber, solch ein Seil ins All zu spannen und daran Aufzüge emporklettern zu lassen, sähe die Rechnung am Ende völlig anders aus. Was aber brauchte man dazu?

Wenn heute über Weltraumaufzüge nachgedacht wird, dann geschieht das meist auf Grundlage eines Szenarios des Amerikaners Bradley Edwards aus dem Jahr 2003. Demnach hat ein Weltraumaufzug fünf Komponenten.

Seillänge Hundertausend Kilometer

Da wäre zunächst das Seil, dessen Schwerpunkt im geostationären Orbit in knapp 36000 Kilometer Höhe kreist. Es würde von einem dorthin mit konventionellen Raketen geschossenen Satelliten ausgerollt. Dieser Satellit würde dabei immer höher steigen, bis auf etwa 100000 Kilometer, und dort als Gegengewicht, der zweiten Komponente, durch seine Fliehkraft das Seil straff halten. Je mehr Masse diesem Gegengewicht mitgegeben wird, desto kürzer ließe sich die Gesamtlänge halten. „Nimmt man ein Seil der Länge 144000 Kilometer, braucht man kein Gegengewicht“, erklärt der Physiker Markus Landgraf von der European Space Agency. „Dann dient der Teil des Seils oberhalb des geostationären Orbits als Gegengewicht. Der zusätzliche Vorteil des oberen Seilstücks ist, dass man von dort aus ohne Antrieb ins Sonnensystem abfliegen kann, bis etwa zum Saturn.“

Für Fracht und Passagiere mit Reiseziel Erdorbit wäre aber in der geostationären Basis, der Komponente Nummer drei, Endstation. Die vierte Komponente wäre dann die Bodenstation. Die aktuellen Konzepte, so auch die des IAA-Berichts, haben hier be-reits sehr konkrete Vorstellungen über den Standort. Ideal wäre eine schwimmende Plattform im Pazifik, tausend Kilometer westlich der Galapagos-Inseln. Dort ist die See meist ruhig, die Gefahr tropischer Wirbelstürme gering, und Gewitter gibt es auch nicht so oft.

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