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Weltklimarat-Sonderbericht : „Noch nie gab es eine solche globale Herausforderung“

Wie die Energiewende schaffen? Bild: Imago

Der Weltklimarat hält es für möglich, die globale Erwärmung doch noch auf 1,5 Grad zu begrenzen. Dafür wären allerdings politische Wunder nötig. Ihre Vision knüpfen die Wissenschaftler daher an radikale Bedingungen. Eine Analyse.

          8 Min.

          „Eine Begrenzung der weltweiten Erwärmung auf 1,5 Grad über dem vorindustriellen Niveau ist nicht unmöglich.“ Mit diesen Worten des IPCC-Vorsitzenden Hoesung Lee beendete der zwischenstaatliche Weltklimarat seine sechstägige Sitzung in Incheon, Südkorea. Der Rat legte die Zusammenfassung des von mehr als neunzig Wissenschaftlern aus 41 Ländern verfassten IPCC-Sonderberichts zur Erreichung des 1,5-Grad-Ziels vor. Wie üblich wurden die exakten Formulierungen in diesem „Summary for Policy Makers“ mit den Delegierten der an der Klimakonvention beteiligten 195 Staaten abgestimmt. Am Ende war das Fazit für viele Beobachter überraschend positiv, allerdings schreibt der Rat auch: „Um die globale Erwärmung auf 1,5 Grad zu begrenzen bedarf es schneller, weitreichender und bisher beispielloser Veränderungen in allen gesellschaftlichen Lebensbereichen.“

          Joachim Müller-Jung

          Redakteur im Feuilleton, zuständig für das Ressort „Natur und Wissenschaft“.

          Die Vorstellung der 33-seitigen Zusammenfassung durch die federführenden Autoren der drei IPCC-Arbeitsgruppen mündete immer wieder in Appelle an die Adresse der nationalen Klimapolitik, die bisher noch zu wenig an Klimaschutzmaßnahmen geliefert hat. Der politische Prozess der Transformation hin zu einer klimafreundlichen Weltgemeinschaft müsse „dringend beschleunigt werden“, sagte Hoesung Lee. „Dabei zählt jedes bisschen weniger Erwärmung“, sagte er. Vor allem mit Blick auf den Ende des Jahres in Kattowitz in Polen stattfindenden Klimagipfel appellierten die Wissenschaftler, Nachbesserungen der für den Pariser Klimavertrag abgegebenen nationalen Klimaziele auszuhandeln. Bisher sei man noch lange nicht auf dem Weg in eine 1,5-Grad-Welt, vielmehr steuere man auf mehr als drei Grad Erwärmung bis zum Ende des Jahrhunderts hin.

          Solarzellen und Windräder in Bayern

          Entscheidend in dem Sonderbericht ist die Einführung eines langfristigen Nullnetto-Emissionsziels, sprich: das Ziel, eine klimaneutrale Klimapolitik zu erreichen. Unter dem Strich dürfen nicht mehr Treibhausgase freigesetzt werden als auf der anderen Seite etwa durch Entzug von Kohlendioxid aus der Luft, wieder in den Kohlenstoffkreislauf gelangen. Bis zum Jahr 2050, diese Zahl wurde zum ersten Mal vom IPCC genannt, sollte diese Netto-Emission weltweit auf null gesenkt werden. Derzeit werden jährlich etwa 42 Milliarden Tonnen Kohlendioxid, das wichtigste Treibhausgas, das durch Verbrennung von Kohle, Öl und Gas entsteht, in die Luft geblasen. Nur ganz wenige Länder haben nationale Klimagesetze geschaffen, die dieses Ziel enthalten, nicht Deutschland und auch nicht die Europäische Union. Um dieses Langfristklimaziel einer Nullnetto-Emission bis spätestens Mitte des Jahrhunderts zu erreichen, müssten die Kohlendioxid-Emissionen weltweit bis zum Jahr 2030 bereits um 45 Prozent gesenkt werden und auch die Mengen an Methan, Ruß sowie anderen klimawirksamen Luftschadstoffen schon verringert werden.

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