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Nasa-Expedition : Marssonde findet Hinweise auf flüssiges Wasser

  • -Aktualisiert am

Bild: Nasa/JPL/University of Arizona

Amerikanische Wissenschaftler und die Nasa wollen neue Hinweise auf die Existenz von Wasser auf dem Roten Planeten entdeckt haben. Aber lassen sich die Furchen in den Mars-Kratern mit Leben in Verbindung bringen?

          Der amerikanischen Raumfahrtbehörde Nasa liegen nach eigenen Angaben Beweise für flüssiges Wasser auf dem Mars vor. „Der Mars ist nicht der trockene, ausgedörrte Planet, für den wir ihn in der Vergangenheit gehalten haben“, sagte der Leiter des Nasa-Planetenprogramms, Jim Green, am Montag bei einer Pressekonferenz. „Unter bestimmten Gegebenheiten wurde flüssiges Wasser auf dem Mars gefunden“, äußerte Green.

          Neue Analysen von Messdaten der Raumsonde „Mars Reconnaissance Orbiter“ deuten darauf hin, dass salziges Schmelzwasser regelmäßig manche Steilhänge hinabfließen könnte, berichten Forscher in der Zeitschrift „Nature Geoscience“. Das Rätsel um sonderbare dunkle Streifen an vielen Mars-Hängen sei damit möglicherweise gelöst.

          Der in „Nature Geoscience“ publizierte Befund wirft allerdings neue Fragen auf. Schon vor Jahren haben einige Krater auf dem Mars das Interesse der Forscher geweckt, die auf dem Roten Planeten nach lebensverträglichen Umweltbedingungen in früherer oder heutiger Zeit suchen. An den Innenflanken dieser Krater sind Scharen nach unten verlaufender dunkler Lineamente zu erkennen, die im ersten Moment so aussehen, als sei hier etwas nach unten gerutscht.

          Bei näherer Betrachtung sind einige Wissenschaftler zu dem Schluss gekommen, dass es sich um Spuren von Flüssigkeiten, wahrscheinlich Wasser, handeln dürfte, die auch in heutiger Zeit noch entstehen. Dann bestünde immerhin die Möglichkeit, dass dort wenn auch primitive Lebensformen anzutreffen wären. Bestätigten konnten die Forscher ihre Vermutung nicht.

          Am Horowitz-Krater in Äquatornähe: Die dunklen „Salzlaugen“-Streifen sind auch hier etwa hundert Meter lang.

          Insbesondere stieß die Deutung der Strukturen als Hinweise auf die Tätigkeit von Flüssigkeiten auf wachsende Kritik. Jetzt hat Lujendra Ojha vom Georgia Institute of Technology in Atlanta zusammen mit anderen Wissenschaftlern in der jüngsten Ausgabe von „Nature Geoscience“ die Ergebnisse spektroskopischer Messungen des Mars Reconnaissance Orbiter vorgelegt, die in den linearen dunklen Strukturen von vier Kratern zu jenen Jahreszeiten, in denen die Spuren besonders ausgeprägt sind, Magnesium-Perchlorat, Magnesium-Chlorat und Natrium-Perchlorat erkennen lassen. Die Forschergruppe deutet die Salze als Hinweis auf eine saisonale Tätigkeit von Wasser an diesen Stellen.

          In ihrem Beitrag, der als „Letter“ in der Zeitschrift erschienen ist, halten sich die Autoren mit weitreichenden Spekulationen zurück. Sie betonen stattdessen, das Ergebnis liefere neue Ansatzpunkte zum Verständnis eines hydrologischen Kreislaufs auf dem Mars. Dabei gestehen sie ein, dass sie keine Idee haben, wie Wasser die linearen Strukturen erzeugt haben könnte. Dass es in Äquatornähe Schnee gibt, der geschmolzen sei, halten sie für unwahrscheinlich. Fraglich sei auch, ob die Marsatmosphäre genügend Wasserdampf  enthalte, der als Quelle des Nachschubs in Betracht käme. Und im Übrigen bliebe zu klären, wieso die Strukturen nach oben bis zum Kraterrand reichten.

          Im Garni-Krater sind die berüchtigten Streifen mehrere hundert Meter lang.

          Im Hinblick auf primitive Lebensformen weisen die Forscher darauf hin, dass es in einer der trockensten Regionen der Erde, im Zentrum der Atacama-Wüste in Chile, aktive mikrobielle Gemeinschaften nur in Verbindung hygroskopischer Salze gebe, was immerhin den Bedingungen an den vier Fundorten auf dem Mars entspräche. Aber die Aktivität von Wasser in den aus den Daten hergeleiteten Perchlorat-Lösungen auf dem Roten Planeten sei möglicherweise zu gering für solche Lebensformen, wie sie in dieser Wüste studiert worden sind. Es wäre also beim jetzigen Stand der Erkenntnisse zumindest voreilig, die „zerfurchten“ Kraterhänge mit Leben auf dem Mars in Verbindung zu bringen. 

          Ein zweiter blauer Planet? Diese Illustration  zeigt, wie der Mars vor vier Milliarden Jahren ausgesehen  haben könnte. Danach war die Nordhemisphäre des jungen Planet von einem Ozean bedeckt.

              

          Der Nasa-Späher

          Der „Mars Reconnaissance Orbiter“ (MRO) startete am 12. August 2005, am 10. März 2006 erreichte die Raumsonde den Roten Planeten. Ein Ziel der Mission ist, auf dem Roten Planeten nach Hinweisen auf Wasser zu suchen, zudem soll die Oberfläche kartographiert werden. Der beim Start über zwei Tonnen schwere Orbiter kreist dafür mit sechs wissenschaftlichen Instrumenten an Bord in einer Umlaufbahn um den Mars - darunter der bisher höchstauflösendsten Kamera dort. Die Daten des Orbiters werden auch dafür genutzt, günstige Landestellen für andere Marsmissionen auszuwählen.

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