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Boring Company : Elon im Untergrund

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Das Weltall ist nicht genug: Elon Musk bei der Eröffnung des Testtunnels seiner „Boring Company“ im Dezember 2018 in Hawthorne nahe Los Angeles Bild: AFP

Erst hat er die kommerzielle Raumfahrt auf den Kopf gestellt, jetzt will Elon Musk auch noch Straßentunnel bohren. Was genau hat er da wieder vor?

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          Viele Unternehmen haben einen Gründungsmythos. Der von Elon Musks Tunnelfirma beginnt etwa wie der Film „Falling Down“. Darin ist der von Michael Douglas gespielte Protagonist vom Stau in Los Angeles genervt. Er steigt aus dem Auto und beginnt einen Fußmarsch, der in einer Art Amoklauf mündet. An einem Samstag im Dezember 2016, wird erzählt, steckte auch Elon Musk in L.A. im Verkehr. Statt zu Gewalt griff er zu Twitter. „Der Verkehr macht mich verrückt“, schimpfte er. „Ich werde eine Tunnelbohrmaschine bauen und einfach anfangen zu graben.“

          Musk hat ein erfolgreiches Automobilunternehmen aufgebaut. Seine Firma Space X bietet Satellitenstarts günstiger an als die Konkurrenz und hat vorletzte Woche als erstes Privatunternehmen Menschen ins All befördert. Wie könnte die Welt des Tunnelbaus aussehen, nachdem Musk sich ihrer angenommen hat?

          Ein kleines Loch ist billiger als ein großes

          Die Vision seiner nach dem Tweet gegründeten Firma „The Boring Company“ war es, Städte mit Geflechten schmaler Tunnel zu durchziehen. Fahrstühle würden Autos von der Straße in die Röhren befördern, wo sie auf selbstfahrenden Plattformen mit bis zu 200 Kilometer pro Stunde durch den Untergrund jagen. Das kann man in einem drei Jahre alten Werbevideo sehen. Derzeit strebt die Firma eine Variante an, bei der modifizierte Tesla-Modelle selbständig durch die Tunnel fahren. Vor allem geht es darum, die Röhren günstig zu bauen. Im Falle von Space X konnte Musk die Kosten unter anderem mit spektakulärer Technologie wie senkrecht landenden Hauptstufen senken. Im Tunnelbau gibt es kaum Spielräume für solche Stunts. Die technischen Ziele der Boring Company lesen sich daher nüchtern. Doch dahinter verbirgt sich wahre Ingenieurkunst.

          Musk will vergleichsweise schmale Tunnel bauen. „Natürlich ist es – das sage ich mal salopp – teurer, ein großes Loch zu bohren als ein kleines Loch“, sagt Werner Burger, Ingenieur bei Herrenknecht, dem badischen Weltmarktführer für Tunnelbohrmaschinen. Er gibt aber zu bedenken, dass man die Tunnelprofile nicht beliebig verkleinern kann – schließlich muss genug Platz für Fluchtwege und Brandschutz bleiben. Zudem will die Boring Company die Tunnel schnell bohren. Laut Burger schafft eine moderne Maschine heute je nach Baugrund um die 150 Meter pro Woche. Um das zu beschleunigen, schwebt dem Start-up neben einer Verdreifachung der Leistung vor, die Maschinen kontinuierlich arbeiten zu lassen. Das ist eine Aufgabe, an der Ingenieure seit Jahrzehnten tüfteln.

          Eine Leiter aufbauen und sie gleichzeitig hochsteigen

          Im modernen Tunnelbau kommen sogenannte Schildmaschinen zum Einsatz. Ihr Name stammt von einem zylindrischen Schild, der den eigentlichen Bohrer vor dem umliegenden Erdreich schützt. Vorne fräst sich das Schneidrad durch Erde, Sand, Kies und Gestein. Sobald die Maschine ein Stück vorangekommen ist, bleibt sie stehen und verkleidet etwas weiter hinten im Schutze des Schildes die neu entstandene Tunnelwand mit einem Ring aus vorgefertigten Betonschalen. So sichert sie den Tunnel ab. Ist der Ring fertig, stützt sich die Maschine mittels hydraulischer Pressen wie mit Beinen auf dem gerade gebauten Betonring ab und drückt sich weiter nach vorne.

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