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Kosmischer Glücksgriff : Die Besonderheit unserer Sonne

Die Eruptionen unserer Sonne sind vergleichsweise harmlos – und sorgen auf der Erde trotzdem gelegentlich für Ärger. Bild: AP

Momentan gibt es viel Grund für Frustration. Aber: Es könnte alles auch viel schlimmer sein. Dass unsere Sonne so ein ruhiger Stern ist, ist nämlich durchaus ungewöhnlich, wie eine Studie zeigt.

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          In Phasen großer Unzufriedenheit und Frustration, wenn man mit dem aktuellen Stand der Dinge hadert und sich fragt, warum nicht alles hätte anders laufen können, kann es helfen, diesen Gedanken einmal in die entgegengesetzte Richtung weiterzuspinnen – indem man sich vor Augen führt, an welchen Stellen sich alles viel schlimmer hätte entwickeln können. Wenn man es dabei besonders drastisch mag, dann liefert dafür die Astrophysik einen wunderbaren gedanklichen Hintergrund. Unsere Sonne zum Beispiel könnte, statt uns zuverlässig mit lebenswichtiger Energie zu versorgen, genauso gut ein furchtbar aktiver und aufbrausender Stern sein, dessen gewaltige Sonneneruptionen die für uns lebenswichtige Erdatmosphäre in die Weiten des Sonnensystems hinausblasen.

          Dass dieses Szenario nicht einmal unwahrscheinlich ist, zeigt eine neue Studie von Astronomen um Timo Reinhold vom Göttinger Max-Planck-Institut für Sonnensystemforschung in der Zeitschrift „Science“. Um herauszufinden, wie typisch unsere Sonne mit ihrer moderaten Aktivität ist, kombinierten die Wissenschaftler Beobachtungen der Weltraumteleskope Kepler und Gaia. 369 sonnenähnliche Sterne untersuchten sie so auf deren Aktivität, die letztlich auf Instabilitäten des Magnetfelds der Sterne beruht.

          Diese Instabilitäten führen auch zu dunklen Flecken auf der Oberfläche der Sterne – wir kennen das von unserer Sonne. Wenn die Sterne samt Flecken rotieren, zeigt sich die Anzahl der Flecken und damit die Aktivität der Sterne in charakteristischen Helligkeitsschwankungen – die wiederum auch aus großer Ferne beobachtet werden können. Wie die Auswertung offenbarte, sind die meisten der Sterne deutlich aktiver als unsere Sonne, obwohl sie ihr ansonsten sehr ähnlich sind. Mit anderen Worten: Mit unserer ungewöhnlichen Sonne haben wir großes Glück gehabt!

          Die psychologische Technik der negativen Visualisierung, die im Übrigen bereits von den Stoikern praktiziert wurde, hat allerdings auch ihre Risiken. Denn die ganz konsequenten Schwarzmaler werden einwenden, dass die Freude über das bislang ausgebliebene Negativszenario sich nahtlos an die Furcht anschließt, dass dieses Szenario bald eintreten könnte.

          Die Astronomen helfen hier in ihrer Studie nicht wirklich weiter, wenn sie schreiben: „Wir spekulieren, dass die Sonne möglicherweise auch solche Epochen hoher Variabilität durchleben könnte.“ Und so muss man von der Psychologie doch wieder in die Statistik zurückkehren und sich vergegenwärtigen, dass sich solare Entwicklungen auf Zeitskalen von vielen, vielen Jahrtausenden abspielen und wir schon wirklich sehr großes Pech haben müssten, wenn die Sonne ihre lebensfreundlichen Eigenschaften gerade jetzt verlöre.

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