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Arbeitspsychologie : Das Risiko von zu viel Freizeit

Zu viel Freizeit ist auch nicht gut – ratsam ist es aber, sie zumindest für soziale Aktivitäten zu nutzen. Bild: dpa

Fast alle wünschen sich mehr freie Zeit. Aber würde das wirklich zu mehr Zufriedenheit führen? Eine neue Studie ist der Frage anhand von umfangreichen Umfragen nachgegangen.

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          Zurück aus den Ferien, zurück im Büro. Sommer vorbei, rein in den arbeitsreichen Herbst. Die eben noch frischen Urlaubsgefühle verblassen in kürzester Zeit, Gespräche in den Kaffeeküchen drehen sich um die Frage, warum nun gerade die Urlaubszeit immer so irre schnell vergeht.

          Doch Vorsicht: Der Wunsch nach mehr Freizeit ist durchaus mit Risiken verbunden, das haben amerikanische Wissenschaftler nun im Journal of Personality and Social Psychology nahegelegt. Denn würde es Menschen wirklich besser gehen, wenn sie mehr Zeit zur freien Verfügung hätten? Könnte es nicht eher sein, dass schnelle Gewöhnung ihnen die Freude daran bald verdürbe, sie ihre Freiheit nicht mehr zu schätzen wüssten? Ist nicht im Gegenteil auch die Arbeit als Zeichen von Kompetenz, Ehrgeiz und Begehrtheit ein steter Quell von Wohlbefinden, dessen längerer Wegfall gar eine Abnahme von Glück und Zufriedenheit nach sich ziehen würde?

          Die Forscher gingen diesen Fragen anhand von Umfragen nach, in denen Freizeitaktivitäten und deren Dauer genauso erhoben wurden wie der Grad der Zufriedenheit der mehr als 20.000 Befragten. Was sie fanden, war tatsächlich eine umgedrehte U-Beziehung: Zunächst wuchs die Zufriedenheit mit zunehmender Freizeitdauer. Doch ab einem bestimmten Punkt drehte sich die Richtung, und mehr Freizeit verringerte das Wohlbefinden. Ideal seien demnach zwei bis fünf Stunden Freizeit pro Tag, alles andere dagegen zu viel oder zu wenig, so die Forscher.

          Dieses Ergebnis zeigte sich sowohl bei der arbeitenden als auch bei der nicht arbeitenden Bevölkerung und blieb auch dann bestehen, wenn die potentiell mit ihrer Freizeit hadernden Rentner aus der Teilnehmergruppe entfernt wurden. „Mehr Zeit zu haben ist keine Garantie für größere Zufriedenheit“, warnen die Autoren.

          Wer nun aber mehr als die maximal empfohlenen fünf Freizeitstunden zu füllen hat, muss trotzdem nicht in Panik verfallen. In einer weiteren Teilstudie betrachteten die Forscher den psychologischen Effekt verschiedener Typen von Freizeitaktivitäten. Ihr Ergebnis: Wer seine freie Zeit für soziale Aktivitäten und produktive Hobbys nutzt, statt einfach rumzuhängen, der kann auch mit mehr Freizeit glücklich werden. Für längeren Urlaub würden wir das wohl durchaus auf uns nehmen — trotz aller Risiken.

          Sibylle Anderl
          Redakteurin im Feuilleton.

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