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Warum ausgerechnet ich? : Die tauben Gene gegen Grippe

  • -Aktualisiert am

Hatschi: 25 Millionen Deutsche greifen pro Jahr zum Papiertaschentuch. Bild: dpa

Sind manche Menschen anfälliger für Grippe und andere Erreger? Eine neue Studie an Zwillingspaaren zeigt: Das Milieu ist wohl generell wichtiger als die Gene. Völlig klar ist die Sache beim Alter.

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          Der eine bekommt in der Erkältungssaison einen Schnupfen nach dem nächsten, der andere scheint weitgehend dagegen immun, und warum erwischt andere die Grippe und mich nicht? Liegt es an den Genen, oder spielen vielleicht auch Umwelteinflüsse eine entscheidende Rolle? Über so etwas wie Grippe-Persönlichkeiten wird immer wieder spekuliert.

          Tatsächlich gibt es Infektionskrankheiten, für die eindeutige genetische Anfälligkeiten vorliegen. Genauso wie es solche Gene gibt, die eindeutig vor der Ansteckung oder der Vermehrung der Erreger im Körper schützen.  Doch offenbar gilt grundsätzlich: Wenn es um Krankheitserreger und unsere Immunreaktion nach entsprechenden Attacken geht, haben Umweltfaktoren offenbar einen weit größeren Einfluss auf das menschliche Immunsystem, als man bisher dachte. Zu diesem Schluss kommt ein internationales Forscherteam in „Cell“ nach der umfassenden Analyse von 105 gesunden Zwillingspaaren im Alter zwischen acht und 82 Jahren – davon 78 eineiige und 27 zweieiige Zwillingspaare.

          Die Methode, für solche Studien Zwillinge zu untersuchen, ist so alt wie naheliegend. Sie bietet die beste Möglichkeit, störende Faktoren auszuschließen und vererbte von äußeren Einflüssen abgrenzen zu können. Während eineiige Zwillinge fast zu 100 Prozent genetisch identisch sind, teilen sich zweieiige Zwillinge nicht mehr als durchschnittlich etwa 50 Prozent ihrer Gene. Und doch teilen sie sich alle Mutterleib und Umfeld in ihrer Kindheit.
          Für ihre Studie untersuchten die Forscher 204 Parameter in deren Blutproben – verschiedenste Immunzellen und Dutzende von Proteinen wie Antikörper und Botenstoffe. Das Ergebnis: 77 Prozent dieser für unser Abwehrsystem wichtigen Faktoren werden von äußeren Einflüssen dominiert und fast 58 Prozent vollständig davon bestimmt - statistisch gesehen jedenfalls. Im Einzelfall können genetische Faktoren durchaus dominieren.

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          Zusätzlich konnte in den Untersuchungen der Zwillinge gezeigt werden, dass die Umwelteinflüsse mit zunehmendem Alter noch wichtiger werden, wenn sich etwa Wohn- und Lebensumfeld der Probanden voneinander entfernt hatten. Insbesondere die Abwehrreaktion auf Grippeviren unterschied sich deutlich mit fortschreitendem Alter. Im Hinblick auf diese schwere Infektionskrankheit konnte praktisch kein Einfluss genetischer Faktoren festgestellt werden. Für ältere Menschen ist die immunologische Unterstützung von außen, das Impfen, deswegen auch oft so hilfreich.

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