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Woher kommt der Mensch? (5) : Vorsprung durch Kunst

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Die besten Belege für frühe figürliche Darstellungen kommen aus Europa und speziell aus den Höhlen Südwestdeutschlands. Sie deuten nachdrücklich darauf hin, dass sich die älteste regelhafte Herstellung figürlicher Kunst im Zusammenhang mit der Ausbreitung moderner Menschen über Europa entwickelte und damit in jener Zeit, in der unsere Art Homo sapiens die Neandertaler ersetzte.

Mammut aus Elfenbein

Während die schwäbischen Höhlen wichtige Informationen zu zahlreichen Formen der Technologie, Subsistenz und materiellen Kultur geliefert haben, stammen aus diesen Fundstellen nur sehr wenige Skelettreste von mittelpaläolithischen Neandertalern und jungpaläolithischen modernen Menschen. Der Oberschenkelknochen aus einer Schicht der Neandertaler des Hohlenstein-Stadels ist der einzige Knochen eines Neandertalers aus der Region, und von frühen modernen Menschen sind hier lediglich vereinzelte Fragmente von Knochen und Zähnen bekannt. Dies steht in deutlichem Gegensatz zu der Situation in anderen Regionen Europas und des Nahen Ostens, in welchen Gräber und Fossilfunde von Neandertalern und modernen Menschen vergleichsweise zahlreich vorkommen. Dieser Mangel an menschlichen Skelettfunden hat zur Folge, dass wir die Bewohner der Fundstellen lediglich aufgrund der Artefakte beurteilen können, welche sie in den Fundschichten der schwäbischen Höhlen zurückgelassen haben. Berücksichtigt man Beobachtungen aus ganz Europa, so kann man schlussfolgern, dass alle mittelpaläolithischen Artefakte von Neandertalern hergestellt und verwendet wurden und dass moderne Menschen für die Artefakte aus der darauffolgenden Gruppe des sogenannten Aurignaciens verantwortlich sind. Die ersten modernen Menschen der Schwäbischen Alb und des oberen Donauraums datieren auf zwischen 42 000 und 43 000 Jahre vor heute.

Übergangsindustrien in Europa

Noch interessanter ist die Tatsache, dass zahlreiche Ausgrabungen an Fundstellen wie Vogelherd, Sirgenstein, Geißenklösterle und Hohle Fels keinerlei Hinweise auf Begegnungen und Wechselbeziehungen zwischen Neandertalern und modernen Menschen erbracht haben. Südwestdeutschland ist einzigartig in seiner archäologischen Überlieferung, die einen radikalen Wechsel zwischen den von Neandertalern hergestellten mittelpaläolithischen Artefakten und den auf moderne Menschen zurückgehenden Funden des Aurignaciens bezeugt. In vielen Teilen Europas scheinen mannigfaltige sogenannte Übergangsindustrien eine Periode der Änderung von den Kulturen des Mittelpaläolithikums zum Jungpaläolithikum und einen Wechsel von archaischen Neandertalern zu modernen Menschen zu markieren. In Schwaben ist dies nicht der Fall, und das Aurignacien beginnt früh sowie in voll entwickelter Form nach einer offensichtlichen Periode der Entvölkerung beziehungsweise nach einer Besiedlungslücke.

Diese verlässliche Beobachtung ist nur schwer mit klimatischen oder sonstigen Argumenten zu erklären, und dennoch scheint es, dass moderne Menschen vor etwa 42 000 Jahren im Oberen Donautal ankamen und das mit sich führten, was wir als die charakteristische materielle Kultur des schwäbischen Aurignaciens ansehen. Von Anfang an stellten die Menschen des Aurignaciens aus Mammutelfenbein geschnitzte figürliche Kunst, Musikinstrumente und Schmuckobjekte sowie zahlreiche weitere Neuerungen her, die innerhalb der langen Geschichte der Neandertaler im westlichen Eurasien unbekannt waren.

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