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Psychoanalyse : Spielraum für die Seele

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Die Verhaltenstherapie findet als gesundheitspolitischer Gegenspieler der Psychoanalyse derzeit eine größere Aufmerksamkeit. Sie nimmt jedoch viele originär psychoanalytische Erkenntnisse in ihre Theorie und Praxis auf. So geht die Schematherapie als eine derzeit populäre Version der kognitiven Verhaltenstherapie davon aus, dass (früh)kindliche Erfahrungen das spätere Verhalten bestimmen. Es gelte, wie dies Freud vor über hundert Jahren forderte, die pathologischen Schemata bewusstzumachen und zu korrigieren. Bei der Behandlung von krankmachenden Beziehungserfahrungen messen die modernen Entwicklungen der Verhaltenstherapien der Beziehung der Patienten zur ihren Therapeutinnen und Therapeuten eine besondere Rolle zu. Die Psychoanalyse nennt dies seit über hundert Jahren „Übertragung“ und „Gegenübertragung“ und hat eine differenzierte Technik entwickelt, wie man die Analyse der therapeutischen Beziehung produktiv nutzen kann. Andererseits nähern sich moderne Psychoanalytiker auch der Verhaltenstherapie. Sie sehen kein Problem darin, aktiv schädliche Denkmuster und Verhaltensweisen zu hinterfragen und im Rahmen einer psychoanalytischen Behandlung ihre Patienten verhaltensorientiert zu beraten. Ein körperlich bewegter, sozial engagierter und kulturell aktiver Lebensstil ist auch ein Ziel der Psychoanalyse.

Ist Intimität etwa antiquiert?

Intimität scheint angesichts der medialen Durchdringung sämtlicher Lebensbereiche, auch der sexuellen, ein antiquierter Begriff zu sein. Psychoanalytisch wissen wir jedoch, dass der Verlust von Intimität durch Reizüberflutung die Integrität unserer körperlichen und psychischen Struktur empfindlich stören kann. Die Vorstellung, dass körpernahe Affekte, Gefühle und die damit einhergehenden Vorstellungen zusammenstimmen müssen, ist auch neurobiologisch plausibel. Neuronale Synchronizität, Konnektivität und Kohärenz sind für körperliche und psychische Gesundheit unerlässlich. Von hier aus lässt sich eine Brücke zu den Sozial- und Kulturwissenschaften schlagen: Wir benötigen kohärente Narrative, um vernünftig handeln zu können. Armut, Gewalt und Drogenmissbrauch, aber auch subtilere Formen der (früh)kindlichen Vernachlässigung, beinträchtigen die Entwicklung eines kohärenten Körper-, Selbst- und Sozialgefühls.

Reizüberflutung bringt viele Menschen heute an die Belastungsgrenze.

Hier greift die Psychoanalyse an, indem sie in der Intimität des Gesprächs sprachlose Gefühle und diffuse Vorstellungen, die meist mit schädlichen Beziehungserfahrungen verbunden sind, „mentalisiert“. Sie kann sich auch hier auf die moderne Neurobiologie stützen, die gezeigt hat, dass unser Gehirn Emotionen und Kognitionen funktional verbinden muss, um psychische Stabilität zu gewährleisten. So arbeiten die Zentren zur Regulation von unbewussten Affekten, die im limbischen System und den Mandelkernen repräsentiert sind, zusammen mit Erinnerungssystemen, die vorwiegend im Hippokampus lokalisiert sind, und mit den höheren Funktionen, etwa ethischen Werthaltungen, die im präfrontalen Kortex vermittelt werden. Dies ist durchaus kompatibel mit Freuds Strukturmodell von Es, Ich und Über-Ich.

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