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Kampagne gegen Goldgräber : Urvölker in Covid-19-Not lehnen sich auf

Die achtjährige Iasmin der indigenen Gruppe der Sateré Mawé trägt einen mit Tieren bemalten Mundschutz. Bild: dpa

Überlebenskampf mit Kampagne: Die vom Coronavirus bedrohten Indigenen im Amazonasgebiet wollen nicht länger hinnehmen, dass illegale Goldgräber Land nehmen und den Erreger in die Dörfer bringen.

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          Der Überlebenskampf der indigenen Völker im Amazonasregenwald spitzt sich zu. Ein Grund ist die Ausbreitung der Covid-19-Seuche in ihre Dörfer, der andere ist die in dieser Situation immer bedrohlichere Nähe zu illegalen Goldgräbern, die durch das Stillhalten der brasilianischen Regierung die Territorien der Indigenen offenbar immer ungenierter in Anspruch nehmen und zugleich damit zu einer Infektionsquelle der angestammten Waldbewohner werden.

          Joachim Müller-Jung
          Redakteur im Feuilleton, zuständig für das Ressort „Natur und Wissenschaft“.

          Die Yanomani und Ye'kwana haben deshalb eine Kampagne #MinersOutCovidOut gestartet, mit der sie von der brasilianischen Regierung „vehement fordern“, die geschätzt 20.000 illegalen Goldgräber abzuschieben.

          Im Amazonasgebiet leben gut 420 verschiedene indigene Völker, die mindestens 86 Sprachen und 650 Dialekte sprechen. Drei Millionen Menschen sind das, die geschätzt neun Prozent der Bevölkerung in der südamerikanischen Region ausmachen und im vergangenen Jahr erstmals auf einem Klimagipfel als entscheidender Faktor für den Schutz des Regenwaldes anerkannt wurden. 60 Stämme leben nahezu isoliert in den Wäldern, doch vor Covid-19 geschützt sind sie damit keineswegs.

          Ein Yanomani vor einer illegalen Goldgräbder-Mine. Das Volk der Yanomani hat etwa 27.000 Mitglieder.
          Ein Yanomani vor einer illegalen Goldgräbder-Mine. Das Volk der Yanomani hat etwa 27.000 Mitglieder. : Bild: Bruno Kelly

          „Xawara“ ist das Wort der Yanomami für eingeschleppte Krankheiten. Die neben ihnen lebenden Ye’kwana mit ihren 27000 Menschen sind über eines der größten indigenen Schutzgebiete Brasiliens verteilt, das sich von Roraima bis zu den Amazonasstaaten erstreckt und die Grenze zu Venezuela überspannt. Die gesamte Region wird von Abholzungen und immer stärker auch von illegalen Goldgräbern bedroht, die das Sars-CoV-2 in die Wälder einschleppen. 40 Prozent der Yanomani-Gemeinden sind so von benachbarten Goldgräbern unmittelbar bedroht. Insgesamt sind laut der Koalition der Indigenen Völker Brasiliens (APIB) 260 Indigene an Covid-19 gestorben. Die Sterblichkeitsrate ist doppelt so hoch wie die der übrigen Bevölkerung Brasiliens. Die Krankheit hat vier Yanomami getötet, zudem gibt es 95 weitere bestätigte Fälle bei den Yanomami und Ye’kwana.

          Mit der vor wenigen Tagen gestarteten Kampagne #MinersOutCovidOut wollen die beiden indigenen Völker die brasilianische Regierung drängen, die illegalen Goldgräber auszuweisen. „Wir werden kämpfen und Widerstand leisten. Aber wir brauchen die Unterstützung des brasilianischen Volkes und der Menschen in aller Welt“, so Dario, Sohn von Davi Kopenawa, einem der bekanntesten Schamanen im Amazonasgebiet.

          In den meisten Gemeinden Amazoniens gibt es keine Lungenbeatmungsgeräte. Die durchschnittliche Entfernung zwischen indigenen Dörfern und der nächstgelegenen Intensivstation (ICU) in Brasilien beträgt 315 Kilometer. Und für 10 Prozent der Dörfer liegt diese Entfernung bei siebenhundert bis tausend Kilometern. Die Yanomami würden fast drei Stunden mit dem Flugzeug nach Boa Vista reisen müssen, wenn sie eine Intensivstation mit einem Beatmungsgerät benötigen.

           Neurilene Cruz ist eine Krankenschwester, die zum Volk der Kambeba gehört. Sie versorgt Covid-19-Patienten in einer Station am Ufer des Rio Negro.
          Neurilene Cruz ist eine Krankenschwester, die zum Volk der Kambeba gehört. Sie versorgt Covid-19-Patienten in einer Station am Ufer des Rio Negro. : Bild: Reuters

          Es gibt keine Land- oder Flussverbindungen zwischen dem Dorf und der Hauptstadt Roraima. Die Gesundheitsposten, die die Yanomami versorgen, schneiden in ganz Brasilien am schlechtesten ab, da sie die geringste Verfügbarkeit von Betten und Beatmungsgeräten haben. In dem vorliegenden Fall, in dem Bergarbeiter in ihr Gebiet eindringen, schneiden die Gesundheitsposten am schlimmsten ab.

          Die Studie untersuchte eine Reihe kritischer Gesundheitseinrichtungen in dem Gebiet und schätzte ab, wie die Übertragung der Krankheit an diesen Orten erfolgen könnte. In Surucucu beispielsweise besuchte ein Vertreter des Bezirksrats für indigene Gesundheit (Condisi), der positiv auf Covid-19 getestet wurde, das von der Gesundheitseinheit abgedeckte Gebiet. Im schlimmsten Fall, bei Annahme der intensivsten Übertragung, könnte dieser einzige Fall in der Region nach 120 Tagen zu 962 neuen Fällen führen.  Wenn nichts unternommen würde, würde dies bedeuten, dass 39 Prozent der Bevölkerung, die von der Gesundheitsstation versorgt wird, infiziert wären. Wenn die Sterblichkeitsrate doppelt so hoch ist wie in der nicht-indigenen Bevölkerung, würde es zwischen 35 und 153 Todesfälle geben, wenn man die Raten in den Bundesstaaten Roraima beziehungsweise  Amazonas heranzieht.  

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