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Untersuchung von „Monster“-DNA : Der Yeti ist ein Bär

  • -Aktualisiert am

Und es gibt ihn doch nicht Bild: dpa

Kryptozoologen suchen seit Jahrzehnten nach dem Yeti und verwandten Monstern wie „Bigfoot“. Jetzt haben sie das Erbgut aus angeblichen Fellproben analysiert - und winken ab: Es gibt ihn doch nicht, den Yeti.

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          Haarbüschel, Blut- und Kotspuren, körnige Fotos und sogar unscharfe Filmsequenzen - in den vergangenen Jahrzehnten haben Bergsteiger, Jäger, Abenteurer und Einsiedler einiges in Museen abgeliefert, was dazu dienen sollte, die Existenz von ungewöhnlich großen, zottigen und primatenähnlichen Tieren zu belegen. „Yeti“ nennt man eine dieser Kreaturen, die im Himalaya leben soll, wo 1951 riesige  Fußspuren gesichtet worden waren, die man keinem bekannten Tier zuordnen konnte. In Nordamerika fanden sich Hinweise auf ähnliche große „anomale Primaten“, die unter dem Namen „Bigfoot“ und „Sasquatch“ bekannt wurden, im Kaukasus etwa soll ein riesiges Wesen leben, das den Namen „Almasty“ erhielt.

          Dreißig der bislang gesammelten Haarproben, die sich in Museen und in Privatbesitz befinden, wurden jetzt von einer Arbeitsgruppe um den britischen Humangenetiker Bryan Sykes von der Universität Oxford in den „Proceedings of the Royal Society B“ untersucht (doi:10.1098/rspb.2014.0161). Neben Yeti, Bigfoot und Almasty war auch ein Fund aus Sumatra dabei. Der Fellfetzen wird einem rätselhaften Primaten zugeordnet, der Orang Pendek getauft wurde. Die ältesten Proben waren mehr als fünfzig Jahre alt.

          Nur bekannte Arten

          Als die Wissenschaftler das Erbgut aus den Proben analysierten, begegneten ihnen nur bekannte Tiere: Die Haarbüschel stammten von Eis-, Braun- oder Schwarzbären, Pferd, Kuh, Waschbär, Tapir, Schaf, Hirsch, Wolf (eventuell auch Hund oder Koyote), vom nordamerikanischen Baumstachelschwein und von einer Antilopenart aus Sumatra; eine Probe stammte sogar vom Menschen.

          Nur bei den beiden Proben Nummer 25025 und Nummer 25191 war der Fall nicht ganz so klar. Hier fanden sich Sequenzen, die hundertprozentig dem Erbgut einer Eisbärenart aus dem Pleistozän glichen, also einem Tier, das vor 40.000 Jahren lebte. Die eine Probe stammte aus Indien und war von einem Jäger abgeliefert worden, der einen Bären beobachtet hatte, der sich ungewöhnlich aggressiv verhielt. Die zweite Probe war aus Bhutan, wo man den Yeti „Migyhur“ nennt. Die hellbraunen Haare sollten aus einem Migyhur-Nest stammen. Sykes und seine Kollegen haben auch eine Erklärung für diese Funde: Möglicherweise handele es sich um Nachkommen von Kreuzungen aus Eis- und Braunbären, die früher in der Entwicklungsgeschichte beider Arten gezeugt wurden, also vor Zehntausenden von Jahren. Falls diese Bären im Himalaya verbreitet seien, könnten sie durchaus die Legende vom Yeti genährt haben, vor allem, weil ihr Verhalten offenbar aggressiver und angsteinflößender sei als das bekannter Bären.

          Endlich ernstgenommen?

          Die Forscher und Amateure, die sich bisher mit den mythischen Monsterfiguren wie Yeti und Bigfoot befasst haben, fühlten sich bisher von anderen Wissenschaftlern ausgeschlossen und nicht ernstgenommen, schreiben die Forscher um Sykes. Auch, um diesen Konflikt aufzulösen, starteten sie die systematische Erbgutuntersuchung. „Kryptozoologie“ nennt sich die Forschungsrichtung, in der es darum geht, der Existenz mysteriöser und bislang in keinem Klassifikationssystem erfasster Tiere auf die Spur zu kommen.

          Der Eifer der Kryptozoologen erschien bisweilen anderen Wissenschaftlern selbst derart rätselhaft, dass es über dieses Thema schon eigene Studien gibt: „Die Monsterjäger sind selbst faszinierende Forschungsobjekte“, schrieb etwa der amerikanische Historiker Brian Regal im Jahr 2008 im Fachmagazin „Endeavour“. Die Gruppe selbst näher zu untersuchen, veranschauliche die zwischen Amateur-Naturforschern und professionellen Wissenschaftlern herrschenden Spannungen, so Regal. Die Kryptozoologen vertraten bisher unter anderem die These, dass möglicherweise noch heute lebende Neandertaler hinter den Begegnungen mit den ungewöhnlichen, aufrecht gehenden Säugetieren stünden.

          Sykes und seine Kollegen sind allerdings nicht die ersten Wissenschaftler, die das Erbgut angeblicher Monster untersuchten und damit die Theorien von Kryptozoologen hinterfragten. Schon in den Jahren 2004 und 2005 hat es zwei Studien gegeben, die sich der Haarproben von Yeti und Sasquatch angenommen hatten. Die beteiligten Forscher fanden damals heraus, dass es sich mit großer Wahrscheinlichkeit um Fell von Huftieren handelte. Also hätte Kapitän Haddock recht, der eine ähnliche Vermutung in der Geschichte „Tim in Tibet“ äußerte, schreibt die Gruppe um Brian Sykes jetzt. Den Hinweis auf den Comicband des Zeichners Hergé nahmen die Forscher aus Oxford dann sogar - wohl mit einem Augenzwinkern - in die kurze Literaturliste am Ende ihrer Studie auf.

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