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Unterschriftenliste gegen Biogefahren : „Diese Viren sind gefährlich für die Menschheit“

Diese „Gain-of-Function“-Experimente hatte der italienische Virologe Palu in seinem Brief an die EU-Kommission als „ein versuch bezeichnet, das was die Natur ohnehin schon selektiert, zu reproduzieren“ und damit Prognosen über das Infektionsrisiko mit den Vogelgrippeviren zu ermöglichen und die Impfstoff- beziehungsweise Medikamentenherstellung zu beschleunigen. Nichts davon stimmt, ist das Fazit der 56 Unterzeichner in dem Gegenmanifest. „Die Natur hat bisher keineswegs solche Viren selektiert„, und die von Fouchier verwendete Labortechnik der “gerichteten Evolution“, die eine beschleunigte Erzeugung neuer Virenvarianten  ermöglicht, „existiert erst recht nicht in der Natur“. Wie sich die Viren in der Natur weiter entwickelten, sei durch Laborexperimente nicht vorauszusehen, die eintretenden Mutationen könnten zudem auch so völlig anders aussehen, dass es auch fraglich sein, ob man Informationen für die Medikamentenherstellung gewinnen könnte. Wenn man etwas aus 25 Jahren HIV-Forschung gelernt habe, dann vor allem das, dass die einzige Chance, etwas über die Wirksamkeit von Medikamenten an einem Pandemie-Virus zu erfahren, klinische Untersuchungen sind. Das allerdings ist erst nach Ausbruch einer Epidemie möglich. „Wenn H5N1 jemals pandemisch wird, ist das einzige, was wir hoffen können, dass die Viren auf einige der existierenden antiviralen Medikamente ansprechen. Es wird mehrere Jahre dauern, bis ein neues Medikament auf dem Markt ist.“

Sicherheit hat oberste Priorität: Forscher im Hochsicherheitslabor. Aber wie sicher ist sicher?
Sicherheit hat oberste Priorität: Forscher im Hochsicherheitslabor. Aber wie sicher ist sicher? : Bild: AP

Genauso rabiat qualifizieren die Unterzeichner die Behauptung ab, die Impfstoffentwicklung könnte von den „Diese Gain-of-Function-Experimente haben bisher nichts zur Entwicklung von neuen Impfstoffen und prophylaktischen Maßnahmen beigetragen.“ Und nicht nur das, die Wissenschaftler unterstellen den Kollegen, vorsätzlich die möglichen Gefahren auszuklammern oder zu unterdrücken. „Die Experimente von Fouchier et al sind deshalb bemerkenswert, weil dahinter gerade die Absicht steht, für die Menschheit gefährliche Erreger zu erzeugen.“ Wer vorgibt, die Maßnahmen von Hochsicherheitslaboren als absolut sicher einzustufen, belügt sich und andere. „Es gibt so etwas wie ein Null-Risiko nicht“, heißt es in dem Manifest zur Unterschriftenliste. Vielmehr sei in letzter Zeit eine „alarmierende Zunahme“ von Laborunfällen und unbeabsichtigten Zwischenfällen  bekannt geworden, die eine Freisetzung von hochpathogenen Erregern denkbar erscheinen lassen. In Europa werden diese Zwischenfälle offenbar nicht gesondert registriert. Aus den Vereinigten Staaten jedoch sind den Autoren  zufolge den Centers for Disease Control and Prevention (CDC)  zwischen 2003 und 2009 396 „potentielle Freisetzungen aus Hochsicherheitslaboren“ bekannt geworden. In Asien waren  Infektionen mit Sars-Viren  auf die Verschleppung von Laborerregern zurück zu verfolgen. „Unfälle passieren - selbst in Hochsicherheitslabors“, heißt es in dem Brief.

Die Unterzeichner fordern deshalb so schnell wie möglich eine Initiative von der Politik, insbesondere von der Europäischen Kommission: ein Fachsymposion mit Experten und Politikern, das offen tagt und im Internet übertragen wird, sowie endlich auch die lange schon geforderte unabhängige Risikoabschätzung der Genexperimente mit Viren. „Wir haben es hier mit menschengemachten Viren zu tun, und deshalb stellen sich Fragen wie etwa die Haftung für solche Experimente, jenseits natürlich vorkommender Epidemien ganz neu.“ Reaktionen aus Brüssel gibt es bisher nicht.

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