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Unterschriftenliste gegen Biogefahren : „Diese Viren sind gefährlich für die Menschheit“

Die Europäische Virologen-Gesellschaft sieht die „Forschungsfreiheit und das Recht auf freie Publikation“ in Gefahr und fordert daher die Gründung einer dem amerikanischen Biosicherheitsrat ähnlichen Institution. Leicht gesagt, denn eben dieser Biosicherheitsrat ist in den Vereinigten Staaten der Garant dafür,  dass „Dual-Use“-Experimente in den Vereinigten Staaten sogar finanziell großzügig gefördert werden können.

Bevor es allerdings dazu auch in Europa kommt und möglicherweise ein Technokraten-Gremium über die Zulässigkeit von potentiell gefährlichen Laborexperimenten entscheidet, wird noch viel zu diskutieren sein. Die Unterschriftenliste der 56 Wissenschaftler gegen den Brief der Virologen-Gesellschaft jedenfalls liest sich wie eine knallharte Maßregelung. In dem Brief seien „schlicht falsche“ und “irreführende“ Behauptungen aufgestellt. Urheber der Unterschriftenliste ist die in Amerika beheimatete Stiftung für Impfstoffforschung, Foundation for Vaccine Research, die sich vor allem in der Malaria- Aids- und Tuberkuloseforschung engagiert. Zu den Unterzeichnern zählen Forscher aus aller Welt,  darunter auch der deutsche Nobelpreisträger und Krebsvirenentdecker Harald zur Hausen vom Deutschen Krebsforschungszentrum, Kai Simons vom Max-Planck-Institut für molekulare Zellbiologie und Genetik in Dresden und die Biosicherheitsexpertin Kathryn Nixdorff von der Technischen Universität Darmstadt.

Schema des Influenza-A-Virus, zu denen der aggressive Vogelgrippe-Virus des Subtyps H5N1 gehört
Schema des Influenza-A-Virus, zu denen der aggressive Vogelgrippe-Virus des Subtyps H5N1 gehört : Bild: dpa

Ihre Kritik richtet sich nicht gegen die Beschwerde der Virologen-Fachgesellschaft an den strikten EU-Exportregelauslegung, sondern offensichtlich vor allem gegen die Laissez-faire-Philosophie der Virologen. Sie entlarvt die interessengeleitete Politik der Fachgesellschaft. „Gain-of Function“-Experimente, wie sie Fouchier und Kawaoka vorgenommen hätten, seien anders als die Virologen behaupten, keineswegs ein bloßes Nachahmen der Natur im Labor. Die Forscher veränderten das Erbgut der Viren künstlich so, dass die Erreger neue Eigenschaften annehmen. In dem Fall Fouchiers und Kawaokas ging es darum, dass man die Vogelgrippeviren H5N1, die  in sechzig Prozent der Infektionen beim Menschen tödlich verlaufen, ansteckender macht. Bisher nämlich sind in der Natur keine Virenvarianten aufgetreten, die sich so leicht von Mensch zu Mensch übertragen wie das etwa bei Vögeln möglich ist. Es gibt eine biologische Schranke. Und diese Grenze haben die beiden Forschergruppen um Fouchier und Kawaoka an Experimenten mit Frettchen im Hochsicherheitslabor überwunden, indem sie ganz gezielt und systematisch versucht haben, Mutationen ins Virengenom einzuführen, die das Ansteckungsrisiko erhöhen.

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