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Umweltgifte im Irak : Die Kinder der Feuergruben

Bleianreicherungen in den Milchzähnen irakischer Kinder.

Nach Angaben des amerikanischen General Accounting Office sollen die Soldaten allein zwischen 2002 und 2005 sechs Millarden Kugeln verschossen haben.  Mozhgans Gruppe analysiert die Böden, sucht Kliniken auf und lässt die Gewebe- und Blutproben ganzer Familien untersuchen. Ihr Augenmerk liegt dabei auf die Städte, in deren Nähe die amerikanischen Streitkräfte zwischen 2003 und 2010 offene Feuergruben betrieben. In diesen Gruben, manche so groß wie ein Fußballfeld, hat die Armee altes und nicht gebrauchtes Munitions- und Kriegsmaterial, Batterien, Styropor, Asbestreste, Gummi und Plastikteile quasi wie auf wilden Verbrennungsdeponien  verbrannt. Die Emissionen aus diesen sogenannten „Burn-Pits“ sollen ein Gemisch an Giftstoffen enthalten haben, so Mozhgan , “das sich im Körper anreichert und in seiner Kombination offenbar vor allem während der Entwicklung des Gehirns im Mutterleib schlimme Folgen hat.“

Den offiziellen Zahlen zufolge wurden in den neunziger Jahren beispielsweise in Basra im Schnitt 1,37 Missbildungen bei Neugeborenen pro eintausend Geburten registriert, im Jahr 2009 waren es 48 pro tausend.  In ihrer neuesten Veröffentlichung  über die Untersuchungen in Hawija hat sie die Metallbelastung von etwas mehr als einem Dutzend Kindern aus dem Kriegsgebiet mit den Belastungen von Kindern an der iranischen Grenze verglichen. Die Familiengeschichten wurden nach recherchiert. Ergebnis: Neben Blei, Cadmium und Arsen, das in den Haaren der Kinder mit neurodegenerativen Störungen in erhöhten Konzentrationen gefunden wurden, seien vor allem zwei Werte aufgefallen: die für Magnesium und Titan. Die Konzentrationen beider Metalle sei doppelt so hoch wie in den Haarproben der gesunden Kinder. Titan und Magnesium war zudem in anderen Untersuchungen vermehrt in den Lungen amerikanischer Soldaten festgestellt worden. Die beiden Metalle sind charakteristische Bestandteile von Munitionsmaterial.

Titanreste in kranken Kindern

Allerdings ist Titan - auch in der Form winziger Nanopartikel - seit langem auch Bestandteil zahlreicher Konsumartikel weltweit, angefangen in Sonnenschutzmitteln. Eine Toxizität ist auch im Hinblick auf Entwicklungsstörungen beim Menschen nicht nachgewiesen, selbst der seit einiger Zeit bestehende Verdacht, Titandioxid könnte Krebs auslösen, ist bisher nicht klar und ausreichend belegt worden. Mozhgan hält Schäden an den Nervenzellen in kritischen Entwicklungsphasen des Fötus nach einigen neueren Einzelstudien zwar für plausibel, aber einen eindeutigen kausalen Zusammenhang konnten auch die Mediziner in ihrer Arbeitsgruppe nicht überzeugend belegen. „Es ist die Kombination unterschiedlicher giftiger Verbindungen, die solche Schäden hervorruft“, ist Mozhgan überzeugt. Was nicht direkt über den Qualm eingeatmet wurde, gelange immer noch über die bei Sandstürmen eingeatmeten oder über Nahrungsmittel aufgenommenen Partikeln in die Körper.

Im Jahr 2010 hat die amerikanische Administration in Washington per Erlass dafür gesorgt, dass die offenen Feuergruben in Stadtrandgebieten - es sollen nach älteren NBC-Recherchen mehr als zehntausend im Irak und in Afghansiatan gewesen sein - nicht mehr betrieben werden dürfen. Mozhgan will allerdings während ihrer jüngsten Reisen durchs Land beobachtet haben, dass immer noch Kriegsabfälle und Armeemüll in illegalen Feuergrupen beseitigt werden.

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