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Umstrittene Methode : Klonen menschlicher Zellen bald Routine?

Der Klon-Embryo: In der Blastocyste sind Zellen mit dem (grün fluoreszierenden) Genom der 32jährigen Diabetes-Patientin enthalten. Bild: Dieter Egli

Viele Jahre nach dem großen Ethikstreit ist es soweit: Das Klonen menschlicher Zellen zu Therapiezwecken macht enorme Fortschritte. In Amerika ist dies bei einer 32jährigen Diabetes-Patientin gelungen. Geheilt ist sie aber noch nicht.

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          Bis zum vergangenen Jahr war alles graue Theorie oder böse Vorahnung, je nach Standpunkt . Jetzt könnte es fast schon zur Routine werden: Das Klonen von menschlichen Zellen durch Zellkerntransfer, die Methode, mit der vor siebzehn Jahren das Klonschaf „Dolly“ hergestellt worden war, ist endgültig beim Menschen angekommen. Zwar ist auf diese Weise noch immer keine genetische Kopie eines ganzen Menschen, sprich ein Klon-Baby erzeugt worden, was in mehr als dreißig Ländern - Deutschland inklusive - ohnehin per Strafe untersagt ist. Aber das sogenannte Forschungsklonen oder „therapeutische Klonen“ macht nach einer langen Durststrecke nun plötzlich enorme Fortschritte. Dabei werden die Millimeter kleinen geklonten Embryonen nur bis zu einem etwa hundert Zellen umfassenden Keimbläschen-Stadium, der Blastocyste, kultiviert und die innere Zellmasse zur Erzeugung von embryonalen Stammzellen genutzt - zu jenen verjüngten,  vermehrungsfähigen und prinzipiell in jedes andere Gewebe umwandelbare („pluripotente“) Universalzellen, die von der regenerativen Medizin und womöglich bald schon von der Transplantationsmedizin extrem sind.  

          Joachim Müller-Jung

          Redakteur im Feuilleton, zuständig für das Ressort „Natur und Wissenschaft“.

          Im Forschungsinstitut der „New York Stem Cell Foundation“ haben der ehemalige Harvard-Forscher Dieter Egli und Susan Solomon zusammen mit Mark Sauer von der Universitätsklinik der Columbia University die Zellen einer 32jährigen Patientin mit schwer behandelbarem Diabetes I sowie die Zellen eines neugeborenen Jungen geklont und daraus die gewünschten pluripotenten Stammzellen erzeugt. Es ist innerhalb eines Jahres der dritte Bericht über das erfolgreiche Forschungsklonen. Davor waren Jahre lang zwar immer wieder Berichte von Klonexperimenten veröffentlicht worden. Aber dass aus den Klonembryonen tatsächlich kultivierbare embryonale Stammzellen gewonnen werden können, haben erst die Versuche des russisch-stämmigen Stammzellforschers Shukrat Mitalipov von der Oregon Health and Science  University im vorigen Jahr eindeutig und nachvollziehbar gezeigt. Vor wenigen Wochen hat dann ein amerikanisch-koreanisches Team um Robert Lanza von der Firma „Adcancded Cell Technologies“ (ACT)  die Zellen unter anderem eines 72 Jahre alten Mannes geklont und damit gezeigt, dass sich selbst das gealterte und mutmaßlich vielfach mutierte Genom des Menschen  zum Klonen eignet (siehe Kasten weiter unten).

          In der Petrischale vermehrt: Eine Kolonie mit den embryonalen Stammzellen einer Diabetes-Patientin.

          Für das Klonen der 32jährigen Diabetes-Patientin, die seit ihrem zehnten Lebensjahr an der schweren Krankheit leidet, sind wie in den beiden anderen Versuchen Fibroblastenzellen aus der Haus verwendet worden.  Das Genom dieser Zellen wurde in Eizellen eingeschleust, deren eigener Zellkern mit dem Erbmaterial zuvor entnommen worden war. Im Laufe von mehr als drei Jahren haben sich 35 Frauen in der Columbia-Klinik bereit erklärt, Eizellen für die Stammzellforschung zu spenden. Insgesamt wurden 512 Eizellen nach einer hormonellen Stimulation gewonnen, 423 Eizellen wurden tatsächlich für die Klonexperimente eingesetzt. Allerdings dauerte es eine Weile, bis die Gruppe um Egli und Solomon wirklich erfolgreich war. Erst nachdem Mitalipov sein Protokoll veröffentlichte und einige entscheidende technische Hinweise lieferte, wie das Spender-Genom und die Eizellen zu behandeln sind, die die Biologie der lebenden Zellen nicht beeinträchtigt und gleichzeitig den Zellzyklus nicht ins Stocken bringt, war auch Eglis Team erfolgreich.

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