https://www.faz.net/-gwz-7tp5m

Umfrage in Krebszentren : Wenig würdevoll, dieses Sterben

Beistand in den letzten Stunden. Bild: dpa

Eine Umfrage unter Pflegern und Ärzten in süddeutschen Krebszentren zeigt: Für Kranke im Endstadium sind die wenigsten Hochleistungskliniken eingerichtet. Dabei ist das Sterben im Krankhaus schon die Norm.

          Im Krankenhaus zu sterben ist für die Mehrheit der Menschen keine schöne Vorstellung. Die allermeisten wollen zu Hause sterben. Lediglich drei Prozent der deutschen Bevölkerung wären damit einverstanden, die letzten Stunden auf Station zu verbringen, wenn sie etwa an Krebs im Endstadium litten und entsprechend eine Wahl hätten. Tatsächlichlich jedoch werden heute die meisten Todesfälle in Kliniken verzeichnet. Und zu den Realitäten gehört offenbar auch die bittere Erkenntnis: Meistens sind die Umstände des Sterbens für Tumorpatienten alles andere als würdevoll zu bezeichnen. Das legt jedenfalls eine Studie nahe, die Karin Jors und ihre Kollegen vom Universitätsklinikum Freiburg in 10 baden-württembergischen Krebszentren vorgenommen haben. 

          Joachim Müller-Jung

          Redakteur im Feuilleton, zuständig für das Ressort „Natur und Wissenschaft“.

          Mehr als 2200 Fragebögen waren an das Personal der 18 Krebszentren im südwestlchen Bundesland verschickt worden. Ein Viertel der Befragten waren Ärzte, zwei Drittel Schwestern oder Pfleger und ein kleiner Teil Pflegelehrlinge. Es ging um ihre eigene Sicht auf die Palliativversorgung in den Krebskliniken. Am Ende lieferten knapp die Hälfte der Befragten auswertbare Antworten, acht Krebszentren im Land weigerten sich sogar komplett, Auskunft über Hospizdienste und die Versorgung von sterbenden Patienten zu erteilen. Und selbst jene Krebskliniken, aus denen die Fragebögen zurück kamen, sind für die Palliativversorgung deutscher Spezialkliniken kein Rumesblatt: Im Schnitt gab die Hälfte des Personals an, grundsätzlich nicht genug Zeit für die Betreuung sterbender Krebspatienten zu haben, 55 Prozent fanden zudem die zur Verfügung stehenden Räumlichkeiten für die Palliativversorgung für nicht ausreichend.

          Nur ein Fünftel sieht sich gut ausgebildet

          Noch düsterer sieht das Ergebnis aus, wenn es um die professionelle Vorbereitung auf den Hospizdienst geht: Lediglich 19 Prozent gab an, ausreichend auf den Umgang mit Sterbenden vorbereitet  zu sein, bei den Ärzten waren es sogar nur 6 Prozent, wie Jors und ihre Kollegen in der aktuellen Ausgabe der Zeitschrift der amerikanischen Krebsgesellschaft „Cancer“ schreiben. „Die Zahlen dürften angesichts der Weigerung vieler Krebszentren, sich an der Untersuchung zu beteiligen, sogar ein zu optimistisches Bild der Situation zeichnen“, heisst es in der Veröffentlichung.

          Richtig zufrieden scheinen die Klinikmitarbeiter nur dort, wo tatsächlich professionelle Palliativversorgung angeboten wird. Im Schnitt glaubten gut 95 Prozent der auf Palliativstationen tätigen Mitarbeiter, dass in ihrem Krankenhaus ein würdevolles Sterben möglich ist. Das Ziel, so schließen die Freiburger Mediziner aus den Resultaten ihrer Studie, müsste demnach sein, mehr Geld in den Aufbau und die Weiterbildung in Pallativstationen zu investieren. Dies  zumal die Zahl der Sterbefälle in Krankenhäusern angesichts der demographischen Situation und dem Willen der Mediziner, möglichst lange lebenserhaltende Maßnahmen vorzunehmen, eher noch weiter steigen werde.    

          Topmeldungen

          Nach einem ungeregelten Brexit im Oktober könnte Joghurt wegen der erschwerten Einfuhrbedingungen und der möglichen Knappheit Seltenheitswert haben.

          Ungeregelter Brexit : Wenn der Joghurt zum Luxus wird

          Wenn Joghurt zum Luxusgut wird. Das könnte dem Vereinigten Königreich tatsächlich bei einem ungeregeltem Brexit am 31. Oktober passieren. Besonders die britische Milchindustrie fürchtet sich vor kommenden Engpässen.
          Auf eine Partie Bridge: Starinvestor Warren Buffet und Microsoft-Mitgründer Bill Gates auf einer Veranstaltung während der Hauptversammlung von Berkshire Hathawy am 6. Mai 2019

          Drohende Rezession : Buffett vertraut auf das Wirtschaftswachstum

          Berkshire Hathaway, die Gesellschaft des berühmten Starinvestors, hat zuletzt Aktien von Banken und eines Einzelhändlers gekauft. Die Kursrückschläge dürfte Buffett als Kaufgelegenheit nutzen.
          Mit virtueller Realität direkt ins Herz der Immigranten – Iñárritus Sechseinhalb-Minuten-Installation in Cannes.

          Künstliches Herz : Organ aus dem 3-D-Drucker

          Forscher konstruieren eine künstliche Herzkammer und Muskelzellen, die synchron schlagen. Noch fehlt Entscheidendes, damit Ersatzorgane aus dem 3-D-Drucker entstehen können.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.