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Deutscher Krebskongress : Risiko Fettleibigkeit

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Übergewicht erhöht das Krebsrisiko. Bild: dpa

Krebs ist mittlerweile die führende Todesursache bei Diabetikern. Der Zusammenhang zum Übergewicht eröffnet aber auch Wege für neue Therapien.

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          Die wachsende Zahl der Personen mit Fettleibigkeit und die damit einhergehende rapide ansteigende Inzidenz des Diabetes mellitus führen zur Zunahme der Krebsfälle. Mehr als fünf Millionen Menschen in Deutschland sind vom Diabetes mellitus betroffen. In über neunzig Prozent der Fälle handelt es sich um den Typ II der Erkrankung, der mit Übergewicht assoziiert ist. Dabei kommt es zum Anstieg des Blutzuckerspiegels, obgleich Insulin vermehrt ausgeschüttet wird. Allerdings wird das Insulin für den Aufbau von Fettgewebe „verbraucht“. Gefürchtete Spätfolgen des fehlgeleiteten Stoffwechsels sind Veränderungen an den Blutgefäßen, die Schlaganfälle, Herzinfarkte und Durchblutungsstörungen an den Extremitäten verursachen. Diese Krankheiten galten bislang als Todesursache Nummer eins bei Diabetikern.

          Doch jetzt heißt es für Ärzte und Patienten umzulernen, wie auf dem Deutschen Krebskongress zu erfahren war, der vergangene Woche in Berlin zu Ende ging. Krebs hat die Gefäßleiden als Todesursache bei Diabetikern überholt. Diabetes mellitus Typ II und Fettleibigkeit sind mit dem Auftreten von Krebs über eine Reihe von Stoffwechselwegen verbunden. Fettleibigkeit erweist sich als stärkster Risikofaktor für das Auftreten bösartiger Tumoren, ein Befund, der zu wenig Beachtung findet, hieß es in Berlin.

          Die Weltgesundheitsorganisation hat die Adipositas als eine latente Krankheit bezeichnet, als nicht übertragbare Pandemie. Im Gefolge dieser nicht ansteckenden Pandemie stieg auch die Zahl der Diabetiker an. In Deutschland sind 52 Prozent der Erwachsenen übergewichtig. Drei Prozent mehr als im Jahr 2005.

          Wer sein Gewicht reduziert, reduziert auch das Risiko für Krebs

          Übergewicht wird durch den Body-Mass-Index erfasst. Er errechnet sich durch den Quotienten aus Körpergewicht in Kilogramm und der Körpergröße im Quadrat. In Deutschland haben zehn Millionen Menschen eine Fettleibigkeit im Stadium I + II, das heißt einen Body-Mass-Index (BMI) höher als 30. Über 750 000 Personen leiden an einer Adipositas im Grad III, entsprechend einem BMI von mehr als 40. In dieser Gruppe ist das Krebsrisiko exorbitant erhöht. Das Lebenszeitrisiko, an Krebs zu erkranken, beläuft sich bei diesen Patienten auf annähernd fünfzig Prozent. Ausgerechnet die Zahl der Personen mit Adipositas Grad III hat sich in den vergangenen zwölf Jahren um 85 Prozent erhöht.

          Die Tumorkrankheiten bei Personen mit Übergewicht betreffen meist Speiseröhre, Nieren, Gallenwege, Magen, Dickdarm und die weiblichen Geschlechtsorgane. Einen Zusammenhang zwischen Fettleibigkeit, Diabetes und Krebs belegt die Beobachtung, dass sich das Krebsrisiko und die Sterblichkeit an Krebs nach Gewichtsreduktion, etwa nach chirurgischen Eingriffen zur Behandlung der Fettleibigkeit, wieder normalisieren, wie der Adipositaschirurg Till Hasenberg aus Oberhausen berichtete. Fettleibigkeit erhöht das Krebsrisiko und beeinflusst den Verlauf einer Krebserkrankung ungünstig.

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