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Trockenheit in Deutschland : Schon wieder ächzen die Böden nach Wasser

  • -Aktualisiert am

Goldene Ernten, auch das hat der Sommer 2018 gezeigt, gibt es unter den extremeren Klimabedingungen der Zukunft vor allem für einige wenige Spezialisten. Bild: dpa

Der trockene Frühling in Nord- und Ostdeutschland wird zum Problem, weil er ein bereits gebildetes Niederschlagsdefizit weiter verstärkt. Experten fordern einen strategischen Umgang mit Wasser.

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          Die Schlagzeilen klingen vertraut: Ernteeinbrüche in der Landwirtschaft, erhöhte Waldbrandgefahr, sinkende Grundwasserpegel. Einmal mehr sehen sich Teile Deutschlands im Frühjahr 2022 mit einer Trockenheitsperiode auseinandergesetzt. „Schauen wir auf den Frühling, der jetzt zu fast 75 Prozent vorbei ist, wurde das Regensoll erst zu 42 Prozent erfüllt“, sagt Meteorologe Dominik Jung, Geschäftsführer des Wetterdienstes Q.met. Referenz ist der Zeitraum 1961-1990. In fast allen Regionen Norddeutschlands und Teilen der Mitte seien in den ersten Maitagen kaum mehr als zehn, teilweise nicht einmal fünf Liter pro Quadratmeter Regen gefallen. Der Dürremonitor des Helmholtz-Zentrums für Umweltforschung (UFZ) zeigt, dass in großen Teilen Brandenburgs und Sachsen-Anhalts extreme oder außergewöhnliche Dürre herrscht. Ursächlich für den neusten Trockenheitsschub ist ein anhaltender Hochdruckeinfluss über Teilen Nord- und Mitteleuropa, das laut dem Deutschen Wetterdienst (DWD) bereits Ende April gut absehbar gewesen sei. „Eine Blockadewetterlage“, sagt Jung. „Ein Hoch, das alle Regentiefs vom Atlantik abblockt.“

          Direkt von rekordverdächtigem und außergewöhnlichem Wetter zu sprechen, sei dennoch falsch, so DWD-Agrarmeteorologin Corina Schube. Datenreihen des DWD zeigen, dass deutschlandweit im April sogar mehr Regen gefallen ist als in den dreizehn Jahren zuvor. In den nördlichen Bundesländern liegen die Zahlen ähnlich niedrig wie in den vergangenen Jahren. Jung weist auf das Niederschlagsdefizit hin, das nach den trockenen Jahren 2018, 2019 und 2020 noch immer mitgeschleppt werden. „Wir bräuchten eigentlich mal zwei oder drei nasse Winter, um das auszugleichen.“ Bleiben diese aus, verschärft sich das Problem mit jeder neuen Dürreperiode weiter.

          Verzögertes Pflanzenwachstum kann aufgeholt werden - wenn es mehr regnet

          Klimarekonstruktionen des UFZ zeigen, dass die Trockenheit im Zeitraum 2018-2020 in den vergangenen zweihundertfünfzig Jahren tatsächlich einmalig gewesen ist. „2021 war dann aber wieder gar kein Problem“, sagt Andreas Marx, Klimaforscher am UFZ. „Wir sollten jetzt nicht bei jeder Trockenperiode reflexartig annehmen, dass das die Normalität ist.“ Auch im April 2014 habe in großen Teilen Deutschlands Dürre geherrscht, „am Ende des Jahres hatten wir dann aber überdurchschnittliche Erträge. Pflanzen brauchen nicht immer gleich viel Wasser. Verzögertes Wachstum kann auch aufgeholt werden, wenn es im Sommer dann mehr und zu den richtigen Zeitpunkten regnet.“

          Folgen der erneuten Trockenheit zeigen sich dennoch schon jetzt, und zwar nicht nur in Deutschland. Zwischen Januar und Mai lagen die Niederschläge in Frankreich 30 Prozent unter dem Durchschnitt der vergangenen zwanzig Jahre, zitiert die Nachrichtenagentur Reuters einen Vertreter des Anbauinstituts Agronom. In ersten französischen Regionen sind Wasserrestriktionen bereits in Kraft getreten. Im April stellte die Regierung 100 Millionen Euro zur Verfügung, um die Folgen der Dürre abzuschwächen. Besonders problematisch, sagt UFZ-Sprecher Marx, sei die Situation bei Sommerkulturen, die bereits ausgetrieben haben. „Da droht die Gefahr, dass diese jetzt vertrocknen.“ Wintergetreide gelangt dank längerer Wurzeln auch in tiefere Bodenschichten, in denen noch ausreichend Wasser vorhanden ist.

          In Deutschland ist Schleswig-Holstein ein Hotspot der Trockenheit. Das Bundesland sah sich, bevor am Mittwoch und Donnerstag wieder geringe Regenmenge fielen, einer wochenlangen Dürreperiode ausgesetzt. Auf Getreide- und Rapsfeldern seien immer mehr Schäden zu beobachten, berichtet Daniela Rixen, Sprecherin der Landwirtschaftskammer. Viele Standorte müssten künstlich beregnet werden. „Was wir jetzt brauchen, ist ein ergiebiger, aber nicht zu heftiger Landregen.“ Sollte dies in den kommenden Tagen nicht nennenswert geschehen, sind erste Ertragsbußen zur Ernte 2022 bereits vorprogrammiert. „Alle Kulturen brauchen in den nächsten Wochen dringend Niederschläge, damit die Ertragsbußen nicht zu groß werden“, ergänzt Gerald Burgdorf, Leiter des Fachbereichs Pflanzenbau bei der Landwirtschaftskammer Niedersachsen. Auch bei Kartoffeln hänge die Qualität direkt von der Wasserversorgung ab.

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