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Moderne Traktoren : Der Schlepper denkt mit

  • -Aktualisiert am

Der Porsche-Diesel-Traktor P 111, Deutschland, Baujahr 1956, Ein-Zylinder-Motor, zwölf PS. Bild: Patrick Slesiona

Elektronik und Satellitensteuerung sind für den Landwirt von heute keine Fremdworte mehr. Ganz von allein fährt sein Traktor noch nicht. Aber fast.

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          Gemächlich tuckert er übers Feld. Die schweren Reifen hinterlassen ihre Spuren im frischgepflügten Erdreich. Es wirkt fast schon idyllisch, wie das plumpe Gefährt seine Runden zieht, Bahn für Bahn, ohne Hast. Doch die Romantik täuscht: Der Traktor, vulgo Schlepper, ist ein Hightechgerät.

          Drei Dinge zeichnen den Traktor von heute aus: Er ist stark, effizient und komfortabel. Erklärtes Fernziel der Agrartechniker ist der teil- oder vollautonome Traktor, der mittels Satellit gesteuert wird. Überflüssig, darin sind sich die Fachleute einig, wird der Traktor nie, dafür ist seine Bedeutung in der Landwirtschaft zu groß. Schließlich trägt und zieht er nahezu alle landwirtschaftlichen Geräte, nicht wenige treibt er auch an.

          „Die meisten Menschen haben vom Traktor noch ein falsches Bild“, sagt Stefan Böttinger vom Institut für Agrartechnik der Universität Hohenheim. „Sie denken, es handele sich um eine einfache Maschine. Dabei ist der Traktor längst vergleichbar mit einem modernen Lkw.“

          Der moderne Traktor ist vor allem bequem

          Die erste Entscheidung, die ein Landwirt beim Kauf eines Traktors trifft, ist die über die Leistungsklasse. Die orientiert sich an der Größe seines Betriebes und an den anstehenden Aufgaben. Auf dem europäischen Markt sind vor allem Mittelklassetraktoren mit etwa 210 bis 250 PS stark nachgefragt.

          Anders sieht das auf den weiten Feldern in Russland oder Amerika aus. Da wälzen sich bis zu 600 PS starke Ungetüme über die Flächen, versehen mit acht Reifen, von denen jeder einzelne einen Durchmesser von fast zwei Metern hat. „Parallel dazu wächst derzeit aber auch der Markt für kleine Traktoren mit nur rund 30 PS, weil die Tätigkeiten auf einem Hof mehr und mehr spezialisiert werden“, sagt Böttinger. Die kleinen Schlepper sind leichter und wendiger, daher auch flexibler einsetzbar als ihre großen Brüder.

          Unabhängig von seiner PS-Zahl ist der moderne Traktor vor allem bequem. Nicht etwa, weil Landwirte so bequeme Menschen sind, sondern weil sie meist zehn, zwölf Stunden in der Kabine sitzen und ein angenehmes Arbeitsumfeld nicht nur ihrer Gesundheit - Stichwort: Bandscheibe -, sondern auch der Konzentration und damit der Qualität ihrer Arbeit zugutekommt. Die Kabinen sind fast alle mit einem Schallschutz versehen und gegen Schwingungen isoliert, der Fahrersitz ist luftgefedert.

          "Intelligente Lösungen"

          Eine Frage des Komforts ist auch das Getriebe. Die meisten Traktoren verfügen über ein stufenloses Getriebe, mit dem der Fahrer immer die richtige Geschwindigkeit halten kann. Inzwischen hat auch das Doppelkupplungsgetriebe Einzug gehalten, das mit rein mechanischer Kraftübertragung funktioniert. Dabei werden zwei Gänge parallel zugeschaltet und immer nur einer abgerufen.

          „Dadurch hat man gleichzeitig den Komfort eines stufenlosen und den Wirkungsgrad eines mechanischen Getriebes“, erklärt Oliver Neumann von John Deere. Das amerikanische Unternehmen hat sich auf Landtechnik spezialisiert und war im vergangenen Jahr mit einem Anteil von 21,3 Prozent in diesem Bereich Marktführer in Deutschland. Am Standort in Mannheim schrauben viertausend Mitarbeiter jährlich 39 000 Traktoren zusammen, die in achtzig Länder geliefert werden.

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