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Bald auch digitale Apokalypse? : Daten fressen Erde auf

Abtauchen oder weitermachen? So schön wird`’s nach der Datensintflut wohl nimmermehr. Bild: dpa

Die Computerisierung der Welt strapaziert nicht nur unsere Köpfe, sie krempelt den ganzen Planeten auch materiell und energetisch um, meint ein Mathematiker. In ein paar Generationen ersticken wir an unseren Bits. Eine Glosse zur angekündigten „Informationskatastrophe“.

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          Wer etwas Routine hat im Umgang mit dem Ende der Geschichte und der Welt, die wir bewohnen, der geht in diesen Tagen durch die Hölle. Wie giftige Pilze schießen die Weltuntergangserwartungen inzwischen aus dem Boden und machen es zunehmend schwer, den Quatsch sauber von der Soße zu trennen. Viele der Fanatiker wie Elon Musk und die Apokalyptiker des Silicon Valley oder die Verschwörungsdussel der Pandemie verbeißen sich dabei in einen derart wirren Unheilswahn, dass sich das Weltende praktisch jeder nachvollziehbaren Überprüfung entzieht.

          Joachim Müller-Jung

          Redakteur im Feuilleton, zuständig für das Ressort „Natur und Wissenschaft“.

          Beim Klimakollaps, um das wichtigste Gegenbeispiel zu nennen, ist das anders. Deutlich verzwickter ist da wiederum der von Stephen Hawking erwartete Amoklauf Künstlicher Intelligenzen einzuschätzen, bei dem das Menschengeschlecht durch Maschinen verdrängt werden soll. Was aber, wenn die Emanzipation der Roboter trotzdem ausbleibt, und was, wenn der Klimawandel entgegen der aktuellen Erwartungen nicht in die befürchteten Katastrophen mündet? Dann bleibt den Endzeitpropheten immerhin noch eine weitere, bisher kaum beachtete dystopische Offenbarung – die Daten-Apokalypse oder genauer: die „Informationskatastrophe“.

          „Masse-Energie-Informations-Äquivalenz-Prinzip“

          Dahinter verbirgt sich eine These des englischen Mathematikers Melvin Vopson, der sich auf den deutsch-amerikanischen Thermodynamiker Rolf Landauer und dessen „Masse-Energie-Informations-Äquivalenz-Prinzip“ aus dem Jahr 1961 beruft. Kurz gesagt, geht es darum, dass jede Information physikalisch umwandelbar ist, so wie Energie und Masse in Albert Einsteins berühmter Gleichung E=m·c². Vopson nun hat in der Zeitschrift „AIP Advances“ vorgerechnet, was es heißt, wenn der digitale Mensch – mit oder ohne (Künstliche) Intelligenz – immer mehr Energie aufwendet und grenzenlos Informationseinheiten, sprich: Bits, in diese Welt bringt. Das kommt für den Mathematiker einer gigantischen Umverteilung irdischer Masse und Energie in Information gleich.

          Ressourcen gehen in Information auf. Neunzig Prozent der Datenmengen, die heute gespeichert vorliegen, sind in nur zehn Jahren – den zehn vergangenen Jahren – erzeugt worden. Die Kurve wächst exponentiell. In 130 Jahren, erwartet Vopson, werde allein für die Erhaltung der digitalen Information so viel Energie benötigt, wie heute weltweit verbraucht wird. Und schon im Jahr 2245 werde die Hälfte der Erdmasse in Bits und damit in Informationsmasse umgewandelt sein. Anders gesagt: Der Informationshunger frisst zuerst unseren Verstand und dann den ganzen Planeten. Digitale Diät, anders gibt’s kein Überleben.

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