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Embryonenschutz : Theologe befürwortet Gentechnik am Menschen

  • Aktualisiert am

Präparation der künstlichen Befruchtung in einer Kinderwunschklinik. Bild: dpa

Nein zur Änderung des Embryonenschutzgesetzes, aber ein kontrolliertes Ja zu Genveränderungen von Menschen. Ein langjähriges Mitglied des Ethikrates sieht Chancen für die Zukunft der neuen Biotechniken.

          Gegen den Vorstoß aus Teilen der Nationalakademie der Wissenschaften Leopoldina zur Lockerung des deutschen Embryonenschutzgesetzes regt sich theologischer Widerstand - allerdings ein erstaunlich zahmer. Der Freiburger Moraltheologe Eberhard Schockenhoff, langjähriges Mitglied im Deutschen Ethikrat, hat sich gegen eine Aufhebung des Embryonenschutzes aufgrund der internationalen Beschleunigung der Stammzell- und Genforschung ausgesprochen: „Wir sollten eher stolz darauf sein, dass wir nicht alles mitmachen, was in China geschieht“, sagte Schockenhoff am Freitag der Katholischen Nachrichten-Agentur. Das gelte insbesondere bei den grundlegenden Rechten wie dem Recht auf Leben und dem Verbot, Leben zu instrumentalisieren. Zudem seien die Biowissenschaften in Deutschland keineswegs „so abgehängt, wie das manche glauben machen wollen“. Er hoffe, dass die neuen Forderungen keine politische Mehrheit fänden.

          Grundsätzlich offen zeigte sich Schockenhoff gegenüber neuen Techniken, das menschliche Genom mit der sogenannten Genschere CRISPR/Cas zu verändern. „Wenn man diese Technik für eine somatische Gentherapie, also bei bereits erkrankten Patienten, anwenden könnte, sehe ich keine grundlegenden ethischen Einwände.“ Auch gegen einen Genscheren-Eingriff in die Keimbahn gebe es keine grundsätzlichen Bedenken. Eingriffe in die Keimbahn haben nicht nur Auswirkungen auf den jeweiligen Patienten, sondern auch auf alle seine Nachkommen.

          Allerdings gebe es hier hohe Hürden: „Erstens müsste die Wissenschaft nachweisen, dass der Eingriff sicher ist. Dass er also nur die gewünschten Folgen hat. Das kann derzeit niemand garantieren. Zweitens dürften Eingriffe in die Keimbahn nur auf die Behebung eines klaren Gendefekts begrenzt sein. Und nicht für andere Optimierungsfantasien.“

          Keine Forschungsfreigabe

          Zudem betonte Schockenhoff, dass das Ziel der Behebung von Krankheitsursachen durch Eingriffe in die Keimbahn nur mit ethisch legitimen Mitteln erreicht werden dürfe. Eine Nutzung und anschließende Zerstörung menschlicher Embryonen zu Forschungszwecken dürfe es nicht geben.

          Das langjährige Ethikratsmitglied forderte zudem mehr Transparenz bei der Vermengung von Wissenschaft und ökonomischen Gewinninteressen. Viele Wissenschaftler seien an Firmen beteiligt, die mit den Erkenntnissen Geld verdienen wollten: „In Zukunft dürfte die Verzahnung noch enger werden. Deshalb müssten die Forscher zumindest offenlegen, dass sie nicht allein dem hehren Erkenntnisgewinn verpflichtet sind, sondern häufig auch ganz persönlichen Profitinteressen.“

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