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Suizidprävention bei Facebook : Ganz im Vertrauen

  • -Aktualisiert am

Depressiv? Algorithmus findet das schon heraus. Bild: Foto ACE

Kann künstliche Intelligenz Menschen vom Suizid abhalten? Sie brauchen jedenfalls Hilfe von außen.

          Die gute Nachricht zuerst: Weltweit ist die Suizidrate deutlich gesunken. Die absoluten Zahlen stiegen zwar seit 1990 leicht an, und 2016 waren es mehr als 800.000 Suizidtote. Berücksichtigt man aber das weltweite Bevölkerungswachstum im gleichen Zeitraum, sank die Rate um rund ein Drittel. Das zeigt eine gerade im „British Medical Journal“ veröffentlichte Auswertung des 1992 von der Weltgesundheitsorganisation mitinitiierten Projekts „Global Burden of Disease“. Dafür werden Daten aus aller Welt zu den wichtigsten Ursachen von Krankheit und Tod gesammelt. In Deutschland entsprechen die Suizidzahlen ungefähr diesem globalen Trend, blieben seit 2007 aber auf einem Niveau von rund 10.000 Todesfällen im Jahr.

          Allerdings sind sich Fachleute einig, dass sich ein Großteil jener Menschen, die sich selbst das Leben nehmen, dies eigentlich gar nicht will. Insbesondere Jugendliche und junge Erwachsene, denen vielmehr eine Perspektive fehlt, wie sie ihre unüberwindlich erscheinenden Probleme lösen und zu einem lebenswerten Leben zurückfinden können. Dafür brauchen sie Hilfe von außen – und dieser verschließen sich Menschen mit suizidalen Gedanken oft. Die wichtige Frage, die auch die Autoren der aktuellen Studie stellen, lautet: Wie kann man Gefährdete besser erreichen?

          Wie die Algorithmen arbeiten, ist ein Betriebsgeheimnis

          Ein Ansatz, um gerade jüngere Menschen mit suizidalen Gedanken zu erkennen, bietet ihr digitaler Fußabdruck im Internet, vor allem in sozialen Netzwerken. Facebook zum Beispiel ist für Milliarden Menschen zu einer Plattform für ihr digitales Alter Ego geworden, auf der selbst Intimstes preisgegeben wird. Auf diese Weise können sich Suizidabsichten zeigen, werden manchmal sogar gefördert: Virtuelle Netzwerke wie Facebook, Instagram und Co.- machen es leicht, irgendwo auf der Welt selbst für die abwegigsten Interessen noch Gleichgesinnte zu finden, suizidale Absichten gehören dazu.

          Nach bitteren Erfahrungen mit Suiziden, die auf Facebook mehr oder minder offen angekündigt, unter Lebensmüden abgesprochen und manchmal sogar live übertragen wurden, führte der OnlineDienst Anfang 2017 in den Vereinigten Staaten ein neues Programm zur Prävention ein. Basis ist die gleiche Künstliche Intelligenz, mit der Facebook die Inhalte seiner Nutzer auswertet, um ihnen etwa maßgeschneiderte Werbung zu präsentieren. Wie diese Algorithmen arbeiten, ist Betriebsgeheimnis, auch wenn es um die Suche nach Suizidgefährdeten geht. Was man weiß: Beim Durchsuchen der Posts werden auch Inhalte registriert, die auf Selbstmordgedanken oder konkrete Suizidpläne hinweisen. Das können Begriffe sein, die mit Suizid, Selbstverletzung oder Depression zu tun haben, oder Kontaktaufnahmen zu anderen bereits beobachteten Nutzern. Facebooks Künstliche Intelligenz erzeugt daraus eine Art Suizidrisiko-Score auf einer Skala von eins bis zehn, auf der „Eins“ für „unmittelbare Gefahr“ steht. Aber Facebook setzt nicht nur auf Algorithmen: Verdachtsfälle landen bei Mitarbeitern. Und die entscheiden, ob sie einen für den betroffenen Nutzer sichtbaren Hinweis auf Hilfsangebote einblenden oder in akuten Fällen Polizei oder Notarzt alarmieren. „Im vergangenen Jahr haben wir Ersthelfern geholfen, rund 3500 Menschen weltweit zu erreichen, die Hilfe brauchten“, schrieb Facebook-Chef Mark Zuckerberg Ende 2018 in einem Blogbeitrag.

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