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Immunstudien zu Omikron : Ein Aufatmen von Virologen hört sich anders an

Omikron ist auch in Griechenland angekommen. Neue strengere Maßnahmen die Folge. Bild: dpa

Die ersten Laborstudien zur Omikron-Variante zeigen: Impfen hilft weiter. Biontech vermeldet als erster Hersteller eine positive Wirkung auf die neue Mutation . Doch Virologen können noch längst keine Entwarnung geben.

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          Wenn Anthony Fauci, der amerikanische Chefvirologe und Präsidentenberater für die Pandemie, die ersten Realwelt- und Labordaten über die Omikron-Variante mit den Worten „zumindest nicht gefährlicher als Delta“ kommentiert und sich gleichzeitig der Chefvirologe der Nation, Christian Drosten, besorgt über Omikron und die mögliche Verlängerung der Pandemie über das nächste Frühjahr hinaus äußert, dann muss das kein Widerspruch sein. Vielmehr kann jeder erkennen: alles ist im Fluss. Die Unsicherheit bleibt. Die ersten aussagekräftigen Daten lassen zwar aufhorchen und sie flüstern den Wissenschaftlern schon einiges zu – aber sie sind weder sicher noch endgültig. Die jüngste Meldung, die dazu passt: Mediziner in Südafrika haben laut der Nachrichtenagentur Reuters bei einem Infizierten eine Untervariante von Omikron identifiziert. Eine mit vielen Gemeinsamkeiten – aber auch nur 14 statt 32 Mutationen im Spike-Protein und ohne die für die PCR-Tests relevante Delta-69/70-Mutation.

          Joachim Müller-Jung
          Redakteur im Feuilleton, zuständig für das Ressort „Natur und Wissenschaft“.

          Wie sich diese Subvariante infektiologisch zu jener Omikron-Variante verhält, die inzwischen in drei Dutzend Ländern der Welt – inklusive Deutschland – verbreitet ist, bleibt unklar. Eine Überraschung ist ihr Auftauchen nicht. Die Evolution des Virus geht weiter, und so lange die Zahl der Infizierten hoch bleibt, kann es seine Fitness mit immer neuen Versionen in der Bevölkerung austesten. Eine echte Entwarnung wird man somit lange von keinem seriösen Virologen oder Epidemiologen hören.

          Wie verhält sich der Erreger bei Ungeimpften, Alten, Vorerkrankten?

          Nach der exponentiellen Verbreitung in der südafrikanischen Region Gauteng – mit einer Verdoppelung der Fälle alle paar Tage und ersten Berichten über ungewöhnlich viele Wiederansteckungen von Genesenen durch Omikron – zeigen die ersten Neutralisationsversuche in einigen Laboren: Omikrons angedeuteter Siegeszug gründet sich wohl tatsächlich in erster Linie auf die besondere Fähigkeit, den Immunschutz zu unterlaufen – also die Immunflucht, genauer: den Wirkungsverlust vor allem der Antikörper. Sie bilden zwar nur einen Teil des Immunschutzes, aber einen ganz wesentlichen nach der Corona-Infektionen und eben auch nach einer Impfung.

          Dass Omikron die Geimpften ebenso wie früher Infizierte tatsächlich anstecken kann, ist inzwischen durch zahlreiche Positivbefunde – also epidemiologisch – gezeigt worden. Dass die neue Variante den Impfschutz aber so stark unterläuft und die erworbene Immunität so weit verloren geht, dass die Omikron-Infizierten tatsächlich schwer erkranken können, ist alles andere als klar: Denn die mit Omikron Befallenen decken bisher bei weitem noch nicht das ganze Spektrum der Covid-19-Risikopersonen ab. Die epidemiologischen Daten sind also lückenhaft. Wie sich der Erreger bei Ungeimpften, Alten, Vorerkrankten oder Immunsupprimierten verhält? Unbekannt.

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